Jüdische Gemeinde in Schwerin : Neues Zentrum im alten Gebäude

Betrachten die Pläne für das geplante Gemeindezentrum am Großen Moor 12: Architekt Stefan Rimpel und Valeriy Bunimov (r.), Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden.
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Betrachten die Pläne für das geplante Gemeindezentrum am Großen Moor 12: Architekt Stefan Rimpel und Valeriy Bunimov (r.), Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden.

Jüdische Gemeinde saniert früheres Rabbiner-Haus am Großen Moor und schafft Platz für Büros, Gemeinschaftsraum und koschere Küche

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11. Mai 2017, 16:00 Uhr

„So soll es einmal aussehen: ein Gemeinschaftsraum und eine koschere Küche im Erdgeschoss, Büros für den Rabbiner und die Verwaltung im ersten Stock.“ Valeriy Bunimov, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in MV, zeigt auf die Pläne – und ist schon voller Vorfreude. Die Jüdische Gemeinde Schwerins bekommt ein neues Zentrum – in einem historischen Gebäude, dem ehemaligen Rabbiner-Haus am Großen Moor 12.

Seit Jahren tragen Bunimov und seine Mitstreiter das Projekt in ihren Herzen, nun könnte es bald Wirklichkeit werden. „Wir haben das Geld für die Sanierung und den Umbau fast zusammen“, sagt Bunimov. Rund 470 000 Euro würden benötigt, um das Gebäude denkmalgerecht auf Vordermann zu bringen. 100 000 Euro stelle das Land aus dem so genannten Mauerfonds des Bundes zur Verfügung, so der Vorsitzende. Finanzielle Unterstützung komme darüber hinaus vom Zentralrat der Juden in Deutschland und von der Hermann-Reemtsma-Stiftung. „Auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden, die Gemeinde selbst und der Förderverein für ein jüdisches Gemeindezentrum in Schwerin beteiligen sich an den Kosten“, betont Bunimov.

Die ersten Arbeiten am früheren Rabbiner-Haus sind auch bereits erfolgt. „Wir haben das Dach neu gedeckt und die Fenster zum Hof erneuert“, berichtet Architekt Stefan Rimpel. Bei dieser Sanierung habe sich herausgestellt, dass das Gebäude wahrscheinlich deutlich älter sei als angenommen. „Ein Experte hat Holzproben genommen. Danach muss das Haus vor 1800 gebaut worden sein. Bislang war es auf Mitte des 19. Jahrhunderts datiert worden“, so Rimpel. Außerdem hätten sich Briefe in hebräischer und deutscher Schrift im Gebäude angefunden, die aus der Zeit um 1811/12 stammten. „Die Schriftstücke haben wir dem Landeshauptarchiv übergeben“, erzählt der Architekt.

Am Großen Moor 12 wohnte einst auch Landesrabbiner Samuel Holdheim (1806-1860), nach dem ein Straßenabschnitt am Schlachtermarkt benannt ist. In den 1980er-Jahren wurde das Fachwerk-Gebäude erstmals umfangreich saniert. Nach den Plänen von Architekt Rimpel soll bei der neuen Sanierung die historische Substanz des Hauses wieder freigelegt werden. „Im Sommer dieses Jahres wollen wir mit den Arbeiten beginnen“, kündigt er an. Ende 2018 soll der Umbau fertig sein.

Gegenwärtig nutzt die Jüdische Gemeinde mit rund 750 Mitgliedern, fast ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion, das Haus in der Landesrabbiner-Holdheim-Straße 7 als Verwaltungssitz und Gemeindezentrum, in dem unter anderem Deutsch-Kurse und die Sonntagsschule stattfinden, sich der Frauen-Club trifft. Doch das Gebäude befindet sich im Eigentum der Stadt, müsste dringend saniert werden, was vermutlich Millionen kosten würde, wie Bunimov sagt. Freilich: Den großen Versammlungsraum im hinteren Gebäudeteil würde die Gemeinde gerne weiternutzen.

Bereits saniert und im Eigentum der Jüdischen Gemeinde sind die Häuser Landesrabbiner-Holdheim-Straße 3 und 5. Das Haus Nummer 3 ist an eine Privatperson vermietet, die Nummer 5 beherbergt die Wohnung von Landesrabbiner William Wolff, einen Gebetsraum und eine Bibliothek. Und natürlich gehört zum Gesamtensemble auch die im Jahr 2008 eingeweihte neue Synagoge. „Ein solches Ensemble sucht in Deutschland seinesgleichen“, sagt Architekt Rimpel.

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