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Schweriner Gastronomie-Geschichten : Neuer Koch, alter Glanz?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Niederländische Hof will wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Die Landeshauptstadt kann auf eine bewegte Gastronomie- und Hotellerie-Geschichte zurückblicken. Egal ob in der Altstadt, am Pfaffenteich oder im Fernsehturm: Viele Einheimische und Gäste wussten und wissen die Vorzüge der Schweriner Gaststätten und Hotels zu schätzen. SVZ stellt in dieser Woche einige Traditionshäuser vor. Heute erzählt Martina Lux-Grella vom Niederländischen Hof.

Popstars, die mit Zigaretten Löcher in Gardinen brennen, charmante Opernsänger, griesgrämige Komödianten oder ein spendables Prinzenpaar – könnten die Zimmer des „Niederländers“ sprechen, sie hätten viel zu erzählen. Seit 1881 gibt es das Hotel, damals allerdings noch an einem anderen Ort und unter anderem Namen: In der Wismarschen Straße, seinerzeit Wilhelmstraße, hatte Hofbäckermeister Adolf Niendorff die Idee, eine Etage des Hauses Nummer 7 zu einem Hotel Garni umzubauen – dem „Hotel Niendorff“. Acht Jahre später wurde dann das ganze Haus luxuriös umgestaltet.

1895 verstarb Niendorff. Doch der Tod des Gründers war nicht das Ende: Hermann Krasemann erwarb 1901 das Hotel von Niendorffs Erben und führte es unter dem Namen „Hotel Niederländischer Hof“ weiter. Diesen verdankt das Hotel der Hochzeit der holländischen Königin Wilhelmina mit dem mecklenburgischen Herzog Heinrich im gleichen Jahr. 1913 richteten Fliegeroffiziere im Altdeutschen Zimmer ihr Kasino ein, bekannte Fliegerasse wie Max Immelmann oder der „rote Baron“, Manfred von Richthofen, übernachteten hier. Krankheitsbedingt verkaufte Krasemann das Hotel gegenüber dem Bahnhofs 1920, um ein Jahr später in der Alexandrinenstraße neu durchzustarten: Er beauftragte den Architekten Hans Stoffers, aus zwei Wohnhäusern ein Hotel zu machen. Zwischen den Kriegen baute Krasemann sein Hotel weiter aus und bekam 1922 den Titel des „Hoflieferanten“ von Prinz Hendrik der Niederlande verliehen.

Im Zweiten Weltkrieg logierten viele Nazigrößen und Wehrmachtsoffiziere im ehrwürdigen Haus. Im Mai 1945 beschlagnahmten amerikanische Soldaten den „Niederländer“, später wurde er von sowjetischen Offizieren als Unterkunft genutzt. Als Krasemann 1954 starb, übernahm sein Sohn Herbert das Hotel und führte es trotz staatlicher Benachteiligungen erfolgreich weiter. 1970 verkaufte Krasemann junior den Niederländischen Hof an die Volkseigene Gaststätten- und Hotelorganisation. Nach der Wende wechselten die Besitzer häufig. Seit dem Jahr 2006 führt nun Martina Lux-Grella das Vier-Sterne-Traditionshotel.

Galt der „Niederländer“ seit jeher als erstes Haus am Platze, hatte das Haus in den vergangenen Jahren etwas von seinem guten Ruf eingebüßt. „Wir hatten Probleme mit zwei Köchen“, erklärt die Inhaberin. Seit April 2016 steht mit Daniel Radike ein neuer Koch in der Küche. Der gebürtige Schweriner, der bereits in Italien und der Schweiz kochte, soll den „Niederländer“ wieder zu altem Glanz führen. „Unseren beliebten Mittagstisch haben wir derzeit nicht mehr“, erzählt der Koch. Der sei wieder denkbar, wenn der Erfolg zurückkehre.

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