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23. November 2017 | 17:40 Uhr

"Nichts spielt sich von allein!"

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erstellt am 13.Jun.2013 | 07:15 Uhr

Als Landarzt hat er 17 Jahre im Fernsehen praktiziert, auf Berliner und Hamburger Bühnen war er Prof. Unrat, Heinrich Zille, der Eiserne Gustav. Jetzt ist der populäre Schauspieler der Frosch bei den Schweriner Schlossfestspielen in der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß. Wenn die Rede darauf kommt, blickt Walter Plathe durch die Brille listig wie Schwejk. Den hat er solo auch belebt, ebenso den handfesten Humor von Otto Reutter: "Wir sind, glaub’ ich, nur auf der Welt weg’n de Leut."

Der Zellenschließer Frosch also - "Das ist ein fideles Gefängnis. Verdammter Slibowitz!" - ist ein Sahnestückchen. Spielt sich das von allein? Da hat der bärtige Akteur ein Ausrufezeichen in der Stimme: "Nichts spielt sich von allein!" Das Leichte ist das Schwere? "Aber ja, gerade das ist ohne ernste Arbeit nicht zu haben."

Plathe denkt zur Popularität solcher Rollen: "Die Leute reden dann vom Volksschauspieler. Was heißt das? Man versucht, Vorgänge so weit zu erkunden, dass der Zuschauer der Figur nahekommt. Das ist nichts Abgehobenes, aber es ist schwer - leicht ist etwas schwer. Das Publikum erreichen, das ist mein Ziel. Wenn gefragt wird, hättst du Lust, den Frosch zu spielen, dann blättert man nach, Moser, Lohner, wer alles hat ihn vorgeführt! Er ist eine satte Volksfigur. Da hab ich sofort gedacht: Das Ding mach ich, dem werd ich meinen Stempel aufdrücken."

Plathe sagt es ohne Großspur. Nachdenklich hängt er an: "Ich war ja so ein bisschen der vermeintliche Schwiegersohn. Doch seit ich in die Jahre gekommen bin, sind die Rollen interessanter geworden. Gerade für die volksnahen Figuren braucht es Lebenserfahrung."

Gegenwartserfahrung lehrt, Theater hat es nicht leicht in der neuen Medienwelt, wie kann es sich behaupten? "Es hat’s schwer mit der Politik. Vor allem aber muss es immer wieder präsent sein mit Angeboten von Qualität, die es so unmittelbar auf den technischen Kanälen nicht gibt. Das versuche ich, auch mit dem Frosch. Und im Übrigen muss Theater tun, was schon Brecht gesagt hat: Es dient der Unterhaltung."

Der Frosch ist nicht seine erste Rolle in Schwerin. Der Berliner, der auch in Waren an der Müritz aufwuchs, bekam in Schwerin sein erstes Engagement nach der Schauspielschule "Ernst Busch". Am Alten Garten hat er unter anderem den Münzmatthias in der "Dreigroschenoper" gespielt. Nach 130-mal Landarzt, hat Plathe dabei ein bisschen Medizin gelernt, kann er sich selbst verarzten? "Um Gottes Willen", hebt er die sonore Stimme, "manchmal kommt jemand auf mich zu und sagt, Herr Doktor, ich habe hier etwas, und ich sage: Sie wollen doch noch eine Weile leben, gehen Sie zum richtigen Arzt." Immerhin, Plathe hat einen Landarztfond gegründet, der Kindern zugutekommt.

Was denkt der erfahrene Schauspieler, wenn er im Publikum sitzt? "Ich finde nichts schöner, als wenn ich aus einer Vorstellung herausgehe und bin gerührt. Das ist das Wichtigste am Theater. Es sollte den Zuschauer heiter stimmen." Das dürfte bei der "Fledermaus" wohl gelingen.

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