Verkehr in Schwerin : Nahverkehr steigt noch nicht um

Auflade-Stopp beim Schweriner Nahverkehr: Michael Düde von der Firma Eurabus und Fahrer Lothar Hardtke (r.) präsentieren einen Elektrobus des Unternehmens EBE aus Memmingen.
Auflade-Stopp beim Schweriner Nahverkehr: Michael Düde von der Firma Eurabus und Fahrer Lothar Hardtke (r.) präsentieren einen Elektrobus des Unternehmens EBE aus Memmingen.

Technik-Chef Lothar Matzkeit: Elektrobusse müssen ihre Praxistauglichkeit im Dauerbetrieb erst unter Beweis stellen

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01. Juni 2016, 16:00 Uhr

Schwerin Zum Tanken an die Steckdose: Sechs Stunden brauchen die Batterien des Elektrobusses der Firma EBE aus Memmingen, bis sie wieder voll sind. Auf seiner Tour durch Deutschland legt der Bus  beim Schweriner Nahverkehr im Haselholz regelmäßig einen AufladeStopp  ein. Praktischer Anschauungsunterricht in Sachen alternativer Antrieb. Für einen Umstieg auf Elektrobusse  im  täglichen Linienbetrieb des Nahverkehrs sei es  aber noch zu früh, sagt Prokurist und Technik-Chef  Lothar Matzkeit. Deshalb habe sich der Verkehrsbetrieb auch gerade erst für eine neue Busflotte mit Verbrennungsmotoren entschieden.

„Der Nahverkehr verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklung  zukunftsweisender Antriebskonzepte“, betont Matzkeit. Drei Viertel seiner Beförderungsleistungen erbringe das Unternehmen ja auch bereits mit Strom – per Straßenbahn. Busse mit elektrischem Antrieb müssten ihre Praxistauglichkeit im Dauerbetrieb jedoch erst noch unter Beweis stellen. „Die Einführung eines rein elektrischen Busbetriebes – mit Ausnahme von Obussen  –  ist bisher in keiner deutschen Stadt realisiert und wird mit Sicherheit auch noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, so Matzkeit. Gegen einen schnellen Umstieg auf Elektrobusse würden unter anderem die benötigte Infrastruktur zum Aufladen und die Ladezeiten sprechen. Hinzu komme der deutlich höhere Anschaffungspreis, der sicher auch Auswirkungen auf die Ticketpreise hätte, erklärt der Technik-Chef. So koste ein Elektrobus etwa das Doppelte von  einem Bus mit einem Euro-VI-Dieselantrieb, für den sich der Nahverkehr  jetzt entschieden habe.

Michael Düde von der Firma Eurabus, die die EBE-Busse vertreibt, wirbt allerdings für die Vorzüge des elektrischen Antriebs, der die Umwelt deutlich weniger belaste. „Unser Vorführbus hat im Stadtverkehr eine Reichweite von 200 Kilometern, auf Überlandfahrt sind es sogar 250 Kilometer“,  sagt Düde.   Mit zusätzlichen Batterien seien sogar 350 Kilometer drin.  Auch die Ladezeit  lasse sich noch beschleunigen, und das Netz an  Ladestationen könne sich inzwischen durchaus sehen lassen, so der  Eurabus-Mitarbeiter.

Der Nahverkehr habe sich die Entscheidung bei der  Busflotte nicht leicht gemacht, betont Lothar Matzkeit. Neben dem Elektroantrieb seien auch noch andere alternative Antriebsformen geprüft worden,  unter anderem Biogasbusse. „Bei der Euro-VI-Norm ist der Stickoxid- und Rußpartikelausstoß jedoch auf ein Minimum  reduziert, so dass  gasbetriebene Fahrzeuge in dieser Hinsicht keine Wettbewerbsvorteile mehr aufweisen“, so Matzkeit. Von August an sollen die 32 neuen Busse mit dem Namen „Citaro Euro VI“ von Mercedes-Benz durch Schwerin rollen.

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