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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 13:14 Uhr

Holpriger Schulweg : Neuer Streit am Poggenhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Marten kommt nicht zur Förderschule nach Sternberg, weil Taxi-Unternehmen Feldweg bei Demen nicht befährt

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Jeden Morgen um 7 Uhr ist Marten startklar: Das Pausenbrot ist geschmiert, der Ranzen steht bereit. Der Elfjährige hofft, dass er abgeholt wird, um zur Förderschule nach Sternberg zu kommen. Doch seine neue Schule hat der körperlich und geistig schwerstbehinderte Junge bislang noch nicht gesehen. Die Enttäuschung darüber ist ihm anzusehen. Marten will lernen, will zu anderen Kindern. Doch weil der Weg zum Poggenhof bei Demen so schlecht ist, kommt das vorgesehene Taxi nicht.

„Ich ziehe den Jungen dann wieder aus, setze mich an den Computer und schicke Emails an die Schule, ans Landratsamt und ans Ordnungsamt, dass die Schülerbeförderung wieder nicht erfolgt ist“, berichtet Klaus Wohldmann, der Vater von Marten. „Jeden Tag, seit dem 25. August.“

Überrascht von dieser Entwicklung ist der Landwirt, der mit seiner Familie seit 2007 auf dem Einzelgehöft zwischen Demen und Barnin lebt, indes nicht, schon eher frustriert und wütend. Denn Wohldmann fordert seit Jahren, dass die öffentliche Straße vor seinem Grundstück so hergerichtet wird, dass Autos hier problemlos durchkommen. Im vorigen Jahr machte Wohldmann mit seiner Forderung ernst und sorgte für Schlagzeilen: Er brachte seine beiden Jüngsten nicht mehr zur Grundschule Crivitz (SVZ berichtete). Der neunjährige Velten geht jetzt in die vierte Klasse und wird jeden Tag von seiner Mutter auf dem Weg zur Arbeit dort vorbeigebracht.

Für Marten muss indes wegen des Schulwechsels nach Sternberg eine andere, eine neue Lösung her. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim beauftragte ein Taxi-Unternehmen, den behinderten Jungen vom Poggenhof abzuholen und zur Förderschule zu bringen. Doch das weigert sich, den Landweg vom Demener Winkelkrug bis zum Poggenhof zu fahren. Das bestätigt auch der für die Schülerbeförderung zuständige Landkreis auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir bemühen uns, so schnell wie möglich ein anderes Unternehmen für diesen Auftrag zu gewinnen“, ergänzt Pressesprecher Andreas Bonin.

Klaus Wohldmann indes sieht sich bestätigt in seinen Beschwerden über den schlechten Zustand der Verkehrsanbindung des Poggenhofs – und der kürzesten Verbindung nach Crivitz über die Nachbargemeinde Barnin. „Hier müssen sich endlich alle Verantwortlichen, sprich von beiden Gemeinden, vom Amt Crivitz, vom Landkreis und auch von der Forst, zusammensetzen, um eine Lösung zu finden.“

Sehr bedauerlich, ja mehr als ärgerlich findet der Landwirt, dass in der Vergangenheit viel Geld in diesen Landweg gesteckt wurde, ohne die Probleme zu beseitigen. So wurde im Jahr 2010 die Warnowbrücke zwischen Demen und dem Poggenhof für knapp 62 000 Euro erneuert: Ein steiler Hang mit holprigem Pflaster ist aber zu überwinden, um wieder auf den Weg zu kommen. „Der Weg selbst ist derzeit vor allem wegen der herausgefahren Steine gefährlich“, ergänzt Wohldmann. „In der nassen Jahreszeit kommen unzählige Pfützen und wenig später Löcher hinzu.“ Dass das Taxi-Unternehmen Schäden an seinem Fahrzeug befürchtet, sei verständlich. Familie Wohldmann weiß davon ein Lied zu singen: Rund 2 500 Euro hat sie in diesem Jahr schon in die Reparatur und den Austausch von Verschleißteilen an beiden Autos stecken müssen. „Und daher vorzuschlagen, wir sollen Marten auf dem Holperweg bis nach Demen fahren, wo er dann ins Taxi umsteigen kann, empfand ich als Frechheit“, macht sich der Vater Luft. Denn das würde nichts am schlechten Straßenzustand ändern, aber den Arbeitstag des Landwirtes zweimal zerreißen.

Stattdessen bleibt Klaus Wohldmann derzeit auf dem Hof und betreut dabei seinen Sohn. Damit Marten so schnell wie möglich Unterricht erhält, hat die Familie eine Antrag auf Beschulung auf dem Poggenhof gestellt. Doch das soll nur eine Übergangslösung sein. „Marten soll mit Gleichaltrigen lernen, spielen und nach besten Möglichkeiten gefördert werden“, betont der Vater. „Wir möchten dass er so schnell wie möglich jeden Tag zur Förderschule nach Sternberg kann.“

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