Klatt-Affäre : Nun doch Vetternwirtschaft beim Nahverkehr?

Nahverkehrs-Chef  Norbert Klatt ist bis Oktober 2014 auf jedenfalls noch zum Geschäftsführer berufen. Und einen Anstellungsvertrag hat er beim Nahverkehr noch bis 2018.
Nahverkehrs-Chef Norbert Klatt ist bis Oktober 2014 auf jedenfalls noch zum Geschäftsführer berufen. Und einen Anstellungsvertrag hat er beim Nahverkehr noch bis 2018.

Die Hinweise verdichten sich. Die Prüfer haben wohl noch nie so viele Familienangehörige des Geschäftsführers im Unternehmen vorgefunden wie bei Nahverkehrs-Chef Norbert Klatt

svz.de von
21. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Nun scheint es doch definitiv einen Fall von Vetternwirtschaft beim Nahverkehr zu geben. Die mit der Sonderuntersuchung beauftragten Prüfer der Wikom AG kündigten nach SVZ-Informationen an, dass dies so in ihrem Abschlussbericht stehen werde. Die beiden Wikom-Leute hatten Donnerstagabend Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, ihrem Stellvertreter Wolfram Friedersdorff und den Fraktionsvorsitzenden der Stadtvertretung sowie dem Geschäftsführer der Stadtwerke Josef Wolf und dem Geschäftsführer der städtischen Beteiligungsgesellschaft Matthias Dankert einen Zwischenbericht gegeben (SVZ berichtete). Schon darin sollen sie festgestellt haben, dass die Ausschreibung der Stelle, die dann die Tochter von Nahverkehrsgeschäftsführer Norbert Klatt bekam, so formuliert worden war, dass nur diese Person den Posten bekommen konnte. Das sei zwar rechtlich nicht zu beanstanden, aber der Zusammenhang sei eindeutig. Nachfragen von Stadtvertretern sollen dann die Wikom-Prüfer veranlasst haben, zuzusichern, auch die Berufung von Klatts Sohn zum Betriebsleiter noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die beiden externen Kontrolleure sollen nach SVZ-Informationen hervorgehoben haben, dass sie bei Prüfungen anderer Firmen noch nie so viele Familienangehörige des Geschäftsführers im Unternehmen vorgefunden hätten. Auch die hohe Zahl von fristlosen Kündigungen und Abmahnung beim Nahverkehr sei ungewöhnlich, soll so in dem Bericht betont worden sein.

Geschäftsführer Norbert Klatt ist immer noch krank geschrieben, soll aber der Oberbürgermeisterin signalisiert haben, ab dem 1. Januar wieder arbeiten zu wollen. Gramkow würde das begrüßen. Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Klatt zwar Fehler gemacht habe, aber weiter im Amt bleiben könne. Er habe zwar eine Gelbe Karte verdient, aber keine Rote. Die Fraktionsvorsitzenden sehen das aber offenbar anders. Sie wollen zunächst den Abschlussbericht der 10 000 Euro teuren Wikom-Prüfung abwarten, der Mitte Januar vorliegen soll, bevor Klatt eine Vertragsverlängerung bekommt.

Eines sollen die externen Prüfer aber schon mitgeteilt haben: Weder den Aufsichtsrat des Nahverkehrs noch den der Stadtwerke trifft eine Schuld an der Personalpolitik von Klatt. Auch die Gesellschafter – die Landeshauptstadt und die Stadtwerke – seien außen vor. Der Nahverkehrsgeschäftsführer habe die Gremien schlicht nicht informiert.

Wie es mit Norbert Klatt nun weiter geht, entscheidet sich erst im Januar. Bis Oktober 2014 ist er auf jedenfalls noch zum Geschäftsführer berufen. Und einen Anstellungsvertrag hat er beim Nahverkehr noch bis 2018.

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