Verborgener Schatz : Notgroschen in der Zigarrenkiste

Bibliotheksmitarbeiter Dr. Andreas Roloff zeigt ein Kräuter- und Pflanzenbuch aus dem Jahr 1542.
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Bibliotheksmitarbeiter Dr. Andreas Roloff zeigt ein Kräuter- und Pflanzenbuch aus dem Jahr 1542.

Verborgene Kostbarkeiten: Landesbibliothek besitzt Sammlung mit seltenen Kräuterbüchern und eine komplette Ausgabe des Reutergeldes

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08. September 2015, 12:00 Uhr

Vorsichtig öffnet Dr. Andreas Roloff die beiden Schließen aus Messing. Fast 500 Jahre alt ist das Buch, das er in der Hand hält, die Deckel aus Holz, der Text auf Lateinisch. „De Historia Stirpium“ lautet der Titel. Der Autor: Leonhart Fuchs. 1542 hat er sein Kräuter- und Pflanzenbuch in Basel veröffentlicht. „Die Abbildungen sind wunderbar von Hand koloriert“, schwärmt Roloff. Ein echter Schatz in der Landesbibliothek in der Johannes-Stelling-Straße.

Das mittelalterlich anmutende Buch, durch das aber schon der Geist des Humanismus weht, gehört zur so genannten Hennemannschen Stiftung. Dabei handelt es sich um die Bibliothek des einstigen Schweriner Hofmedikus Dr. Wilhelm Hennemann (1786-1843), die nach seinem Tode der heutigen Landesbibliothek vermacht wurde. „Der historische Kernbestand umfasst 2865 Bände, darunter eben seltene Kräuterbücher, aber auch Kuriositäten“, erklärt Roloff. Zu Letzteren zähle etwa das Werk „Die Ziege als beste und wohlfeilste Säugamme“ aus der Feder des Stendaler Arztes Dr. Konrad Anton Zwierlein, publiziert im Jahr 1816. Unter demselben Titel sei im Eulenspiegelverlag auch ein „Best of“ der Hennemannschen Stiftung erschienen, berichtet der Bibliotheksmitarbeiter.

„Wir entdecken selbst immer wieder neue Schätze in unserem Haus“, sagt Roloff. So ein Schatz sei auch das „Reutergeld“ aus dem Jahr 1921/22, das ein Schweriner namens Dahlsen der Bibliothek überlassen habe. Die Notgeldscheine im Wert von 10, 25 und 50 Pfennigen, ausgegeben von 70 Orten in Mecklenburg, befinden sich in einer Kiste der Zigarren-Marke „Providencia“. Auch nach vielen Jahrzehnten duftet die Schachtel mit den 210 Scheinen, abgepackt in kleinen Umschlägen, noch nach Holz und Tabak. Seinen Namen verdanke das Notgeld, schon kurz nach seiner Ausgabe ein beliebtes Sammlerobjekt, den aufgedruckten Zitaten des plattdeutschen Heimatdichters Fritz Reuter, erläutert Roloff.

Mit einem weiteren Schatz der Landesbibliothek befasst sich gleich ein ganzes Symposium: Vom 8. bis 10. Oktober geht es im Neustädtischen Palais um 600 wiedergefundene Architekturzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert. Infos unter Telefon 0385-6383270.

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