Schwerin : Neues Wohngebiet sorgt für Ärger

Reicht die Infrastruktur? Die viel befahrene Speicherstraße
Reicht die Infrastruktur? Die viel befahrene Speicherstraße

Stadt stellte Pläne für Speicherstraße und Lagerstraße vor; Anwohner kritisieren „dichtmöglichste Bebauung“

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06. Dezember 2019, 05:00 Uhr

„Wo sollen unsere Kinder denn künftig spielen?“ „Was ist  mit den Einkaufsmöglichkeiten?“ „Wie entwickelt sich die Parkplatzsituation?“ Bei der Bürgerversammlung in der Grundschule „Nordlichter“ mussten sich Bernd W. Pichotzke von der Stadt und Birger Conradt von der Grundstücksgesellschaft Hafenspeicher viele kritische Fragen gefallen lassen. Mehr als 100 Anwohner sorgten für reichlich Wind von vorn.

Pichotzke und Conradt stellten in der Schule in der Speicherstraße den Entwurf des Bebauungsplans „Speicherstraße/Lagerstraße“ vor. Das Plangebiet liegt nördlich und östlich der Nordlichter-Schule. Nördlich der Schule sieht die Planung eine mehrgeschossige, offene Bebauung vor. An der Hauptachse Speicherstraße sollen zwei fünfgeschossige und östlich dahinter vier viergeschossige Gebäude entstehen. Gereihte dreigeschossige Stadthäuser bilden den Übergang zur Bebauung an der Güstrower Straße. Durch eine Stichstraße mit Wendehammer werden die Gebäude erschlossen. So sieht es jedenfalls der Entwurf vor.

Östlich der Schule sollen an der Lagerstraße zwei viergeschossige Häuser für öffentlich geförderten Wohnungsbau entstehen, um Schweriner mit niedrigen und mittleren Einkommen mit Wohnraum zu versorgen. Die Neubauflächen an der Lagerstraße und an der Speicherstraße werden über einen Grünzug mit Fuß- und Radweg verbunden.

Viele Anwohner sehen die Entwicklung im Wohngebiet am Ziegelinnensee kritisch, rechnen mit mehreren hunderten neuen Wohneinheiten in den kommenden Jahren. Aus „reiner Gewinnmaximierung“ werde die „dichtmöglichste Bebauung“ geplant, heißt es in einem Schreiben, mit dem besorgte Bürger zur Teilnahme an der Versammlung in der Schule eingeladen hatten. Sie monieren, dass bereits Tatsachen geschaffen worden seien, verurteilen die Versiegelung von Flächen, zweifeln daran, dass die vorhandene Infrastruktur für die vielen neuen Bewohner ausreicht.

„Schon heute platzt der Supermarkt an der Güstrower Straße aus allen Nähten“, klagte eine Anwohnerin. Die Stadt lasse eine Entwicklung zu wie in den Waisengärten, meinte ein anderer Gast der Bürgerversammlung. „Wir werden regelrecht eingepfercht.“

Pichotzke trat dem Eindruck entgegen, die Stadt agiere konzeptionslos. Das Hafengebiet sei ein städtisches Entwicklungsgebiet, vorgesehen für den Weiterbau Schwerins nach Norden, erklärte der Mitarbeiter vom Fachdienst Stadtentwicklung und Wirtschaft. Außerdem werde der B-Plan-Entwurf ja öffentlich ausgelegt, die Bürger hätten also noch die Möglichkeit, ihre Einwände vorzutragen.

Arndt Müller, Stadtvertreter der Bündnisgrünen, versuchte, den Unmut zu kanalisieren, schlug ein moderiertes Bürgerforum vor, um alle Fragen abzuarbeiten. Anwohner tauschten E-Mail-Adressen aus, um in Verbindung zu bleiben.

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