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Keine Fliegerbombe in Schwerin : Nummernschild hielt Stadt in Atem

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Die gute Nachricht kam gegen 12.30 Uhr: Statt einer amerikanischen 150-Pfund-Fliegerbombe steckten nur ein Hydraulikschlauch und ein zerbröseltes Nummernschild aus DDR-Zeiten im Fußboden der Niels-Stensen-Turnhalle.

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erstellt am 24.Jan.2012 | 06:50 Uhr

Feldstadt | Die gute Nachricht kam gestern gegen 12.30 Uhr: Statt einer amerikanischen 150-Pfund-Fliegerbombe steckten nur ein Hydraulikschlauch und ein zerbröseltes Nummernschild aus DDR-Zeiten im Fußboden der Niels-Stensen-Turnhalle. Vorausgegangen waren drei Tage schulfrei, aufwändige Evakuierungsszenarien, Durchfahrtsverbote für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und schließlich eine spektakuläre Pressekonferenz am Gefahrenzentrum selbst. Nach so viel Vorab-Rummel schienen sich die Kampfmittelbeseitiger fast ein wenig zu schämen für ihren maroden Fund. Die Feldstadt hingegen konnte aufatmen. Die Schule kann weitergehen, niemand muss sein Haus verlassen, es gibt keine Straßensperrungen. Und vor allem: Es besteht keine Explosionsgefahr. Spätestens seitdem in Göttingen vor anderthalb Jahren bei der misslungenen Entschärfung einer Weltkriegsbombe mehrere Menschen ihr Leben verloren, ist die Gefahr dieser Altlasten stärker ins Bewusstsein der Menschen und der Sprengstoffexperten gerückt.

Dennoch: Wie konnten so zarte Metallteilchen in den Voruntersuchungen auf eine solide Bombe schließen lassen? Diese Frage bewegte die Fachleute gestern Mittag, nachdem die Anspannung gewichen war. Antwort: Mehrere ungewöhnliche Faktoren waren unter der Turnhalle zusammengekommen. Neben der Lage von Schild und Schlauch sei auch die Stahl-Armierung eines alten Fundaments für die Detektor-Ausschläge und die Fehl-Interpretation verantwortlich gewesen, erklärte Sebastian Dosdall von der Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung, die mit der Bergung beauftragt worden war.

Am Morgen, als die Presse auf Einladung der Stadt einen letzten Blick ins Grabungsloch werfen durfte, sah die Lage noch brenzliger aus. Neben den Bodenmessungen sprächen auch Luftbildaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg für einen Blindgänger an dieser Stelle, so Sprengmeister Burkhard Pohl: "Knapp 20 Prozent der abgeworfenen Bomben sind nicht hochgegangen. Es kommt heute immer mehr zu Selbstdetonationen. Das Gefahrenpotenzial zu beseitigen ist deshalb enorm wichtig." In der Feldstadt, die im April 1945 von der US Air Force angegriffen wurde, entschärfte Burkhard Pohl zuletzt 2007 und 2008 jeweils in der Nähe des Alten Friedhofs amerikanische Fliegerbomben. Viele Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, der Obotritenring war für Stunden gesperrt. Wie groß der Evakuierungsradius sein muss, entscheidet der Sprengmeister erst, wenn er sich vorsichtig an Bombe und Zünder herangegraben und den Sprengstoff identifiziert hat. "Dabei darf die Arbeit nie Routine werden und man darf sein Maß nicht überschreiten", sagt Pohl. Diesmal musste er glücklicherweise keine solche Entscheidung treffen.

Die 200 Grundschüler der katholischen Niels-Stensen-Schule haben ab heute wieder Unterricht. "Wir sind erleichtert, dass kein Blindgänger unter der Turnhalle gefunden wurde. Besonderer Dank gilt den Erziehern und Lehrkräften, denen in den vergangenen Tagen besondere Kreativität abgefordert wurde, und natürlich dem Kampfmittelsuchdienst", sagte Thomas Weßler, Stiftungsdirektor des Schulträgers, der Bernostiftung.

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