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Koloss schwebt ein : Neue Brücke vor der Schweriner Schleifmühle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Überweg für Fußgänger- und Radfahrer wurde eingesetzt und soll Mitte März freigegeben werden

Die Enten auf dem Faulen See haben sich die besten Plätze gesichert. Denn auch für die gefiederten Seebewohner ist die neue Fußgängerbrücke an der Schleifmühle nichts Alltägliches. Selbst die kleine Luisa staunt über den Anblick der schwebenden Brücke. Mit offenem Mund begutachtet das Mädchen, wie das Riesenteil scheinbar mühelos auf die Träger sinkt.

Zwei Stunden vorher hatte sich Kraftfahrer Günther Thomas in Ludwigslust mit gelber Warnweste und Brückenbauwerk im Gepäck auf den Weg nach Schwerin gemacht. „Die Brücke, die ich heute gefahren habe, gehört eher zu den kleineren“, erzählt Thomas. Kleiner heißt für den Experten aus Neustadt/Glewe: Zehn Meter lang, zweieinhalb Meter breit und rund vier Tonnen schwer. Ein stattliches Gewicht für eine „kleine“ Brücke. Größe und Masse indes spielen für Dr. Bernd-Rolf Smerdka eher eine untergeordnete Rolle. Am liebsten hätte der Schweriner Amtsleiter für Verkehrsmanagement die alte Brücke behalten und saniert. „Die Kosten für eine Erneuerung wären aber genau so hoch gewesen wie für eine neue Brücke. Daher haben wir uns für einen Neubau entschieden“, erklärt Smerdka.

Mitte Dezember war das mehr als 150 Jahre alte Bauwerk aufgrund festgestellter Risse gesperrt und der Neubau von zwei Brücken – eine für Autos, eine für Fußgänger und Radfahrer – beschlossen worden.

Die fünfjährige Luisa steht mit ihren Großeltern Waldemar und Ingrid Leide hinter der Absperrung, als der Kran aus Ludwigslust im Schleifmühlenweg um die Kurve biegt. „Ui, schau mal, wie riesig das Ding ist“, sagt die kleine Schwerinerin zu ihrer Oma. Am Zielort angekommen, hält der vierachsige Koloss. Vier Stelzen fahren aus und heben den Kran für einen sicheren Stand in die Luft. Währenddessen wandern die Bauarbeiter in ihren orangenen Warnwesten über die mit Schnee bedeckte Baustelle und überprüfen vor dem Einschweben der Brücke abermals die Träger. Dann bringen die Bauarbeiter die Schlaufen des Krans an der neuen Fußgängerbrücke an.

Auch für Luisas Opa Waldemar Leide sind die Arbeiten ein Erlebnis – auch wegen seines direkten Bezugs zur Schleifmühle: Seit Jahren zeigt er Besuchern als Schleifmüller und Mitglied des Stadtgeschichts- und
-museumsvereins, dem Trägerverein der Schleifmühle, das rund 300 Jahre alte technische Denkmal. „Es ist toll zu sehen, dass es vor Ort endlich voran geht“, sagt der Schweriner.

Enkeltochter Luisa weicht nicht von seiner Seite, als der Kran dann endlich in die Vollen geht und die Brücke in nicht einmal fünf Minuten an ihren neuen Bestimmungsort hebt. Gebannt verfolgt die junge Schwerinerin mit ihrem Opa Waldemar die außergewöhnliche Aktion am Faulen See. Auch Dr. Smerdka ist von der Genauigkeit des Kranführers beeindruckt.

Doch bis Fußgänger über die Brücke laufen können, sind noch einige Arbeitsschritte nötig. „Als nächstes kommt der Beton in die Verschalung, dann errichten wir provisorische Zugänge an beiden Seiten. Mitte März planen wir die Brücke freizugeben“, sagt der Amtsleiter. Danach beginne die Erneuerung der Straßenbrücke.

Für den Schleifmüller jedoch ist noch eine andere Frage außerordentlich wichtig: Wann endlich wieder Wasser in den Mühlbach fließen und das Rad der Schleifmühle zum Drehen bringen wird. „Keine Sorge. Zum Deutschen Mühlentag zu Pfingsten wird sich ihr Mühlrad wieder drehen“, verspricht Dr. Smerdka dem Müller. Das hören Waldemar Leide und seine Enkelin Luisa gern. Und auch die Enten freuen sich bestimmt, wenn wieder Ruhe und Alltag an der Schleifmühle einkehren.

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