Neuntklässler üben sich als Pfleger

Blutdruck messen - das überlassen Nico Kreiskorte  und Lucas Schewe  (r.) lieber dem Fachmann. Krankenpfleger Bernd Neuber erläutert den Neuntklässlern aber genau, wie es geht.
Blutdruck messen - das überlassen Nico Kreiskorte und Lucas Schewe (r.) lieber dem Fachmann. Krankenpfleger Bernd Neuber erläutert den Neuntklässlern aber genau, wie es geht.

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19. September 2012, 07:12 Uhr

Seehof | Lucas Schewe aus Hohen Viecheln (16) will später etwas mit Computern machen. Nico Kreiskorte (15) aus Zickhusen weiß noch nicht, welchen Beruf er nach der Schule erlernen möchte. Gestern schauten sich die beiden Neuntklässler von der Regionalen Schule Lübstorf gemeinsam mit 13 Mitschülern im Wohn- und Pflegezentrum Seehof um. Die jungen Männer konnten sehen und erleben, dass ein Altenpfleger mehr macht, als Senioren Tabletten zu geben und bei der Körperpflege zu helfen. Dafür sorgten Heimleiter Martin Franz und seine Mitarbeiter. "Ich selbst habe mich mit 17 für einen Beruf in der Altenpflege entschieden, bin jetzt 33 Jahre dabei - und habe es noch nie bereut", erzählt Franz. Dass er als Mann in diesem Berufszweig immer noch eine Ausnahme ist, machte aber auch ein Blick ins eigene Haus deutlich: 42 Angestellte kümmern sich rund um die Uhr im Wohn- und Pflegezentrum Seehof um das Wohl von 67 Bewohnern. Nur vier Leute im Team sind Männer.

Für Martin Franz war es keine Frage, beim zweiten Jungstag in MV mitzumachen, um so für den als frauentypisch geltenden Beruf und zugleich um eigenen Nachwuchs zu werben. Das Pflegezentrum war der erste Betrieb aus ganz MV, der seine Teilnahme an der Aktion anmeldete. "Deshalb machen wir unsere Auftaktveranstaltung hier in Seehof", verrät Dr. Ute Messmann von der Vereinigung der Unternehmerverbände, die gemeinsam mit dem DGB-Nord landesweit zum Jungstag eingeladen hatte. Knapp 300 Veranstaltungen gab es gestern mit 700 teilnehmenden Jungs. 70 Schulen stellten dafür ihre Schüler vom Unterricht frei. Das bedeutet einen Anstieg in jedem dieser drei Punkte im Vergleich zur Premiere der landesweiten Aktion im Vorjahr. "Für weitere 300 angebotene Stellen gab es aber keine Bewerber", berichtet Messmann.

Für die Lübstorfer Neuntklässler war der Schnuppertag im Pflegezentrum eine Abwechslung zum normalen Unterricht - und zugleich gezielte Hilfe bei der Berufsvorbereitung. Die Schule und Partner aus der Region arbeiten bereits seit Jahren zusammen. Das Wohn- und Pflegezentrum Seehof ist seit vier Jahren mit dabei - und damit schon länger als es die Aktion Jungstag gibt.

Diese Erfahrung nutzten die Seehofer, um ihren jungen Gästen ein alltags nahes Programm in der Pflege anzubieten. Die Neuntklässler konnten Blutzucker und Blutdruck messen. Sie erfuhren etwas über die richtige Lage von Hilfsbedürftigen in Betten. Die Freizeitgestaltung im Heimalltag mit Lesen und Gesellschaftsspielen war ein weiterer Programmpunkt. Und im Alters-Simulations-Anzug erlebten die 15- und 16-Jährigen, wie es sich im Körper eines Rentners anfühlt.

"Das war super", erzählt Nico über den Selbsttest im Simulations-Anzug. "Das Gewicht war richtig krass. Ohne Hilfsmittel konnte ich weder hören noch sehen." Der 15-Jährige empfand diesen Rollentausch als äußert spannend. Er weiß jetzt, wie schwer der Alltag für alte Menschen sein kann. Blutzucker und Blutdruck bei einem seiner Mitstreiter zu messen, davor hatte Nico großen Respekt. Die Werte ließ er bei sich kontrollieren. Die anderen Stationen beim Schnuppertag im Altenheim fand Nico weniger spannend. "Für mich ist das kein Beruf", zieht er sein Fazit.

"Das ist auch ein Ergebnis, das völlig in Ordnung geht", sagt Lisanne Straka vom DGB-Nord. Denn beim Jungstag geht es darum, einen Einblick in die als frauentypische geltenden Berufe zu bekommen und deren Bedeutung mehr ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. "Letztlich ist die Berufswahl aber immer etwas ganz Persönliches", betont Straka.

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