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25. November 2017 | 12:43 Uhr

Schwerin : Netz knüpfen für mehr Klimaschutz

vom

Klimaschutz ist ein Schlagwort, hinter dem sich viel verbirgt. Aber: Wer weiß genau, was es gibt, was machbar ist, was fehlt? Dort ist der Punkt, wo die städtische Kontaktstelle Umwelt- und Klimaschutz ansetzen soll.

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2012 | 10:21 Uhr

Schwerin | Klimaschutz ist mittlerweile ein Schlagwort, hinter dem sich eine Unzahl von Möglichkeiten, Forderungen und Angeboten verbirgt. Ganz oben steht die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Unter dem Oberbegriff versammeln sich aber auch Windkrafträder und Photovoltaikanlagen ebenso wie Wärmepumpen oder Hybridtechnik. Aber: Wer weiß genau, was es wo schon alles gibt, was machbar ist, was fehlt? Genau dort ist der Punkt, wo die städtische Kontaktstelle Umwelt- und Klimaschutz ansetzen soll. Sie will Angebote und Anforderungen zusammentragen, Städtebauer, Energieerzeuger und Nutzer vernetzen. Ljuba Iglikowa-Schulz und René Glienke sind diese neue Kontaktstelle. Beide gehören zum Bundesprogramm "Bürgerarbeit", kommen also aus der Arbeitslosigkeit und sollen auf ihren Posten Kontakte knüpfen nicht nur für die Zukunft Schwerins, sondern auch für die eigene berufliche Zukunft.

"Die Erstellung des Klimaschutzkonzepts hat uns diese beiden Stellen ermöglicht", sagt Amtsleiterin Claudia Nitz. Sie sitzt jeden Montag mit den beiden zusammen, um Probleme zu besprechen, Anregungen zu geben, Projekte abzustimmen. Aber auch sonst ist die Chefin für die Neulinge immer ansprechbar - und die sind beeindruckt von den flachen Hierarchien im Stadthaus. Ljuba Iglikowa-Schulz ist gelernte Chemie-Ingenieurin und hat lange Zeit in ihrer Heimat Weißrussland in der Verwaltung gearbeitet. "Dort wurde von oben bestimmt und die Mitarbeiter mussten nur ausführen", sagt sie. In Schwerin würden Entscheidungen viel ausgewogener gefällt, alle Bedenken - auch von den Bürgern - gehört und erörtert. Viele ihrer ehemaligen Landsleute, die heute hier leben, hätten aus der Erfahrung in der Heimat heraus immer noch gehörigen Respekt und nicht allzu viel Vertrauen in die öffentliche Verwaltung. Ljuba Iglikowa-Schulz soll ihnen die Scheu nehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist dabei ihre Zweisprachigkeit. In Schwerin hat die Migrantin vor der Bürgerarbeitsstelle schon viele Jobs durchlaufen: Sie war Verkäuferin, schulte um zur Kauffrau für osteuropäischen Handel, arbeitete bei der Suchtprävention, der Buga und der Organisation der 850-Jahr-Feier von Schwerin.

"Die beiden Mitarbeiter haben völlig verschiedene Persönlichkeiten und arbeiten auch völlig verschieden", sagt Claudia Nitz. Aus ihrer Sicht ein echter Vorteil. René Glienke kommt aus dem technischen Bereich, arbeitete nach der Wende als Bürokaufmann, in einem Möbelhaus, bei einem Energieversorger. "Seit zehn Jahren bin ich allein erziehender Vater", sagt er. Das machte die Jobsuche nicht gerade leichter.

Im Schweriner Umweltamt, das mit den beiden nun 29 Mitarbeiter hat, sitzen Iglikowa-Schulz und Glienke bereits seit September. "In den ersten Monaten haben sie alle Abteilungen durchlaufen, um hier überhaupt die Aufgaben, Zuständigkeiten und Vorgehensweisen kennen zu lernen", sagt Claudia Nitz. Jetzt werden sie selbst aktiv: Sie besuchen Ortsbeiratssitzungen, nehmen dort Anregungen auf, wie in der Weststadt zum Beispiel den lang gehegten Wunsch nach einer schlafenden Ampel über die Lübecker Straße auf Höhe Friesensportplatz. Das dritte Klimaforum der Landeshauptstadt haben sie selbstständig organisiert - von den Einladungen bis zum Kaffeekochen. Und für die Bürger Schwerins sind sie jederzeit Ansprechpartner. Auch wenn sie vielleicht nicht spontan die Antwort auf alle Fragen kennen, können sie doch innerhalb kürzester Zeit zur richtigen Stelle weitervermitteln. Aber: "Das Beschwerdemanagement sind wir natürlich nicht", betont Nitz.

Eigene Aufgabenschwerpunkte haben beide Bürgerarbeiter neben der allgemeinen Vernetzung auch schon: René Glienke versucht in Zusammenarbeit mit IHK und Handwerkskammer vor allem kleine und mittelständische Unternehmen für Klimaschutz und die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes zu gewinnen, ihnen Möglichkeiten und Perspektiven aufzuzeigen. Ljuba Iglikowa-Schulz möchte derweil möglichst viele Kitas für das Energie- und Umwelt-Projekt "leuchtpol" gewinnen. Einige Schweriner Einrichtungen arbeiten damit schon länger. Auch hier gilt es, erstmal den Ist-Zustand zu erfassen und dann weiter zu werben und zu unterstützen.

Auf drei Jahre sind die Bürgerarbeits plätze in der Umwelt- und Klimaschutzkontaktstelle befristet. Lange genug, um etwas Solides aufzubauen und für Kontinuität zu sorgen, ist sich Claudia Nitz sicher.

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