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Patienten in Warteschleife : Notstand in der Kardiologie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Praxis in Lankow herrscht ein kaum zu schaffender Patientenandrang – bis zu 200 Schweriner kommen täglich zur Untersuchung

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Die Patientenschlange reicht bis vor die Tür. Lange Gesichter, unzufriedene Schweriner und jede Menge Arbeit für Schwestern und Ärzte: In die Praxis von Dr. Jörg Seifert, Dr. Karsten Bunge und Dr. Ulrike Garling kommen täglich bis zu 200 Schweriner. Sie sind Spezialisten für den Fachbereich Kardiologie.

„Der Ansturm der Patienten ist kaum zu schaffen“, erzählt Dr. Bunge mit ernster Miene. Zu den bisherigen Patienten kommen nun die, die im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) nicht mehr behandelt werden können. Im MVZ arbeiten angestellte Ärzte einer Klinik – in diesem Fall ist es eine eigenständige Klinik. Dr. Bunge und seine Kollegen sind selbstständige Mediziner. Und das Team ist gewachen: Dr. Ulrike Garling, die bisher im MVZ angestellt war, ist Teilhaberin der Praxis geworden. Dadurch ist die Kardiologenstelle im MVZ unbesetzt. Ihre Patienten und deren Akten konnte sie nicht einfach mitnehmen. „Das ist natürlich wegen des Datenschutzes verboten“, bekräftigt Bunge. Auch wenn die Praxen quasi Tür an Tür liegen.

Die Patienten, die im MVZ keinen Kardiologen mehr finden, wollen nun nebenan behandelt werden. Und genau hier liege das Problem: Bunge und Garling wollen natürlich jedem helfen, der zu ihnen kommt. Allerdings gehe es nicht so einfach, wie die Patienten es sich vorstellen. Denn für die Patienten, die aus dem MVZ in die Praxis kommen, liegen noch keine Akten vor. „Wir müssen jede einzelne Akte aus dem MVZ anfordern, diese dann sichten und entscheiden, welcher Patient Priorität hat“, beschreibt Bunge die Lage. So entstehe enormer Aufwand für alle Beteiligten. „Mittlerweile türmen sich die Akten.“ Die Patienten seien natürlich unzufrieden, sie möchten am liebsten sofort behandelt werden. „Aber ohne Krankenakte mit wichtigen Befunden können wir nicht tätig werden“, stellt Bunge klar.

Wichtig sei auch, dass die Patienten mit Überweisungsscheinen in die Praxis kommen. „Nur dann können wir entscheiden, welcher Fall Priorität hat und welcher eventuell einen Tag warten kann“, so Bunge. Die so genannten A- und B-Überweisungen dienen dazu, dass Patienten in bestimmten Fällen sehr rasch aus der hausärztlichen in die fachärztliche Behandlung weitergeleitet werden. Das Prinzip sei einfach, betont der Kardiologe: „Patienten mit hochakuten Erkrankungen erhalten eine A-Überweisung und werden spätestens am nächsten Werktag von uns übernommen. Patienten mit weniger dringlichen Problemen erhalten eine B-Überweisung und müssen innerhalb einer Woche versorgt werden.“ Nur anhand der Überweisung kann der Facharzt erkennen, was dem Patienten fehlt und wie dringlich die Behandlung tatsächlich ist.

Einfach weggeschickt werde in Lankow aber niemand. „Wir versuchen, immer eine Lösung zu finden. Aber mehr als arbeiten können wir nicht“, sagt Garling.

Geholfen wäre sicher allen Beteiligten, wenn schnell ein Nachfolger für Garling im MVZ gefunden würde. „Die Bewerbungen laufen. Wir geben unser Bestes, dass schnell ein Nachfolger gefunden wird“, erklärt Olaf Gröning aus dem MVZ. Denn auch das Medizinische Versorgungszentrum hat mit dem bürokratischem Mehraufwand zu kämpfen. „Wir sind nur am Akten suchen und kopieren“, berichtet Gröning. Vor Kurzem habe wieder ein Bewerbungsgespräch stattgefunden. Entschieden sei aber noch nichts.

Sobald ein qualifizierter Mediziner gefunden ist, dürfte sich die Lage für Bunge, Garling, die Ärzte im MVZ und damit natürlich auch für die Patienten entspannen.

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