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Schwerin plant Krisennotdienst : Notdienst: Stadt arbeitet an Konzept

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anlaufstelle für Menschen in psychosozialen Krisen soll Klinikum entlasten - Verwaltung will Erfahrungen anderer Kommunen nutzen

Eigentlich sollte das Konzept im Frühjahr vorliegen, aber der Teufel steckt mal wieder im Detail: Zu welchen Zeiten mit welche Aufgaben? Wie viele Mitarbeiter? Haupt- oder ehrenamtlich? Zum geforderten Krisennotdienst in der Stadt gäbe es aktuell noch mehr Fragen als Antworten, sagt Amtsärztin Renate Kubbutat. Und dann die Gretchenfrage: Wer bezahlt das Ganze?

Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Behindertenbeirat den Antrag in der Stadtvertretung eingebracht, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, ein Konzept für einen Dienst vorzulegen, der Menschen helfen soll, die am Abend, in der Nacht und an Wochenenden oder Feiertagen in eine psychische Notlage geraten sind. „Krisen halten sich nicht an Wochentage und Uhrzeiten“, sagt die Vorsitzende des Schweriner Behindertenbeirates, Angelika Stoof. Zwar gäbe es in der Landeshauptstadt ein breit gefächertes Angebot für Menschen mit psychischen und sozialen Problemen, doch stehe ein Großteil der Hilfen nur an Werktagen und eben auch nur tagsüber zur Verfügung.

Ein Krisennotdienst, so die Idee der Initiatoren, könnte schließlich auch die Notaufnahme der Helios-Kliniken entlasten. „In der täglichen Arbeit erleben wir durchaus eine beträchtliche Anzahl von Personen, die sich aufgrund akuter psychosozialer Probleme bei uns vorstellen“, sagt der Leiter der Zentralen Notaufnahme, Dr. Frank Liebenow. Auch Prof. Dr. Andreas Broocks, Chefarzt der Flemming-Klinik, sieht in dem angedachten Hilfsangebot eine wichtige Ergänzung der eigenen Ambulanz.

Dass die Einrichtung eines Krisennotdienstes sinnvoll ist, steht für Amtsärztin Kubbutat ebenfalls außer Frage. „Wir müssen jetzt nur sehen, wie das Projekt umgesetzt werden kann“, sagt sie. Mittlerweile gäbe es eine Arbeitsgruppe, in der unter anderem Vertreter der Anker Sozialarbeit, des Klinikums, der Diakonie und des Landesverbandes für seelische Gesundheit mitwirkten. „Um die Erfahrungen anderer Städte mit einem Notdienst zu nutzen, haben wir außerdem ein Dutzend Kommunen angeschrieben“, berichtet Kubbutat.

Soll der Notdienst seine Hilfe nur am Telefon anbieten oder Ratsuchende auch aufsuchen? Welche Qualifikation benötigen die Mitarbeiter? Auch diese Fragen müssten neben der Finanzierung in einem Konzept geklärt werden, betont die Amtsärztin. Und schließlich: Wo soll der Dienst angedockt werden? Naheliegend: beim bereits bestehenden Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt, der unter der Woche zu den Öffnungszeiten des Stadthauses für Hilfesuchende zu erreichen ist.

Der zuständige Fachausschuss der Stadtvertretung habe der Verwaltung nun bis zum Jahresende Zeit gegeben, sagt Kubbutat. „Die Politiker möchten ein realistisches Konzept von uns haben.“

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erstellt am 16.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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