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Teil 1 des Selbsttests : Nächste Woche mal kein Müllberg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Redakteurin Annegret Behncke versucht eine Woche lang, so wenig Müll wie möglich zu produzieren

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Jede Gurke einzeln in Folie verschweißt. Nudeln, Reis und Obst: alles in Plastik. Beim Auspacken meines Wochenendeinkaufs häufen sich die Müllberge. Ich lebe mit meinem Freund Christoph und meinem Mops Rambo zusammen in der Feldstadt. Da wir täglich kochen, produzieren wir auch fast täglich eine Tüte Müll. Und damit stehen wir nicht alleine: In kaum einem anderen EU-Staat werfen die Bürger so viel weg wie hierzulande. Laut einer aktuellen Studie des Internetportals billiger.de steigt das Müllaufkommen pro Kopf stetig an. Haben die Deutschen 2005 noch 448 Kilogramm Müll, inklusive Biomüll und Wertstoffe, weggeworfen, waren es 2015 schon 455 Kilogramm je Einwohner. Im Gesamtmüllvergleich der Kommunen liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 684    449 Tonnen auf Platz zwölf – das sind 425 Kilogramm je Einwohner jährlich. Schwerin liegt bundesweit im Mittelfeld: Wir Landeshauptstädter erzeugen 235 Kilogramm Hausmüll und 197 Kilogramm Biomüll und Wertstoffe pro Kopf. Für mich nun Grund genug, mich eine Woche lang selbst zu testen. Wie viel Müll kann ich verhindern? Was kann ich an meinem Konsumverhalten ändern?

Wenn ich also im Supermarkt einkaufe, nehme ich jede Menge künftigen Müll mit nach Hause. Und wenn ich ehrlich bin, sieht es nicht besser aus, wenn ich mal eben in die Stadt gehe: Coffee-to-go oder ein schnelles Sandwich vom Bäcker nebenan – natürlich gut verpackt. Habe ich ein schlechtes Gewissen? Nicht immer. Zu oft mache ich mir gar keine Gedanken, der Alltag und die Gewohnheit haben mich im Griff.

Doch bevor ich mit meinem Test starte, führe ich mir die Konsequenzen meines Handelns vor Augen: Wird Plastik verbrannt, entsteht Kohlendioxid, dazu Kohlenmonoxid, Ruß und hochgiftige Substanzen wie Benzol, PAK und PCDD/Dibenzofuran – auch bekannt als Dioxin. Wenn man also die ebenfalls umweltschädigende Produktion von Kunststoff außer Acht lässt, sorgt Plastikmüll spätestens bei der Entsorgung für Umweltgifte, die unserer Gesundheit schaden. Aber nicht alles landet auf einer Deponie, vieles auch in den Weltmeeren. Laut Naturschutzbund sind es jährlich mehr als zehn Tonnen Plastikmüll. Die schadstoffreichen Mikropartikel werden von Meerestieren aufgenommen – von kleinsten Lebewesen genauso wie von großen Walen. Oft verenden sie qualvoll. Damit aber nicht genug. Denn dadurch, dass beispielsweise Fische Plastik zu sich nehmen, gelangt es auch in unsere Nahrungskette. Wissenschaftler warnen vor Weichmachern: Die Chemikalien in den Kunststoffen sollen gravierende Gesundheitsschäden verursachen – von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen.

Eigentlich weiß ich das alles. Doch viel zu oft suche ich nach Ausreden. „Es muss schnell gehen“ oder aber „Ich kaufe das ja nicht immer – nur ausnahmsweise mal.“ Nächste Woche gibt es keine Ausreden. Nur Selbstdisziplin.

Aber wo kann ich denn nun unverpackt einkaufen? Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt, im Bio-Laden, einen Teil auch im Supermarkt. Aber Butter und Mehl? Was ist mit meinen geliebten Schokoriegeln? Wird ein Einkauf teurer als bisher? Das gilt es nun herauszufinden. Eine Aufgabe, der ich mich gerne stelle. Mit großen Erwartungen an mich selbst, blicke ich nun der nächsten Woche entgegen. Schließlich kann es doch nicht so schwer sein, keinen Müll zu produzieren?

Ob und wie es mir gelingt, können Sie am nächsten Mittwoch lesen.

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