Schwerin sucht : Neue Heimat für Problem-Echsen

Kommen Investoren, müssen sie gehen: Zauneidechsen sind geschützt und werden bei Bedarf fachgerecht umgesetzt.
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Kommen Investoren, müssen sie gehen: Zauneidechsen sind geschützt und werden bei Bedarf fachgerecht umgesetzt.

In Gewerbegebieten müssen vor jedem Start eines Neubaus Eidechsen umgesiedelt werden – doch wohin damit?

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18. Juni 2016, 05:00 Uhr

Die Landeshauptstadt scheint die Hochburg der Eidechsen zu sein. Wo immer in einem Gewerbegebiet ein Neubau errichtet werden soll – die Reptilien sind im Weg. Bevor beispielsweise Nestlé in den Göhrener Tannen bauen konnte, mussten 220 Eidechsen, Frösche und Kröten umgesiedelt werden. Für die Erweiterung der Biogasanlage im Industriepark Schwerin waren es nur zehn Tiere. Auf einer etwa 1,2 Hektar großen Fläche am Fährweg wurden hingegen 52 Eidechsen eingesammelt. „Eine erstaunlich hohe Populationsdichte“, sagt Dr. Hauke Behr, Fachdienstleiter Umwelt in der Stadtverwaltung. Doch wohin mit den kleinen Tierchen? Sie können nicht einfach irgendwo ausgesetzt werden. Der neue Lebensraum muss schon ihren Ansprüchen genügen: Möglichst trocken sollte es sein, mit Steinhaufen zum Sonnen und zum Verstecken. Ein gepflegte Rasenfläche kommt nicht in Frage. Und im neuen Lebensraum dürfen nicht schon viele Eidechsen leben. „Kommen neue hinzu, gibt es Beißereien“, weiß Behr.

Für Eidechsen infrage kommende Flächen sind in der Stadt allerdings rar gesät, so der Fachdienstleiter. „Am liebsten wäre es uns, wenn die Eidechsen bleiben könnten, wo sie sind.“ Soll heißen, dass die Unternehmen am Rande ihres Firmengeländes Flächen für die Reptilien herrichten sollten. Das aber geht nicht immer. So wurden die „Nestlé-Eidechsen“ in den Göhrener Tannen eingesammelt und zunächst in der Sternberger Gegend „zwischengeparkt“. Gegenüber dem Nestlé-Gelände, auf der anderen Seite des Fährwegs, wurden ein Lebensraum hergerichtet und die Tiere dann dorthin umgesiedelt.

Jetzt ist die Stadt auf der Suche nach neuen Lebensräumen für die „Problem-Echsen“. „Unter einer Hochspannungsleitung wäre eine Möglichkeit“, so Behr. „Die Fläche darunter muss ohnehin frei gehalten werden.“ Außerdem will die Stadt eine Fläche bei Boldela auf dem ehemaligen Flugplatz pachten und eidechsengerecht herrichten. Der Schutz der Eidechsen kostet viel Geld. Im Falle Nestlé waren das allein 25 000 Euro. Zu zahlen vom Investor.

Auch andere Tiere machen ähnliche Probleme. In Friedrichsthal wurden von der Fläche für ein künftiges Baugebiet 800 Weinbergschnecken gesammelt und umquartiert. Das allerdings erledigten ehrenamtliche Naturschutzhelfer.

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