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Fußballer in Finanznot : Nachwuchssportler im Abseits?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spielvereinigung Cambs/Leezen muss für Nutzung der Sporthalle „Am Mühlenburg“ 34000 Euro im Jahr zahlen – zu viel sagt der Verein

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2016 | 09:00 Uhr

Eduard Frindts Herz schlägt für den Fußball. Insbesondere für die Nachwuchskicker. Seit 1960 ist er Mitglied im Fußballverein, früher war dies der Traktor Cambs, heute ist es die Spielvereinigung Cambs/Leezen. Dort gehört er dem Vorstand an. Der Liessower betreut die B-Mannschaft, er kümmert sich um Sponsoren, aber auch um die Sportplätze in Retgendorf und Cambs. Dafür opfert Eduard Frindt viel Zeit. Das mache er gern, sagt er. Dem Fußball gehört sein Herz. Für sein Engagement wurde er jüngst vom Landessportbund mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

So richtig freuen darüber kann er sich aber nicht. Und das hat auch mit Fußball zu tun. Denn die Situation für den Nachwuchs der Spielvereinigung Cambs/Leezen ist aus seiner Sicht unbefriedigend. Es geht um die Höhe der Gebühren für die Nutzung der Sporthalle „Am Mühlenberg“ in Cambs. Sie betragen im Jahr rund 34 000 Euro. „Diese Summe kann unser Verein nicht aufbringen, nicht auf Dauer“, sagt er.

Für eine Stunde Nutzung der Sporthalle berechnet das Amt Crivitz – dieses ist Träger der Sporthalle – 34,50 Euro. Dabei sei es egal, so Frindt weiter, „ob wir nur die Umkleidekabinen mit Duschen und Toiletten benutzen, oder auch das Spielfeld.“ Und in der warmen Jahreszeit werde draußen auf dem Platz gespielt. „Die komplette Halle brauchen wir meistens gar nicht. Aber wir möchten bei Punktspielen, wenn Gastmannschaften anreisen, vernünftige Umkleidemöglichkeiten, Duschen und Toiletten anbieten.“

Frank-Rainer Müller, Bürgermeister der Gemeinde Cambs und zugleich Vorsitzender des Schulausschusses, sagt: „Wir haben dem Verein mitgeteilt, dass wir da keine Unterschiede machen können. Entweder der Verein miete die Halle komplett oder gar nicht.“ Eigentlich war die öffentliche Nutzung der Schulsporthalle ausgeschlossen. Müller habe sich – wie auch andere Bürgermeister – dafür ausgesprochen, die Halle für Vereine zu öffnen. Allerdings zu Gebühren, die auch kostendeckend sind, betont er. Der Schulausschuss hat ein wichtiges Wort mitzureden, wenn es um Investitionen und den Einsatz der finanziellen Mittel geht – und zwar für die Regional- und Grundschule in Cambs sowie für die Ori- Grundschule in Leezen.

Einst haben die Freizeitkicker die Halle kostenlos nutzen können. Nach der Ämterfusion 2014 wurde sie eine Schulsporthalle in Trägerschaft des Amtes Crivitz. Wer jetzt hier rein wollte, muss zahlen. Dazu sei man generell bereit, sagt Frindt, aber nicht in dieser Höhe. 34 000 Euro seien indiskutabel. Der Verein habe in der Vergangenheit reagiert, erklärt der Liessower. „Wir haben 2015 den Monatsbeitrag für Erwachsene von 10 auf 15 Euro und für Kinder von 5 auf 7,50 Uhr erhöht, um auch ein Signal zu senden.“

Der Schulausschuss beschäftigte sich mit dem Thema Hallennutzung. Die Mitglieder, das sind mehrere Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, machten deutlich, dass die Kommunen keinen finanziellen Spielraum mehr haben. „Wir müssen kostendeckend wirtschaften“, unterstreicht Frank-Rainer Müller. Nichtsdestotrotz kann jede Gemeinde prüfen, in welche Form Unterstützung möglich ist. Für den Sportplatz musste der Verein im Vorjahr keine Pacht zahlen. Der Vertrag wurde ausgesetzt – allerdings nur für 2015. Und für Punktspiele stelle Cambs die Räume im Gemeindezentrum, so sie nicht anderweitig vergeben sind, kostenlos bereit.

Der Verein suchte nach Lösungen. Überlegungen, Container am Sportplatz Cambs aufzustellen und mit Unterstützung der Gemeinde Wasser- und Abwasserleitungen zu verlegen, hat der Verein zumindest vorerst verworfen. Denn auch die Anschaffung von Containern kostet sehr viel Geld, sagt Vereinsmitglied Klaus Weiberg.

Derzeit spielen die Cambser und Leezener nicht nur in Cambs, sondern auch auf dem Sportplatz in Retgendorf, in Leezen und auch in der Sporthalle in Ventschow, wo der Verein wesentlich weniger zahlen müsse. Aber alles sei mit zusätzlichen Fahrten und Kosten verbunden.

„Die Situation ist unbefriedigend – leider“, fasst Frindt zusammen. Der Verein versuche, über Sponsoren Spenden einzusammeln, aber das Geld werde schon für den Spielbetrieb gebraucht – für Fahrtkosten, für den Schiedsrichter, für Plakate. Nicht unerwähnt lassen will Frindt, dass auch Eltern den Verein unterstützen, indem sie etwa Fahrten zu den Spielorten übernehmen oder Spielkleidung für ihre Sprösslinge selbst kaufen.

Wenn sich die Situation nicht ändere, könne es sein, dass die Kinder in Cambs nicht mehr spielen können, betont Eduard Frindt. Das wäre sehr schade, denn der Sportplatz hier sei hervorragend. In der Spielvereinigung Cambs/Leezen sind rund 100 Spieler in sechs NachwuchsMannschaften organisiert. Sie nehmen am Spielbetrieb im Kreis Ludwigslust-Parchim und in der Landesliga teil.

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