Gädebehn : Nachwuchs für den Wald

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Thomas Franiel hilft mit beherzten Schnitten in der Forstbaumschule in Gädebehn bei der Erlen-Veredlung

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24. März 2018, 08:00 Uhr

„Wir brauchen von Nummer fünf noch einmal vier Stück“, schallt es durch den kleinen Schuppen auf dem Gelände des Forstamtes Gädebehn. Draußen hat sich der Frost auf die Tannennadeln und Gräser gelegt. Drinnen knistert das Feuer im kleinen Ofen und es herrscht reges Treiben. Die Mitarbeiterinnen stapeln Reisigbündel. Kleine Bäumchen stehen in Plastiktöpfen auf dem Boden.

Keine fünf Sekunden benötigt  Thomas Franiel für das Schneiden der Zunge an den jungen Trieben.
Katja Müller
Keine fünf Sekunden benötigt Thomas Franiel für das Schneiden der Zunge an den jungen Trieben.

Manuela Springer, die Leiterin der Forstbaumschule, ist mit dem Klemmbrett bewaffnet unterwegs und koordiniert die einzelnen Arbeitsschritte: „Wir veredeln heute die Erlen. Wir brauchen mehr Klone im Bestand“, sagt sie und widmet sich wieder der Liste. Es dürfe kein Zweig und kein Stamm vertauscht werden. Denn in ein paar Jahren sollen nicht nur stattliche Erlen daraus erwachsen sein, sondern auch Saatgut gewonnen werden. „Wir haben eine Erlenplantage und liefern Saatgut für die Samendarre in Jatznick“, erklärt Manuela Springer. Und damit es in der forsteigenen Erlenplantage nie zu Nachwuchsschwierigkeiten kommt, haben sich die Frostwirtinnen jetzt Unterstützung eines Fachmanns geholt: Thomas Franiel.

Der Crivitzer ist vereidigter Baumsachverständiger und kennt sich aus mit den einzelnen Veredelungsformen. So gebe es bei der Veredlung von Erlen verschiedene Möglichkeiten: Eine ist die Okulation. Dabei werde eine Knospe – auch Auge genannt – auf ein Edelreis gesetzt. Das sei, so der Baumsachverständige, aber nur im Juli und August möglich. Deshalb setzen die Gädebehner auf das Zusammensetzen ausgesuchter Zweige auf entsprechende Stämme: „Die Kopulation mit Gegenzunge ist in diesem Fall die sicherste Methode“, sagt Thomas Franiel und setzt das scharfe Messer noch einmal an dem dünnen Stamm an. Knapp zwei Jahre alt ist die kleine Erle, die nun mit einem neuen Reis versehen wird. „So können wir garantieren, dass die richtige Sorte dann auch genügend Samen in einer gewünschten Höhe abgibt“, sagt Manuela Springer. Bei einem natürlichen Wuchs müsste der Baum beispielsweise für die Ernte gefällt werden. „Wir garantieren so eine hohe und reine Qualität wie auch ideale Erntebedingungen“, fügt sie hinzu.

In zehn Jahren würde die jetzige Arbeit Früchte tragen und die Bäume für Erlen-Nachwuchs sorgen. „Etwa 30 Jahre lang können die Erlen geerntet werden. Deshalb müssen wir in bestimmten Abständen immer wieder aufforsten“, erläutert Manuela Springer. Auch die Entwicklung sei von Baum zu Baum verschieden. Aus fünf verschiedenen Forstbaumschulen kommen die Reiser und die Erlen mit Ballen von einer privaten Baumschule aus Niedersachsen. Und stecken Reis und Stämmchen aufeinander, werden sie fest mit einem Gummiband verschnürt. „Das löst sich nach einiger Zeit auf. Wichtig ist nur, dass es jetzt nicht feucht wird“, erklärt Thomas Franiel. Dafür streicht Forstwirtin Sigrid Hinz die Stellen mit Wachs ein. Vorerst bleibt der Erlennachwuchs im Schuppen. „Wenn der Frost Geschichte ist, kommen sie in den Boden“, erklärt Manuela Springer.

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