Nach Missbrauchsvorwurf: Gespräche mit allen Schülern

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27. September 2012, 07:51 Uhr

Rastow | Gestern war kein normaler Unterrichtstag an der Rastower Schule. Auch heute geht es nicht stur nach Stundenplan. Nach der Verhaftung des Hausmeisters der Schule wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird über dieses Thema mit allen Schülern gesprochen. "Dabei geht es nicht um Schuld oder Unschuld in diesem konkreten Fall", betont Schulleiter Reinhard La bahn. "Das ist Sache der Ermittlungsbehörden, darüber muss ein Gericht entscheiden."

Doch so wie die meisten Einwohner von Rastow und Umgebung sind auch die Schüler verunsichert, entsetzt, verstört. "Fast alle Kinder sind heute dennoch pünktlich zum Unterricht erschienen", berichtet Labahn. Und der begann mit Klassenleiterstunden. Dort wurde über sexuellen Missbrauch gesprochen - dem Alter der jeweiligen Schüler entsprechend. Es ging um Prävention, Schutz und den Umgang mit Opfern. Hatte danach jemand weiteren Gesprächsbedarf, standen ihm Partner für Einzelgespräche zu Verfügung. "Wir haben uns professionell vorbereitet und starke Unterstützung an unserer Seite", hebt Labahn hervor. Sowohl Fachleute von schulpsychologischen Dienst als auch vom Fachbereich Jugend des Kreises Ludwigslust-Parchim sind nach Rastow gekommen, um in dieser Situation zu helfen. Auch heute bleibt es dabei: Wenn ein Schüler Hilfe braucht, bekommt er sie sofort. "Unser Gesprächs angebote werden angenommen", zieht Labahn einer erste Bilanz.

Gleichzeitig hofft der Schulleiter, dass in der Ferienwoche die Kinder und Jugendlichen etwas zur Ruhe kommen. Doch vom Tisch ist das Thema sexueller Missbrauch damit nicht. Kann es nicht sein. "Es wird uns noch lange begleiten", ist sich Reinhard Labahn sicher. Dazu gehört auch, dass die Schule das Gespräch mit den Eltern sucht. Nach den Herbstferien wird es eine Versammlung mit allen Eltern geben - und auch Gesprächsangebote bei weiterem Bedarf.

In den Ermittlungen gegen den Hausmeister indes gibt es wenig Neues. Der Beschuldigte schweigt immer noch, berichtet Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. Inzwischen hat der 47-Jährige einen Rechtsanwalt an seiner Seite. Die intensiven Ermittlungen haben noch keine neuen Erkenntnisse ans Tageslicht gebracht, so Urbanek. Dringender Tatverdacht wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Rastower bestehe in fünf Einzelfällen mit einem minderjährigen Geschädigten. Diese sind Grundlage für den Haftbefehl gegen den 47-Jährigen. Zwei weitere Jungen könnten Opfer sexueller Handlungen geworden sein - dort gibt es weiterhin einen Anfangsverdacht, so der Staatsanwalt.

Gestern kam ein neuer Fall hinzu: In Hagenow soll ein Mann am Mittwoch versucht haben, zwei Kinder zu sexuellen Handlungen zu überreden. Der Vorfall ereignete sich gegen 14 Uhr nahe der Bushaltestelle in der Robert-Stock-Straße. Den Schilderungen der zwölfjährigen Jungen zufolge, hatte der Mann die Kinder zunächst angesprochen und sie dann zu sexuellen Handlungen in seiner Wohnung überreden wollen. Als die Jungen ablehnten, soll der zirka 60 Jahre alte Mann davongegangen sein. Kurz darauf soll er noch ein weiteres Kind angesprochen haben. Die Polizei arbeitet auch in diesem Fall mit Hochdruck und sucht in Hagenow nach Zeugen des Vorfalls.

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