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Schwerin: Droht der Nordumgehung jetzt das komplette Aus? : Neue Zweifel am Paulsdamm-Ausbau

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Der Lückenschluss der Schweriner Umgehungsstraße rückt immer weiter in die Ferne. Erst rutschte das Projekt aus dem Investitionsplan der Bundesregierung. Jetzt stellen Stadtpolitiker die Notwendigkeit infrage.

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2012 | 05:06 Uhr

Schwerin | Der Lückenschluss der Schweriner Umgehungsstraße rückt immer weiter in die Ferne. Erst rutschte das Projekt aus dem Investitionsplan der Bundesregierung bis 2015. Jetzt prüft die Landeshauptstadt, ob überhaupt noch die Notwendigkeit für den Millionen-Euro-teuren Ausbau besteht. Die Stadtvertreter hatten die Verwaltung auf ihrer jüngsten Sitzung damit beauftragt, den aktuellen Stand der Planung beim zuständigen Landesamt einzuholen. Noch Anfang des Jahres hatte das Verkehrsministerium keinen Zweifel daran gelassen, dass der sieben Kilometer lange Abschnitt zwischen der B 106 und der A 14 gebaut werden würde.

Die Zweifler an dem Ausbau sitzen zurzeit vor allem in den Stadtfraktionen von SPD-Grüne und den Unabhängigen Bürgern. "Dieses Vorhaben wurde Anfang 1990 unter der Maßgabe geplant, dass in Medewege/Wickendorf die Wohnbebauung weiter wachsen wird", sagt Rolf Steinmüller von den Unabhängigen. Doch entgegen der damaligen Prognosen hat Schwerin an Einwohnern verloren. Die Nachfrage blieb aus. Im Frühjahr dieses Jahres zog die Politik ihre Konsequenzen und hob die Pläne für ein weiteres Wohngebiet in Wickendorf wieder auf (SVZ berichtete). Jetzt soll die Verkehrswegeplanung, die ohnehin auf Eis liegenden Pläne den geänderten Anforderungen anpassen.

Damit werden erneut Zweifel an der Notwendigkeit des Weiterbaus der Umgehung und des Ausbaus des Paulsdammes im Norden Schwerins laut. "Wir sind Gegner davon, ohne zwingende Gründe in die Natur einzugreifen und die Landschaft zu versiegeln", sagt Steinmüller weiter. "Der Erhalt unserer Umwelt ist existenziell."

Der Grund: Der Ausbau würde auch das Landschaftsschutzgebiet "Schweriner Innensee und Ziegelaußensee" und das europäische Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen" in Mitleidenschaft ziehen. "Die geplante Strecke würde zur Vernichtung von gutem Ackerland führen und erhebliche Auswirkungen auf das Vogelschutzgebiet haben, das vor allem als Rast- und Nahrungsraum für Vögel gilt", so Steinmüller weiter.

Sensibel ist dabei die Streckenführung zwischen Carlshöhe, Wickendorf und Rampe, denn dort gibt es als Querungsmöglichkeit nur den schmalen Paulsdamm. Eine mögliche Seebrücke nördlich des Paulsdammes erscheint aufgrund der hohen Kosten und des noch tieferen Einschnitts in das Vogelschutzgebiet fast unrealistisch. So sehen es sowohl der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) als auch die Verkehrsplaner des Landes. Demnach sei die Verbreiterung des Paulsdammes doch der sanftere Eingriff in die Natur.

Auch ein Brückenschlag über die Nordspitze des Schweriner Sees südlich des Paulsdammes wäre mit enormen Kosten verbunden. Ob in einigen Jahren um die ganze Landeshauptstadt eine Umgehungsstraße führt und eine Lösung für den Paulsdamm gefunden worden sein wird, hängt schlussendlich von mehreren Faktoren ab - in erster Linie vom öffentlichen Interesse und der Notwendigkeit einer solchen Straßenführung.

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