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Munition im Schweriner Ziegelsee : Niemand will zuständig sein

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Claudia Hartwich und Albrecht Morguet machen sich Sorgen. Denn auf dem Grund des Ziegelinnensees liegt Weltkriegsmunition. Und die zwei wollen eine der Wohnungen beziehen, die an der Knaudtstraße entstehen sollen.

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2013 | 07:07 Uhr

Schwerin | Claudia Hartwich und Albrecht Morguet machen sich Sorgen. Sie wollen einmal eine der Wohnungen beziehen, die auf dem ehemaligen Brauereigelände an der Knaudtstraße entstehen sollen. Doch vor ihrer Haustür lauert dann die Gefahr, so glauben sie. Denn auf dem Grund des Ziegelinnensees liegen Unmengen von Weltkriegsmunition. Ein in Schwerin bekannter Fakt. Doch Claudia Hartwich und Albrecht Morguet leben noch nicht so lange in der Stadt. Als sie von der explosiven Altlast hörten, wollten sie von der Oberbürgermeisterin und von den Stadtvertretern wissen, was mit den Granaten und Gewehren geschieht (SVZ berichtete). Sie setzten mit ihrer Anfrage einen Disput in Gang, an dem die Stadt, die Landesregierung, die Bundeswasserstraßenverwaltung und die Bundesregierung beteiligt sind. Knackpunkt sind die Kosten. Denn die Entsorgung der Sprengmittel wird möglicherweise Millionen kosten.

Baudezernent Wolfram Friedersdorff sprach bei Innenminister Lorenz Caffier vor. Der ließ seinen Staatssekretär Thomas Lenz an das Bundesinnenministerium und Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung schreiben. In seinem Brief weist Lenz darauf hin, dass die Wasserschutzpolizei und der Munitionsbergungsdienst bei Kontrollen feststellen mussten, "dass unbekannte Personen sich aus diesem Areal wiederholt Gegenstände militärischer Herkunft aneigneten. Es liegt die Vermutung nahe, dass hiermit kriminelle Zwecke verfolgt werden." Im Klartext: Keiner weiß so genau, ob es Militariasammler, Waffennarren oder Terroristen sind, die heimlich Granaten aus dem Ziegelsee holen. Auf dem See grund sollen sogar Seile gespannt sein zur leichteren Orientierung. Die Munitionskisten seien zum Teil noch völlig dicht.

Staatssekretär Lenz forderte den Bund auf, "darauf hinzuwirken, dass die erforderlichen Bundesmittel für die Kampfmittelberäumung zur Verfügung gestellt werden". Doch Michael Odenwald vom Bundesverkehrsministerium wehrt ab: Laut Gesetz seien die Länder für Munitionsbeseitigung zuständig. Doch gibt es eine Zusage des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 1956, wonach der Bund die Kosten trägt, soweit es um die Kampfmittelbeseitigung auf bundeseigenen Flächen, wie der Bundeswasserstraße Ziegelinnensee, geht. "Das setzt aber voraus, dass die Beseitigung zur Verhinderung einer unmittelbaren Gefahr für unbeteiligte Dritte erforderlich ist", schreibt Odenwald. Diese "unmittelbare Gefahr" bestehe nicht. Die Räumung des Sees stelle "kein verhältnismäßiges Mittel dar, zumal nur die Vermutung besteht, dass kriminelle Zwecke verfolgt werden".

Fazit: Es gibt vom Bund kein Geld, um die Altlasten aus dem Ziegelsee zu holen. Nur wenn es "durch das verbotswidrige Eingreifen Dritter" zu Gefahrensituationen kommen sollte, solle sich die Stadt an die Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Magdeburg wenden.

Claudia Hartwich und Albrecht Morguet werden weiter ihre Aktivitäten darauf richten, dass die Kriegsaltlasten aus dem Ziegelinnensee geholt werden. "Wir haben mit den Fraktionen der Stadtvertretung gesprochen", sagt Albrecht Morguet. "Ich gehe davon aus, dass es demnächst einen Beschluss geben wird, dass zunächst einmal sondiert wird, was wo im See liegt." Danach könne man sagen, wie viel die Bergung kosten werde.

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