Museum der Moderne Schwerin : Neubau mit Schönheitsfehlern

Die neuen Säle können vielseitig gestaltet werden und bieten auch Platz für große Kunstobjekte. Seit der Eröffnung des Neubaus   kamen zehn Prozent mehr Besucher ins Museum.

Die neuen Säle können vielseitig gestaltet werden und bieten auch Platz für große Kunstobjekte. Seit der Eröffnung des Neubaus   kamen zehn Prozent mehr Besucher ins Museum.

Besucher staunen über moderne Kunst und wundern sich über Handwerker-Leistungen im Staatlichen Museum

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12. August 2016, 05:00 Uhr

Löcher im Parkettfußboden, Risse an den Innenwänden, eine farblich unregelmäßige Fassade – vor allem Schweriner haben sich „ihr“ neues Museum in den vergangenen Wochen besonders genau angeschaut und Verwunderliches, ja Ärgerliches entdeckt.

Hätten sie diese Arbeiten in Auftrag gegeben, dann hätten sie das den Handwerkern und Bauleuten so nicht durchgehen lassen, so der Tenor am „Heißen Draht“ unserer Zeitung. Schließlich hat der Museumsneubau 8,6 Millionen Euro gekostet und ist noch nicht einmal zwei Monate geöffnet. SVZ fragte nach beim landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften, der zum Finanzministerium MV gehört und der Bauherr ist.

Wer genauer hinschaut, entdeckt Risse und mehr. Foto: Klawitter
Wer genauer hinschaut, entdeckt Risse und mehr. Foto: Klawitter
 

Und tatsächlich: So richtig glücklich ist man mit einigen Sachen auch hier nicht. Natürlich überwiege auf allen Seiten die Freude über den gelungenen Bau mit seinen großen Räumen, riesigen Fensterfronten mit Schlossblick, mit frei tragenden Decken, mit Wandheizung und Deckenkühlung. Rund zehn Prozent mehr Besucher gibt es seit Eröffnung des neuen Hauses Anfang Juli. Der Übergabetermin sei überaus knapp gewesen und trotzdem gehalten worden. Dennoch: Einige „Kleinigkeiten“ müssten in der nächsten Zeit noch nachgebessert werden. Aber welche?

Einigkeit herrscht beim Thema Fußboden – dunkles Industrieparkett. Dort sind einzelne Stäbchen herausgebrochen, anderswo entdeckt man kleine Dellen. Die entsprechenden Stellen würden aufgefüllt, der Boden noch einmal geschliffen – bei laufendem Betrieb gehe das aber nicht, sagt BBL-Projektleiterin Heike Jug. Gearbeitet werde entweder an Montagen oder zum Ausstellungswechsel im Frühjahr.

Der Übergang zwischen Fußboden und Wand ist ein weiteres Problem. „Schlampig gearbeitet“, kommentieren Besucher auf der Brücke zwischen Alt- und Neubau. Obendrein sind die weißen Wände an machen Stellen bereits schmutzig. Auch dieses Thema ist beim BBL aufgenommen, aber noch nicht gelöst. Sockelleisten möchte das Museum nicht unbedingt, die gehörten in alte Wohnzimmer, aber nicht in moderne Museumsbauten. Eine Lösung werde gemeinsam gesucht, so Jug.

Risse in der Wand, vor allem an der Tür zum Übergang, seien hingegen normal für einen Neubau. „Wir beobachten einige Zeit lang, wie sich diese Setzrisse entwickeln“, sagt Uwe Jannsen, Referatsleiter für Staatshochbau im Finanzministerium. Die kleineren würden übermalert, die größeren „kraftschlüssig verpresst“, sagt Heike Jug.

Die Fassade jedoch sorgt für hochgezogene Augenbrauen. Schalungsstöße und Ankerlöcher sind noch deutlich zu erkennen als Streifen oder Kreise, mal heller, mal dunkler als der Rest der Fassade. Dass und in welchen Etappen hier Sichtbeton aufgebracht wurde, lässt sich klar erkennen. Uwe Jannsen deutet das als „individuelles Erscheinungsbild“ einer von Hand bearbeiteten Fassade. Heike Jug hätte es „schön“ gefunden, wenn die Bearbeitungsspuren weniger sichtbar gewesen wären: „Wir haben das bei der Abnahme festgehalten, aber die Leistung entspricht so noch der Ausschreibung.“ Der von der EU geförderte Bau musste europaweit ausgeschrieben werden. Referenzen und Kostenplan der Firma, die schließlich den Zuschlag für Rohbau und Fassade bekommen hat, seien gut gewesen.

Dass an der Fassade schon Ausblühungen – weißes Pulver oder Kristalle aus löslichen Salzen – beseitigt werden mussten, sei auf die Baufeuchtigkeit zurückzuführen, erklären die Experten. Schließlich stecke das Gebäude sieben Meter tief in der Erde – auf 99 Pfählen.

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