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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 01:04 Uhr

Schwerin : Nackt in Zippendorf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerinerin wundert sich über textilfreie Badegäste. Stadt: Kleiderfrage in der Strandordnung nicht eindeutig geregelt

von
erstellt am 18.Aug.2017 | 20:55 Uhr

Cornelia Meier (Name von der Redaktion geändert) ist fassungslos. „Ich dachte, ich sehe nicht richtig.“ Am Zippendorfer Strand sei ihr jüngst ein Pärchen entgegengekommen – tiefenentspannt und splitterfasernackt. „Die beiden waren so zwischen 40 und 50 Jahre alt“, sagt Meier. Auch einen jungen Mann habe sie kürzlich im Adamskostüm am Strand angetroffen. „Darf man in Zippendorf jetzt einfach so FKK machen?“, fragt die Schwerinerin empört.

Gabriele Kaufmann lächelt. „Davon habe ich ja noch gar nichts gehört“, sagt die Leiterin des Fachdienstes Ordnung in der Stadt. Der Zippendorfer Strand sei grundsätzlich ein „Textilstrand“, ja. In der Strandordnung werde die Kleiderfrage allerdings nicht eindeutig geregelt, räumt sie ein. Eine „Gesetzeslücke“ also. Jeder Badegast habe sich aber so zu verhalten, dass er kein öffentliches Ärgernis provoziere, betont Kaufmann. Falls es zu einem Verstoß komme, könne
der Kommunale Ordnungsdienst tätig werden.

Zuständig für die Bewirtschaftung des Strandes sind die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen. Auch SDS-Werkleiterin Ilka Wilczek sind bislang keine Beschwerden zu Ohren gekommen. Überhaupt gäbe es in Schwerin keine öffentlichen FKK-Badestellen. „Sollten sich am Zippendorfer Strand wirklich Fälle von nackten Badegästen häufen, müssen wir sehen, wie wir damit umgehen“, sagt sie. Möglicherweise müsse die Strandordnung dann in punkto Outfit präzisiert werden. Für das Abfassen der Ordnung sei der Fachdienst Sport bei der Stadt verantwortlich, so Wilczek.

Ob sich am Zippendorfer Strand alle Gäste an die Baderegeln halten, darüber wachen die Aufsichtskräfte vom Deutschen Roten Kreuz. Dass sich Badegäste am Strand vollkommen hüllenlos zeigen, sei ihm nicht bekannt, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Jens Leupold. Freilich könne er nicht ausschließen, dass sich Strandbesucher außerhalb der Wachzeiten des DRK auch mal ohne Garderobe in die Fluten stürzten.

Gerade erst hat Linken-Politiker Gregor Gysi im Land eine Debatte angestoßen, in der er – viel beachtet – den Rückzug der FKK-Kultur im Osten beklagt. Zu DDR-Zeiten sei es durchaus möglich gewesen, auch am Zippendorfer Strand nackt zu baden, bestätigt Rainer Blumenthal vom Stadtarchiv. „Im hinteren Teil, wo sich früher ein Kiosk befunden hat, haben sich die FKK-Fans getroffen.“ Zu allen Zeiten habe es aber auch in Schwerin Menschen gegeben, die über die Nacktbader die Nase gerümpft hätten, berichtet Blumenthal. So habe sich heute vor genau 197 Jahren, am 19. August 1820, ein Geheimer Regierungsrat Dr. Krüger beim Magistratskollegium der Neustadt über junge Männer beschwert, die nur mit ihren roten Schülermützen bekleidet in den Pfaffenteich gestiegen seien. Die Stadt müsse unbedingt etwas unternehmen…

 

 

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