Crash Kurs MV : Nichts für schwache Nerven

Informieren über die Gefahren des Straßenverkehrs: Christopherus Baumert, Ottmar Saffan, Jenny Schwabe, Dr. Gernot Rücker, René Kulow unnd Stefan Krömer (v.l.).
Informieren über die Gefahren des Straßenverkehrs: Christopherus Baumert, Ottmar Saffan, Jenny Schwabe, Dr. Gernot Rücker, René Kulow unnd Stefan Krömer (v.l.).

Beim Verkehrssicherheitsprojekt „Crash Kurs MV“ erzählen Unfall-Beteiligte Berufsschülern schonungslos ihre Sicht der Dinge

svz.de von
12. November 2015, 23:41 Uhr

Klaus wollte nur schnell einkaufen. Doch der 18-Jährige verlor auf dem Weg zum Supermarkt die Kontrolle über sein Motorrad und landete beim Abbiegen unter einem Lastwagen. Tot. Die Bilder des Unfalls sorgen für eine bedrückende Stille unter den Gästen.

Rund 180 Schüler der Berufsschule Technik waren in den Goldenen Saal des Neustädtischen Palais gekommen, um am Verkehrssicherheitsprojekt „Crash Kurs MV“ teilzunehmen. Ein Projekt, das seit Januar 2013 junge Leute auf die Gefahren des Straßenverkehrs aufmerksam machen soll. „Wir heben nicht den Zeigefinger. Wir wollen Euch zeigen, worüber wir reden“, erklärte Polizeikommissarin Jenny Schwabe. Statt der immer gleichen Ratschläge konfrontierte das Präventionsprojekt die Berufsschüler mit Bildern und Geschichten aus dem „echten“ Leben.

Das Team des Verkehrssicherheitsporoektes besteht aus fünf Männern, die den jungen Erwachsenen verschiedene Blickwinkel auf die Gefahren des Verkehrs ermöglichen: René Kulow repräsentiert die Polizei, Stefan Krömer ist Feuerwehrmann und Rettungssanitäter, Dr. Gernot Rücker arbeitet als Notarzt, Pastor Christopherus Baumert ist Polizeiseelsorger und Ottmar Saffan ist wie Kulow Polizeibeamter, verlor jedoch selbst vor sechs Jahren seinen Sohn.

Die Gesprächsthemen sind hart. Konfrontieren die Berufsschüler mit Bildern. Bilder von blutigen Lenkrädern. Lebensgefährlich verletzten Menschen. Und Leichen. Die Erlebnisse der fünf Männer sollen sich, gemeinsam mit den Bildern, ins Gedächtnis der Fahranfänger prägen.

So erzählte Dr. Gernot Rücker die Geschichte von Nicky: „Nickys Handy vibrierte. Eine neue Whatsapp-Nachricht. Nicky schaute kurz auf ihr Mobiltelefon. Einen Moment später knallte sie mit 120 Stundenkilometer gegen einen Baum. Sie überlebte wie ein Wunder. Erlitt aber zahllose Brüche und andere Verletzungen. Krankenhaus und Operationen bestimmten die nächsten Wochen und Monate ihres Lebens.“ Eine drastischere Wortwahl ergriff Feuerwehrmann Stefan Krömer. Bei einem seiner Einsätze seien er und seine Kollegen auf einen eingeklemmten Fahrer gestoßen. „Im Fußraum des Beifahrersitzes fanden wir anschließend eine Frau. Wir versuchten, sie zu befreien. Als wir an ihr zogen, fielen ihre Eingeweide zu Boden. Da drehte sich mein Kollege um und musste kotzen.“ Solche Gedanken könnten natürlich nicht einfach so abgestellt werden, so Krömer.

Vor der Veranstaltung schrieben die Berufsschüler ihre Wünsche auf bunte Zettel, die das „Crash Kurs MV“-Team an einen großen Luftballon geklebt hatte. Schwabe las einige der Wünsche vor. Anschließend stach sie unbemerkt mit einer Nadel in den Luftballon. Das Verkehrssicherheitsprojekt endete mit einem lauten Knall. Und bleibt den Teilnehmern wohl lange in Erinnerung.

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