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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 07:04 Uhr

Ausgrabung : Niklots Hinterlassenschaften

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Archäologen graben im Schlossinnenhof die alte Slawenburg aus und stoßen auf so manche Überraschung

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Die Baggerschaufel schwenkt über die Baugrube. Langsam gräbt sich das Gerät in den Untergrund des Schlossinnenhofes. Grabungsleiterin Marlies Konze vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege beobachtet die Arbeiten sehr aufmerksam – immer bereit, „Stopp“ zu rufen, wenn etwas „Verdächtiges“ ans Tageslicht kommt. Seit Wochen sind die Archäologen auf der Schlossinsel dabei, Teile der alten Slawenburg auszugraben.

Dabei kommt nicht allein der Bagger zum Einsatz. Alle Erde, die er aus der Baugrube holt, wird noch einmal mit der Schaufel durchsucht. Und an manchen Stellen nehmen die Archäologen auch Spachtel und Pinsel zur Hand. Unterstützt werden die Profis von ehrenamtlichen Helfern wie Carsten Schmoldt und Mirko Renkewitz. „Ohne die beiden wäre uns so einiges entgangen“, sagt Marlies Konze, denn die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger untersuchen den Aushub noch einmal mit elektronischen Metallsuchgeräten. Und sie sind fündig geworden. So kam eine so genannte Bügelknopffibel, mit der Kleidung zusammen gehalten werden konnte, ans Tageslicht. Das Besondere: Sie stammt aus dem 3. bis 5. Jahrhundert nach Christi. Damit muss sie auf die Insel im Schweriner See gekommen sein, als die Slawen um das Jahr 1000 herum das Eiland erhöhten – mit Material, dass sie vom Festland holten. Bei den Grabungen im Schlossinnenhof gab es für die Archäologen auch schon eine Riesenüberraschung. Sie stießen auf eine Steinpackung, wie sie üblicherweise am Fuß slawischer Burgwälle gefunden wird. „Damit wurde der Wall gegen Abrutschen gesichert und das Wasser abgeleitet“, erklärt Marlies Konze. Doch bei den weiteren Grabungen stellte sich heraus, dass diese Steinpackung plötzlich endet. Dort, wo sie eigentlich weitergehen müsste, stehen die Reste eines Hauses. „Da stellt sich die Frage, ob die Steine eine andere Funktion hatten, oder ob der Wall ganz anders verlief, als von uns erwartet.“ Möglicherweise bringen die weiteren Grabungen eine Antwort auf die Fragen. Doch mit der Suche im Untergrund sind die Arbeiten noch lange nicht abgeschlossen. „Danach beginnt die wissenschaftliche Auswertung“, sagt Marlies Konze.

Die archäologischen Grabungen wurden möglich, weil im Schlossinnenhof im Zusammenhang mit der Sanierung und dem Umbau des Schlossgartenflügels ein begehbarer Kanal gebaut wird, der Versorgungsleitungen aufnehmen soll. Bis in eine Tiefe von 4,60 Metern werden sich die Archäologen daher noch in den Schlossinselboden graben können. „Wir können dadurch untersuchen, wie sich die Besiedelung der Insel entwickelt hat“, sagt Marlies Konze. Die Arbeiten werden noch einige Wochen dauern.

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