Wohnen in der Altstadt : Neubau ohne Schieflage

Bauherr und Architekt: Markus Gericke ist stolz auf das erste Wohnhaus, das er in Schwerin baut. Sein Büro ist vor allem in und um Wismar aktiv, zum Beispiel im Kindergartenbau.
Bauherr und Architekt: Markus Gericke ist stolz auf das erste Wohnhaus, das er in Schwerin baut. Sein Büro ist vor allem in und um Wismar aktiv, zum Beispiel im Kindergartenbau.

Nach dem Abriss: In der Taubenstraße entsteht auf torfigem Grund ein Haus mit acht großen und einer kleinen Wohnung

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09. September 2015, 21:00 Uhr

Das schiefe Haus in der Taubenstraße ist verschwunden, der Neubau soll jetzt im Lot bleiben. 62 Betonpfähle im Untergrund sorgen dafür. Jetzt wurde Richtfest gefeiert, im März 2016 sollen die ersten Mieter einziehen.

Als das Haus in der Taubenstraße vor etwa 100 Jahren gebaut wurde, da fehlte das richtige Fundament. Unter der Taubenstraße liegt nämlich eine gut zehn Meter dicke Torfschicht. Schon wenige Jahre später neigte sich der Bau zur Seite. „Bei zehn Meter Höhe hatte es eine Schiefstellung von 65 Zentimetern“, erzählt Architekt und Bauherr Markus Gericke. Das Haus wurde seit Jahren durch dicke Balken an der Straßenseite gestützt, war seit der Wende unbewohnt. Die Stadt verkaufte es 2014. Markus Gericke kaufte das fast identische Nachbarhaus gleich mit – an Sanierung war angesichts der Schiefstellung allerdings nicht zu denken. Die Taubenstraße 2-4 wurde abgerissen. „Wir haben hier sehr verständnisvolle Nachbarn, die knapp drei Monate Staub und Bauverkehr ertrugen“, betont Gericke. Auch das Einbringen der 13 bis 16 Meter langen Betonpfähle war nicht ohne. „Dabei ging es vor allem um die Erschütterung“, sagt der Architekt. „Wir haben darauf geachtet, dass die Nachbarhäuser nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

Im Februar war die Bodenplatte fertig, seitdem läuft der Rohbau. Beim Richtfest strahlte der 38-jährige Markus Gericke, der aus Grevesmühlen stammt und sein Büro in Schwerin hat, übers ganze Gesicht. Denn der Bau ist nicht nur solide gegründet, auch die potenzielle Mieterliste sieht schon sehr solide aus. Um neun Wohnungen bewerben sich aktuell knapp 50 Interessenten. „Sie ist aber noch offen. Wir entscheiden erst später, wer hier einzieht“, sagt Gericke.

Im Juli 2014 wurden die alten Häuser abgerissen. „Im März 2016 soll das neue Haus mit neun Wohneinheiten fertig sein und vor allem Familien Platz in der begehrten Schelfstadt bieten. Nur 4- und 5-Raum-Wohnungen wird es in der Taubenstraße geben plus eine kleine „Studentenwohnung“ im Souterrain. Damit aber auch ältere oder gehbehinderte Leute einziehen können, wird ein Fahrstuhl gebaut. Die Wohnungen haben Fußbodenheizung, bodentiefe, dreifach verglaste Fenster, Südbalkon oder Terrasse. Außerdem gibt es überdachte Parkplätze auf dem Hof. Die Fassade wird mit historischen Abbruchziegeln im „Reichsformat“ gemauert.


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