Demen : Natur und Leben sind Lehrmeister

Kinder und Jugendliche aus Hamburg und ganz Deutschland verbringen ihre Ferienfreizeit gern in Demen. Möglich machte dies vor 18 Jahren Thorsten Kunde (l.), der Haus und Grundstück kaufte und sich für die Sanierung einsetzte.
Kinder und Jugendliche aus Hamburg und ganz Deutschland verbringen ihre Ferienfreizeit gern in Demen. Möglich machte dies vor 18 Jahren Thorsten Kunde (l.), der Haus und Grundstück kaufte und sich für die Sanierung einsetzte.

Jugendfreizeithaus Demen ist in privater Hand und gut gebucht. Das Haus gehörte 400 Jahre lang der größten Bauernfamilie im Ort

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15. Mai 2018, 20:45 Uhr

Die Jungs müssen echt „Muckis“ beweisen, als sie eines der sechs Kanus aus der alten Scheune ins Freie befördern und für die Reise auf dem Wasser vorbereiten. Denn das ist gar nicht so weit weg. „Die Warnow fließt nur etwa drei Kilometer von hier. Die Kinder und Jugendlichen lieben es, auf ihr zu paddeln“, berichtet Thorsten Kunde.

Der 56-Jährige ist nicht nur Gymnasiallehrer für Geschichte und Philosophie, sondern steht auch dem Verein Freie Jugendarbeit seit 1986 vor. Dieser ist in Hamburg angesiedelt, betreibt dort zwei Jugendzentren und hatte schon seit Jahren Ausschau gehalten nach einem größeren Domizil. „Die Schullandheime und Jugendherbergen haben ihre Preise drastisch angezogen. Eine Übernachtung bis zu 30 Euro pro Person ist keine Seltenheit“, erklärt Kunde die Suche, die auch nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein geführt habe. „Alle haben nur die Arme hochgerissen, als wir erzählten, was wir vorhaben. Nur in Demen waren wir sofort willkommen. Ferienlager sei man gewöhnt, bekamen wir zu hören.“

Fündig sei er schließlich 1999 an der Hufe 1 geworden. Der Hof habe 400 Jahre lang der größten Bauernfamilie im Ort gehört. „Karl Schröder hat 1954 drei Fichtenstämme ohne Genehmigung an einen Nachbarn verkauft. Dafür wollte ihn die DDR-Obrigkeit zwölf Jahre ins Zuchthaus stecken. Doch bevor es dazu kam, ist er mit seiner Familie in den Westen nach Heilbronn geflüchtet“, weiß der gebürtige Hamburger aus Nachforschungen. Der Hof sei verstaatlicht und von der LPG Freiheit bis zur Wende genutzt worden. „Der Sohn von Karl Schröder hat später einen Antrag auf Rückführung gestellt, das damalige Urteil wurde wegen des Unrechts aufgehoben und der Besitz ging zurück an die Schröders.“ Nach drei Jahren Verhandlung hat Thorsten Kunde das Objekt schließlich kaufen können und es dem Verein verpachtet. In Eigenregie mit Vereinsmitstreitern und Menschen aus dem Dorf wurde das Haus, das 1969 aufgestockt worden war, schließlich saniert. „Wir haben alles neu gemacht, die Bäder, Türen, Fenster, Heizung und die Terrasse“, erzählt Kunde voller Stolz, der insgesamt mit Kaufpreis und Investitionen rund 360 000 Euro in das Vorhaben gesteckt hat.

Vieles an Inventar sei über Stiftungen realisiert worden. „Im Jahr 2000 war das Haus mit seinen 460 Quadratmetern Wohnfläche erstmals belegt. Seitdem verbringen hier Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren aus Hamburg und ganz Deutschland ihre Ferienfreizeit. Es gibt acht Übernachtungszimmer mit 28 Betten.“ Man habe hier alles, was Heranwachsenden gefalle. Einen See mit Bademeister, Reitmöglichkeiten in Kobande, Wasserwandern auf der Warnow, Fahrräder sowie die Möglichkeit zum Wandern und Reisen. „Besonders beliebt sind Ausflüge nach Schwerin zum Schloss oder nach Groß Raden“, sagt Thorsten Kunde, der viel Wert auf die Aussage legt, dass man ein Selbstversorgerhaus sei. Die Heranwachsenden würden ins Kochen und Saubermachen eingebunden. „Und keiner mault rum. So lernen sie Wertvolles fürs Leben.“

Bis 2020 sind die Sommerferien und Feiertage im Jugendfreizeithaus bereits ausgebucht. „Da wir keine privaten Nachbarn haben zwischen Feuerwehr und Dorfschule, können wir auch mal etwas lauter sein, ohne, dass sich jemand aufregt“, erzählt der 56-Jährige. Auf die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen im Ort, die regelmäßiger Anlaufpunkt für Angler, Senioren und Reiter sind, weist Kunde ebenfalls noch hin. Und verrät: „Ich habe herausgefunden, dass ich sogar Verwandtschaft in Demen habe. Nämlich den Sohn der Schwester meiner Oma. Das hat mir hier ein bisschen Tür und Tor geöffnet. Die Welt ist mitunter doch klein und das Leben geht mitunter merkwürdige Wege.“

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