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Tragödie in Holthusen : Nach Todesfall: Tiere ohne Zuhause

vom

Diese nächtliche Rettungsaktion wird Doris Schiemann nicht so schnell vergessen. Ein Tierhalter war unbemerkt verstorben. Seine drei Hunde und mehr als 20 Vögel blieben länger als eine Woche in der Wohnung zurück.

svz.de von
erstellt am 23.Nov.2011 | 03:10 Uhr

Holthusen | Diese nächtliche Rettungsaktion von Haustieren wird Doris Schiemann nicht so schnell vergessen. "Das war wirklich eine Tragödie. Der Halter war verstorben, ohne das dies sofort bemerkt wurde. Seine drei Hunde und mehr als 20 Vögel blieben länger als eine Woche unversorgt in der Wohnung zurück", erzählt die Inhaberin der Tierpension "Kleine Oase". Nachdem der Tod des Mannes entdeckt worden war, wurde deshalb auch Doris Schiemann von der Polizei in ein Dorf im Stralendorfer Amtsbereich gerufen, um die Not leidenden Tiere zu versorgen. "Für einen Teil der Vögel kam jede Hilfe zu spät. Einige lagen tot in ihren ohnehin viel zu kleinen Bauern", erzählt die Fachfrau. Im Grunde genommen sei es fast ein Wunder, dass zwölf Wellensittiche, zwei Nymphensittiche, ein Alexander sittich und ein Zebra fink den Stress und die Strapazen überlebt haben. Denn die Vögel benötigen eigentlich jeden Tag frisches Wasser und Futter. "Alle Tiere wurden vom Tierarzt untersucht und behandelt - und seitdem von uns aufgepäppelt", erzählt Doris Schiemann. Denn die Rettungsaktion ereignete sich bereits Ende Oktober.

Etwas besser als die 16 geretteten Vögel hatten es die drei Hunde des Verstorbenen. Sie konnten einen Papiersack mit Trockenfutter aufbeißen und im Toilettenbecken Wasser schlecken. "Ihr allgemeiner Zustand war daher recht gut, eine Hündin konnte aber aufgrund einer unbehandelten Augenkrankheit nichts sehen", blickt Doris Schiemann zurück. Auch für die Vierbeiner war es höchste Zeit, wieder in menschliche Obhut zu kommen. Die Pflege in Holthusen bekommt den Tieren gut. Die Hunde lebten sichtbar auf, freut sich Doris Schiemann. Für die Vögel musste sie extra große Volieren besorgen, denn so viele gefiederte Freunde sind normalerweise nicht in der Tierpension anzutreffen. Und sie sollen hier auch nicht dauerhaft bleiben.

Inzwischen ist rechtlich geklärt, dass die Tiere - Hunde wie Vögel - gegen eine Schutzgebühr an neue Halter vermittelt werden können. Doris Schiemann hofft, dass sich schnell Interessenten finden. "Aber kein Tier wird einfach weggegeben", betont die Fachfrau.

Da Wellensittiche Schwarmvögel sind, kommt für sie nur eine Haltung in der Gruppe oder mindestens als Paar in Frage. Die beiden Nymphensittiche und auch den prächtigen Alexandersittich will Doris Schiemann nur an jemanden abgeben, der sich mit Exoten auskennt und deren artgerechte Haltung ermöglicht.

Bei den drei Hunden - alles Dackelmischlinge - ist Doris Schiemann zuversichtlich, dass sich recht schnell neue Halter finden. "Sie haben immer in einer Wohnung gelebt, sind daher stubenrein und kommen auch mit älteren Menschen sehr gut aus", berichtet die Holthusenerin. In der Tierpension ist das Trio zwar immer noch gemeinsam untergebracht, doch die Tiere werden gern auch einzeln abgegeben. Doris Schiemann verschweigt nicht, dass einer der Hunde besondere Pflege benötigt. Im Gegenteil, der Tierfreundin ist wichtig, dass Suleika weiterhin zweimal täglich mit einer Salbe behandelt wird. Die etwa fünf Jahre alte, weiße Hündin leidet an einer Augenerkrankung, die eigentlich gut behandelt werden kann. "Das wurde in der Vergangenheit wahrscheinlich nicht ausreichend gemacht, deshalb hatte Suleika ihre Sehkraft zuletzt komplett eingebüßt." Das lag u.a. an Ablagerungen auf der Hornhaut. Diese konnten mit Hilfe von Medikamenten entfernt werden. Inzwischen kann das Tier wieder ein ganz normales Hundeleben führen. "Das bleibt auch so, wenn das Tier regelmäßig behandelt wird", betont Doris Schiemann. Tini, ein Langhaardackel-Mischling, ist um die sieben Jahre alt und wahrscheinlich das älteste Tier aus dem Trio. Für sie kommt nur eine Haltung in der Wohnung in Frage. Popeye ist der einzige Rüde der Gruppe. Der etwa sechs Jahre alte Dackelmischling hat durchaus seinen eigenen Kopf, wie Doris Schiemann bereits feststellen konnte. Er kann aber sehr gut als Zweithund gehalten werden.

Wer sich für diese oder auch andere abzugebende Tiere interessiert, kann sich direkt mit Doris Schiemann in der Tierpension (Telefonnummer 03865 - 844330) in Verbindung setzen. Zu finden ist die "Kleine Oase" im Alten Frachtweg, etwas abseits der Verbindungsstraße zwischen Holthusen und Sülstorf.

Tierfreunde reagierten prompt auf SVZ-Beitrag

Heute früh stand in der Holthusener Tierpension „Kleine Oase“ das Telefon nicht still. Nachdem SVZ über das Schicksal von 16 Vögeln und 3 Hunden informiert hatte, die nach dem Tod ihres Haltes untergebracht werden müssen, reagierten Tierfreunde prompt. „Innerhalb kurzer Zeit konnte ich alle Vögel und auch zwei der drei Hunde vergeben“, freut sich Doris Schiemann von der Tierpension. Sie bedankt sich herzlich für die große Hilfsbereitschaft. Lediglich für die Dackelmischlings-Hündin Suleika wurde noch kein neuer Eigentümer gefunden. Dieses Tier leidet zwar an einer Augenkrankheit, diese ist aber sehr gut behandelbar, betont Doris Schiemann.

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