Urnenhaus in Kirch Stück : Neue Wege bei der Bestattung

Noch steht die Rüstung vor der Everschen Kapelle. Bald sollen auch im Innenraum die Arbeiten beginnen.
Noch steht die Rüstung vor der Everschen Kapelle. Bald sollen auch im Innenraum die Arbeiten beginnen.

Kirchengemeinde will historische Friedhofskapelle in Kirch Stück als Urnenhaus nutzen – Förderverein sucht Sponsoren

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07. Februar 2018, 12:00 Uhr

Sie liegt etwas versteckt hinter dem großen Stankt Georg in Kirch Stück. Die Rede ist von der kleinen Everschen Grabkapelle. Der Landwirt Hinrich Ernst Evers übernahm 1868 die großherzogliche Domäne Klein Medewege in einer Art von Erbpacht. Denn Medewege gehörte damals wie heute zu Kirch Stück – in Kirchenfragen. Ende des 19. Jahrhunderts baute die Familie die Grabkapelle nordöstlich der Kirche. Hinrich Ernst Evers und seine Ehefrau Johanna wurden später in Eichenholz ummantelten Zinksärgen beigesetzt – im Keller der Kapelle. Das Erdgeschoss war für seinen Sohn Otto und dessen Frau vorgesehen. Doch für die Nachfahren blieb es bei dem Plan. Otto Evers wollten einen Erdbestattung, sein Grab befindet sich an der östlichen Rückwand der Kapelle.

In den Kriegswirren 1945 wurden die Särge der Evers aus der Kapelle entfernt, die sterblichen Überreste der Eheleute neben der Kapelle vergraben. „Seitdem wurde die Kapelle nicht mehr genutzt“, erzählt Jürgen Hansen, Vorsitzender des Fördervereins der Kirche zu Kirch Stück. Er und seine Vereinskollegen haben sich der Kapelle angenommen. Denn jetzt, wo es mit der Kirchensanierung so gut vorangeht (wir berichteten), soll auch das Umfeld neuen Glanz bekommen. Kontakt zu den Nachfahren von Hinrich Ernst Evers haben die Fördervereins-Mitglieder bereits. Peter-Niels Evers ist dankbar für den Anstoß des Vereins, aus der Kapelle ein Kolumbarium – eine Urnenruhestätte – zu machen. Und so den Geist seiner Vorfahren nicht vergessen zu wissen. „Mit dem Kolumbarium können wir zudem das Angebot an Bestattungsformen erweitern“, erklärt Jürgen Hansen.

Doch bis es so weit ist, sei noch eine lange Liste abzuarbeiten. Nach der Sanierung des Daches und der Außenhülle sollen der Innenraum hergerichtet sowie an der Nord- und Südseite Urnenschränke eingebaut werden. „Wir orientieren uns beim Bau der Urnenschränke an alten Vorbildern. Der Andachtsraum soll schlicht ausgestaltet sein“, sagt Hansen. An der Wand über dem noch vorhandenen Altar an der Ostseite der Kapelle werde ein schlichtes Kreuz hängen. „Wir werden es so einrichten, dass die Besucher ein Teelicht entzünden können“, führt Jürgen Hansen weiter aus. Zudem, so die Planungen des Fördervereins, soll ein Schreibpult aufgestellt werde. „Wir werden ein Buch auslegen, in dem Besucher ihre Gedanken niederschreiben können“, sagt der Fördervereinsvorsitzende.

Bis diese Vorstellungen aber Realität werden, müssen noch einige Euro eingeworben werden. Der Förderverein benötigt Spenden, beginnt jetzt mit dem Sammeln. „Unterm Strich brauchen wir 91 160 Euro für allen Arbeiten“, sagt Hansen. Die Kirchengemeinde trägt rund ein Viertel der Kosten. Der Löwenanteil soll über Fördergeld finanziert werden, Anträge sind gestellt.

Hintergrund:

Ein Kolumbarium ist eine gestaltete Wand mit zahlreichen Nischen, in denen die Urnen Verstorbener ruhen. Versiegelt werden die Öffnungen durch Tafeln, welche mit Namen und Daten der Toten versehen sind. Ursprünglich war es die Bezeichnung für einen Taubenschlag. Aufgrund der optischen Ähnlichkeit wurden altrömische Grabkammern so benannt.

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