Schwerin : Notdienst schafft mehr Plätze

Baubesprechung: Architektin Antje Forejt (2.v.r.) mit Awo-Geschäftsführer Axel Mielke und seinen Mitarbeiterinnen Doreen Graack und Katrin Poschmann (r.). In das ehemalige Zollgebäude am Hauptbahnhof soll voraussichtlich im September auch der Kinder- und Jugendnotdienst einziehen.
Baubesprechung: Architektin Antje Forejt (2.v.r.) mit Awo-Geschäftsführer Axel Mielke und seinen Mitarbeiterinnen Doreen Graack und Katrin Poschmann (r.). In das ehemalige Zollgebäude am Hauptbahnhof soll voraussichtlich im September auch der Kinder- und Jugendnotdienst einziehen.

Schutz vor Kindeswohlgefährdung: Schweriner Awo-Einrichtung nahm im vergangenen Jahr 116 Mädchen und Jungen auf

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03. April 2019, 20:00 Uhr

Der Tod der kleinen Lea-Sophie und die Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit dem Verein „Power for Kids“ haben in Schwerin zu einer besonderen Sensibilität beim Thema Kindeswohlgefährdung geführt, schildert Birgit Habecker, Teamleiterin im Jugendamt der Stadt. Im vergangenen Jahr seien allein während der Sprechzeiten des Jugendamtes 378 Hinweise von Bürgern eingegangen. In 48 Fällen habe sich der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung bestätigt, in 16 Fällen gehe das Amt von einer latenten Gefährdung aus, so Habecker.

116 Mädchen und Jungen hat der Kinder- und Jugendnotdienst der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendamt tätig wird, im vergangenen Jahr zum Schutz vor einer Kindeswohlgefährdung aufgenommen. Durchschnittliche Aufenthaltsdauer: sieben Tage. 2017 waren es 180 Kinder, darunter viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Noch in diesem Jahr will der Kinder- und Jugendnotdienst die Zahl seiner Plätze aufstocken. „Wir reagieren auf den gestiegenen Bedarf“, sagt Steffen Marquardt, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Awo. Können am derzeitigen Standort in der Alexandrinenstraße normalerweise drei Minderjährige in Obhut genommen werden, sind es nach dem im Spätsommer geplanten Umzug in das ehemalige Zollgebäude am Hauptbahnhof sechs. Die zusätzlichen Plätze würden benötigt, um mehrere gleichzeitige Krisensituation absichern zu können, erklärt Marquardt. Gegenwärtig hält die Stadt für solche Fälle noch vier Plätze bei Sozius vor.

Ob ein Kind von seinen Eltern getrennt und in Obhut genommen wird, entscheidet das Jugendamt. „Die Inobhutnahme ist immer das letzte Mittel“, sagt Birgit Habecker, Teamleiterin im Jugendamt. Jeder Einzelfall werde genau betrachtet: Sind die Eltern vor Ort? Sind sie in der Lage, die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten? Ist Alkohol im Spiel? Gibt es Angehörige oder Nachbarn, die sich um die Kinder kümmern können?

Nach Feierabend springt das Telefon des Jugendamtes auf den Apparat des Kinder- und Jugendnotdienstes um. „Wir nehmen dann die Anrufe von besorgten Bürgern entgegen“, berichtet Notdienst-Leiterin Doreen Graack. Müsse aus den Schilderungen am Telefon auf die mögliche Gefährdung eines Kindeswohls geschlossen werden, fahre ein Mitarbeiter des Notdienstes gemeinsam mit dem Bereitschaftsdienst des Jugendamtes noch am Abend oder in der Nacht zum Ort des Geschehens, um die Situation zu klären und gegebenenfalls ein Kind in Obhut zu nehmen.

Am nächsten Morgen werde dann nach einer Lösung für den nächtlichen Fall gesucht, erläutert Graack. Kommt eine ambulante Erziehungshilfe in Frage? Ist die Unterbringung in einer Wohngruppe notwendig? Nicht immer lasse sich aber sofort eine passende Hilfe finden, deshalb blieben manche Kinder auch über mehrere Tage in den Räumen des Notdienstes, so die Leiterin.

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