Streit um Schweriner Sportstätte : Neues Tauziehen um die Paulshöhe

Dieses Tor zum Sportplatz Paulshöhe soll dauerhaft offen bleiben, fordert eine Bürgerinitiative. Doch die Chancen stehen dafür derzeit eher schlecht.
Dieses Tor zum Sportplatz Paulshöhe soll dauerhaft offen bleiben, fordert eine Bürgerinitiative. Doch die Chancen stehen dafür derzeit eher schlecht.

Stadtspitze gibt Absage an Erhalt des Fußballplatzes, prüft aber auch Erhalt einer Teilfläche für benachbarte Wassersportvereine

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07. September 2017, 05:00 Uhr

Klare Worte aus der Stadtspitze zur erneuten Initiative, die Paulshöhe als Fußballplatz in der Landeshauptstadt zu erhalten: Dafür gibt es keine begründeten Argumente, sagen Sportdezernent Andreas Ruhl und Baudezernent Bernd Nottebaum auf Nachfrage unserer Zeitung.

Zur Erinnerung: Die „Bürgerinitiative zum Erhalt der Paulshöhe und des Schlossgartens“ will mit einem so genannten Bürgerantrag die Stadtvertretung nochmals mit der Behandlung des Themas beauftragen. Während die Initiative, der die Stadtvertreter Karsten Jagau (ASK), Lothar Gajek (Grüne) und Klaus Lemke (CDU) angehören, weiter Unterstützer-Unterschriften sammelt, hat sie Stadtpräsident Stephan Nolte gebeten, den Erhalt der Paulshöhe auf die Tagesordnung der Sitzung am 18. September zu setzen.

Rückendeckung, wenn auch verhaltene, gibt es von zwei benachbarten Vereinen. Michael Nowack von der Kanurenngemeinschaft und Kay-Olaf Schuldt von der Schweriner Rudergesellschaft erklärten: „Beide Vereine nutzen die Regattastrecke auf dem Faulen See. Hier finden sogar Europa– und Weltmeisterschaften statt. Die Paulshöhe benötigen wir als Logistikfläche. Das Gelände der KRG kann die zahlreichen Bootstrailer und Boote bei so einer Veranstaltung nicht annähernd aufnehmen. Die von der Stadt angebotene Wiese unterhalb der Sternwarte ist nicht praktikabel.“ Auch sei es nicht möglich, auf das Gelände des Küchengartens auszuweichen. Dort sei es für ein Wenden mit Autos und Trailern viel zu eng. Laut Michael Nowack würden bei einem Wegfall der Stellflächen auf der Paulshöhe Wettkämpfe der Wassersportler gefährdet sein. Das erklärte er am Rande des Drachenbootfestivals im SVZ-Gespräch. Die erfolgreichen Schweriner Kanuten betreiben auf dem Faulen See die Landesregattastrecke. Aus den Reihen der Schweriner Rudergesellschaft kommen solche weltweit erfolgreichen Sportler wir Hannes Ocik, der den deutschen Ruder-Achter anführt.

„Uns ist klar, dass die Wassersportvereine bei Wettkämpfen zusätzliche Flächen benötigen“, sagt der Baudezernent. Die Stadt wolle dabei helfen, versicherte Nottebaum. So werde unter anderem auch geprüft, ob nach der Aufgabe des Sportplatzes Paulshöhe nur ein Teil des Areals veräußert werden kann, um direkt am Schleifmühlenweg Stellflächen für die Wassersportler zu erhalten. Der Verkauf der Paulshöhe war als zusätzliche Einnahmequelle für die Stadt vom Innenministerium gefordert worden.

Parallel macht Sportdezernent Ruhl auf SVZ-Nachfrage deutlich: Der Fußballplatz Paulshöhe wird für den Sport in der Landeshauptstadt nicht benötigt. „Wir haben 2010 ein Konzept für die Sportstätten Schwerins beschlossen. Das haben wir jetzt mit der Einweihung der Neubauten im Sportpark Lankow nahezu umgesetzt“, so der Sportdezernent. „Es gibt keinen Grund jetzt wieder von vorne anfangen zu wollen und plötzlich eine Spielstätte zusätzlich erhalten zu wollen.“

Das zusätzliche Argument der Bürgerinitiative, der Waldorfschule würde dann ebenfalls eine Sportstätte fehlen, lässt Baudezernent Nottebaum nicht gelten. „Wir sind im Gespräch. Die Waldorfschule hat signalisiert, die alte Ringerhalle für den Schulsport zu erwerben.“

Dass der Hauptnutzer der Paulshöhe, der Sportverein Dynamo, die Paulshöhe ohne Hilfe der Stadt selbst weiter betreibt – sollte die Politik das eigene Konzept noch einmal kippen, scheint ebenfalls unrealistisch. Denn aktuell investiert die Stadt über ihren Eigenbetrieb Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen zur Pflege und zum Erhalt der Gebäude und Flächen rund 180 000 Euro im Jahr. Dass der Fußball-Landesligist diese jährlich anfallende Summe aus Sponsorengeldern alleine aufbringen kann, dürfte in Schwerin so gut wie unmöglich sein.

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