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Kriminaldauerdienst Schwerin : Nachts auf Streife mit der Kripo

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Wie sieht die Arbeit der Kripo eigentlich aus? Einer unserer Redakteure wollte es genauer wissen und begleitete den Schweriner Kriminaldauerdienst in einer Schicht.

svz.de von
erstellt am 08.Nov.2011 | 10:20 Uhr

Schwerin | Der Abend beginnt ruhig. "Man weiß nie, was kommt", sagt Kriminalhauptmeister Dietmar Rienecker. Der 54-Jährige leitet in dieser Nacht die Schicht beim Schweriner Kriminaldauerdienst (KDD). Offene Vorgänge abschließen - und warten. Computer-Arbeitsplätze, auf den Tischen die Verpflegung für zwölf Stunden, Kaffee, Cola und ein Strafgesetzbuch, die wichtigsten Telefonnummern an der Wand - das Büro des KDD im Polizeizentrum in der Graf-Yorck-Straße. Um 22.26 Uhr ist es soweit - der erste Einsatz: Ein 14-jähriger Junge wird vom Mitarbeiter einer Jugendwohngruppe als vermisst gemeldet. Rienecker und seine Kollegen ahnen sofort, um wen es sich handelt - ein Stammkunde. Schon mehr mals haben sie den Jungen aus einem leer stehen den Bürogebäude in der Wismarschen Straße geholt. "Wahrscheinlich hält er sich wieder in dem Haus auf", erklärt Rienecker und steigt mit Polizeioberkommissar Alexander Below (33), der heute erst die zweite Schicht beim KDD macht, in den dunklen Dienst-Passat.

Knapp 20 Minuten später sind die beiden Polizisten am Ort des Geschehens. Im ersten Stock des mehrgeschossigen Gebäudes brennt Licht. Mit einer Taschenlampe tasten sich Rienecker und Below voran. "Angst darf man in unserem Job nicht haben, aber man sollte auch nie den Respekt vor der Situation ver lieren", betont Rienecker. Schließlich entde cken die Beamten den gesuchten 14-Jährigen. Unter den jungen Leuten, die in den verwahrlosten Räumen eine Party feiern, befinden sich auch noch ein 13- und ein 14-jähriges Mädchen. Per Handy ruft Rienecker einen Streifenwagen, um die beiden "Nachtfalter" nach Hause bringen zu lassen. Den 14-jährigen Jungen liefern er und Kollege Below persönlich bei der betreffenden Wohngruppe in der Altstadt ab.

Vermissten-Fälle sind das tägliche Brot des Kriminaldauerdienstes. "Es gibt einige Dauerausreißer, die uns regel mäßig beschäftigen", sagt Polizeisprecherin Madlen Fafczynski, die selbst ein Jahr beim KDD tätig war. Gefordert seien die Kollegen, die eng mit der Schutzpolizei zusammenarbeiteten, aber unter anderem auch, wenn Einbrüche, Körperverletzungen oder gar Tötungsdelikte gemeldet würden. "Der KDD fährt ,den ersten Angriff, nimmt Anzeigen auf, verhört Zeugen, sichert Spuren", erläutert Fafczynski. "Die Tatortarbeit ist das A und O", unterst reicht Dietmar Rienecker, seit sieben Jahren beim KDD, seit fast 30 Jahren Polizist. Was der Kriminal dau erdienst herausfinde, stelle die Grund lage für alle weiteren Ermittlungen dar. Das sei etwa auch im Fall Lea-Sophie so gewesen, berichtet der Kriminalhauptmeister, der damals die Erstbefragung der Eltern des verhungerten Mädchens durchführte. "Diese Bilder haben mich lange begleitet."

Gegen 3 Uhr starten Rieneckers Kollegen zu einer weiteren Runde durch die Stadt. Bei einem Baumarkt in Lankow hatte es am Vortag einen merkwürdigen Unfall mit einer eingedrückten Wand gegeben . Der Verursacher sei polizei be kannt, vielleicht habe er in der Nacht noch etwas am Tatort vor, sagt Rienecker. Seine Mitarbeiter schauen mal nach dem Rechten. Auf dem Weg zum Baumarkt begegnen sie zwei jungen Männern, die ihnen verdächtig vorkommen. Tatsächlich hat der eine junge Mann in seinem Leben schon "einige Dinger gedreht", wie sich bei der Kontrolle herausstellt. Sein Kumpel macht sich vorsichtshalber aus dem Staub.

Dann der nächste Einsatz: Ein Zeuge hat die Polizei darauf hingewiesen, dass sich auf dem Marienplatz ein 16-jähriges Mädchen mit einem grauen Kapuzen-Shirt aufhält, das offenbar von Zuhause ab gehauen ist. Im Vorraum einer Bank spüren die KDD-Leute das Mädchen auf, überprüfen die Personalien. Sie wolle einen Freund außerhalb Schwerins besuchen, erzählt die 16-Jährige. Doch aus dem Ausflug wird nichts. Die Polizei bringt die Jugendliche wieder zurück zu ihren Eltern.

Und schon kommt per Funk ein weiterer Auftrag: In der Wismarschen Straße soll es brennen. Als der KDD-Passat am Tatort vorfährt, rollt die Feuerwehr schon die Schläuche aus. Komplizierte Ermittlungen zur Brandursache sind jedoch nicht nötig. "Da hat jemand einfach den Sonntagsbraten in der Röhre vergessen", sagt Polizeioberkommissar Below.

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