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18. November 2017 | 04:04 Uhr

Stralendorf : Nachbarin dreht das Wasser ab

vom

Dass es so etwas überhaupt in Deutschland geben kann, das konnten sich Sabine und Detlef Dammann bislang nicht vorstellen. Doch seit Wochen lebt das Rentnerehepaar ohne Frischwasserver- und Abwasserentsorgung.

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2013 | 06:20 Uhr

Stralendorf | Dass es so etwas überhaupt im zivilisierten Deutschland geben kann, das konnten sich Sabine und Detlef Dammann bislang nicht vorstellen. Doch seit Wochen lebt das Rentnerehepaar in Stralendorf ohne Frischwasserver- und Abwasserentsorgung. Und das in den eigenen vier Wänden. Nachbarin Silke Richter, von der das Ehepaar die Wohnung über der Zahnarztpraxis und einen Teil des Grundstücks im Lindenweg Ende 2009 gekauft hatte, hatte Dammanns die Wasserzufuhr abgedreht. Die Aufforderung des Amtsgerichtes Ludwigslust, die Frischwasserzufuhr sofort wiederherzustellen, ignoriert Silke Richter. "Dieses Verfahren ist noch nicht ausgeurteilt", argumentiert sie gegenüber SVZ. Deshalb will sich Silke Richter auch nicht zu den konkreten Inhalten äußern.

Sabine und Detlef Dammann machen das hingegen ganz bewusst. Das Ehepaar sucht die Öffentlichkeit, macht mit Aushängen im Dorf auf seine Situation aufmerksam. Die Rentner tun das, damit sie so schnell wie möglich wieder unter normalen Bedingungen leben können: mit frischem Leitungswasser aus dem Hahn, mit funktionierender Toilettenspülung und Waschmaschine, mit einer ordnungsgemäß arbeitenden Heizungsanlage. "Was wir erdulden müssen, ist doch menschenunwürdig", sagt Sabine Dammann und ringt dabei um ihre Fassung. Trinkwasser holte sich das Ehepaar in Eimern vom Außenhahn eines Nachbarn. Neben der Kloschüssel steht eine Camper-Toilette. Die Waschmaschine bleibt aus. "Duschen können wir bei Bekannten", berichtet Detlef Dammann. Und mit all diesen Zumutungen ist es nicht getan. Allmählich wird es sogar in den Wohnräumen ungemütlich: Die Heizungsanlage benötigt eine regelmäßige Zufuhr von Frischwasser, eine Umwälzpumpe ging nach dem Abschalten bereits kaputt. Die Heizung arbeitet jetzt nur notdürftig, mit gedrosselter Leistung. Doch Dammanns geben sich kämpferisch. Sie wollen nicht klein beigeben. "Dass uns das Wasser abgedreht wurde, ist reine Schikane", betont Detlef Dammann

Hintergrund ist nach Angaben von Dammanns ein Streit über die Abwasserentsorgung. Das Ehepaar will, dass die zum Zeitpunkt des Kaufes bestehende und voll funktionsfähige Abwasserleitung am Netz bleibt. Diese führt erst über das Grundstück eines weiteren Nachbarn und dann über das Wohngrundstück von Silke Richter an den zentralen Kanal in der Dorfstraße. Das wollte Silke Richter ändern und hat es auch getan. "Ohne unsere Zustimmung", betont Detlef Dammann. "Dabei geht so eine gravierende, bauliche Veränderung in einer Eigentümergemeinschaft nur mit der Zustimmung aller Beteiligten." Eine Kostenbeteiligung an der neuen Abwasserleitung lehnten daher Dammanns ab. Das wiederum nahm Silke Richter zum Anlass, Dammanns das Trinkwasser abzudrehen, berichtet das Ehepaar. Frei nach dem Motto: Wer kein Wasser hat, erzeugt kein Abwasser. Und an den Absperrhahn kommen Dammanns nicht ran, denn der liegt im Gebäudeteil, der Silke Richter gehört. Nun hofft das Ehepaar darauf, dass bald ein Gerichtsvollzieher kommt und die einstweilige Verfügung zur Wiederherstellung der Frischwasserzufuhr durchsetzt. Denn selbst eine Bestätigung dieser Verfügung ignoriert Silke Richter, betonen Dammanns.

Sabine und Detlef Dammann hätten in ihrer konkreten Notsituation aber auch mehr Unterstützung von Seiten der Justiz erwartet. Denn nach der bislang letzten Entscheidung in Ludwigslust gehen die Akten hin und her, das Wasser bleibt abgestellt.

Die Strapazen, die Einschränkungen im alltäglichen Leben ertragen Sabine und Detlef Dammann mit kurzzeitiger Unterbrechung nun schon seit Anfang August. "Ein normales Privatleben haben wir nicht mehr. Freunde oder auch Verwandte können wir derzeit nicht zu uns einladen", erzählt Sabine Dammann. Und wenn sie nach dem Training im Sportverein gefragt werde, ob sie heute schon geduscht habe, findet die 66-Jährige das inzwischen nicht mehr lustig. "Solche Bemerkungen sind die Ausnahme", so Detlef Dammann. "Wir haben jede Hilfe und viel Zuspruch aus dem Dorf erhalten." Auch deshalb hat das Ehepaar die anhaltende Wasserblockade mit Aushängen öffentlich gemacht. Silke Richter reagierte darauf, aber nicht so, wie Dammanns es sich erhofft hatten. Denn der Absperrhahn ist noch zu. Silke Richter fühlt sich durch die Plakate verleumdet und will dagegen rechtlich vorgehen, sagte sie gegenüber SVZ.

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