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Auf dem Alten Friedhof von Schwerin : Neue Ehre für Marienschwestern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sanierte Grabanlage wird am Sonntag eingeweiht und steht für engagierte Frauen, Pflege und die Poliklinik Schelfstadt

von
erstellt am 08.Sep.2016 | 23:25 Uhr

Wenn Uwe Lange über den Alten Friedhof in Schwerin geht, dann weiß er fast an jeder Wegbiegung eine spannende Geschichte zu erzählen – von verwunschenen Gräbern, prominenten Schwerinern, besonderen Kunstwerken. Der Steinmetzmeister ist mit Leib und Seele Vorsitzender des Fördervereins Alter Friedhof, der diese verborgenen Schätze der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen will. Er lädt ein, den Friedhof als Park zu entdecken – als solcher wurde er von Theodor Klett 1862 auch angelegt. Neuestes Projekt des Vereins: die Gemeinschaftsanlage der Marienschwestern. Sie war 1917 vom Marien-Frauenverein gekauft worden, bis 1945 wurden hier 16 Ober-, Kranken- und Hilfsschwestern begraben. Die Anlage steht sinnbildlich für gesellschaftliches Engagement von Frauen vor dem Zweiten Weltkrieg, aber auch für die mehr als 100-jährige Geschichte der Poliklinik in der Röntgenstraße. Zum Tag der Ruhe am Sonntag wird die sanierte Grabanlage um 12.30 Uhr eingeweiht. Langes Stellvertreter Lutz Dettmann will dann über die Marienschwestern berichten.

Knapp 8000 Euro an Spenden hat der Förderverein in den vergangenen zwei Jahren für das Projekt gesammelt. Die fehlenden 2000 Euro steuern Steinmetz Lange und die Landschaftsgärtner „De Grashoppers“ bei, die an der Grabstelle arbeiten. Diverse Bäume, die inzwischen aufs Grab gewachsen waren, wurden von der SDS entfernt. Auch der meiste Efeu musste für die Arbeiten weichen, neuer wird angepflanzt. Die Grashoppers fingen die Mauern an der steilen Rückseite ab, gossen die Fundamente neu. Alles in Absprache mit der Denkmalpflege. Jeder alte Mauerstein – gespaltene Findlinge, die heute kaum noch hergestellt werden – wurde nummeriert und später an seinen Originalplatz zurückgesetzt. Die einzelnen Grabplatten wurden gereinigt, die Schrift wieder geschwärzt.

Die Geschichte der Marienschwestern hat Lutz Dettmann recherchiert: Der Mecklenburgische Marien-Frauen-Verein Schwerin wurde 1880 gegründet, die Schirmherrschaft hatte Großherzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin. Anfangs kümmerten sie sich um die „Pflege im Feld verwundeter und erkrankter Krieger“. Ausgebildet wurden die Schwestern in der Münzstraße 5, bis 1889 arbeiteten sie im Stadtkrankenhaus. 1895 ließ der Verein ein eigenes Krankenhaus im Gebäude Schelfstraße 1 errichten – mit 18 Patienten, einem Arzt und drei Schwestern. 1914 hatte der Verein rund 600 Mitglieder und bald eine richtige Klinik: Im September wurde in der Röntgenstraße das von Gustav Hamann entworfene „Marienkrankenhaus“ mit 50 Betten eröffnet. 1919 verschmolzen Rotes Kreuz und Frauenverein, das DRK übernahm das Gebäude. Die Marienschwestern wirkten dort weiter. Die Klinik wurde in den Folgejahren erweitert. 1932 arbeiteten 104 Schwestern und Hilfsschwestern sowie 18 Lernschwestern im Haus.

Nach Ausbruch des Krieges wurde das Krankenhaus Lazarett. „Am 1. Dezember 1945 wurde die Städtische Poliklinik im Marienkrankenhaus als erste Poliklinik in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet“, schreibt Lutz Dettmann. „Anfang 1946 praktizierten 23 Ärzte und drei Assistenzärzte in zehn Spezialabteilungen.“ Das Marienkrankenhaus gehörte ab 1951 der Stadt Schwerin, war von 1950 bis 1956 die größte Poliklinik der DDR. Nach 1990 wurde sie zum Ärztehaus, 2003 verkauft und umgebaut zum Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtmedizin. Die Radiologische Gemeinschaftspraxis Schwerin zog ebenfalls ein.

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