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FSJ am Mecklenburgischen Staatstheater : Nach der Schule ins Horror-Schloss

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Nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr: Lina Kröhnert und Marie Albrecht

machen das am Mecklenburgischen Staatstheater und stehen in der aktuellen Rockoper auf der Bühne.

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erstellt am 15.Feb.2013 | 06:17 Uhr

Schwerin | Fliegende Toastscheiben im Zuschauerraum, Theater-Professoren in Strapsen auf der Bühne, Standing Ovations am Ende der Vorstellung - für so schrägen Trubel sorgt derzeit Richard O’Briens Kultmusical "The Rocky Horror Show" im Großen Haus des Staatstheaters. Mitten drin sind neben bekannten Schauspielern wie Marcus Wünsch, Teresa Weißbach oder Klaus Bieligk auch Marie Albrecht und Lina Kröhnert. Die beiden Mädchen sind 18 Jahre alt und haben gerade das Abitur in der Tasche. Marie hat es vergangenen Sommer in Gadebusch bekommen, Lina an der Neumühler Schule. Was die Beiden außerdem gemeinsam haben: Für einen Lieblingsberuf konnte sich noch keine entscheiden. "Nach der Schule steht uns die Welt offen", sagt Marie Albrecht und Lina nickt zustimmend. Diese Chance möchten sie ergreifen. Das erste Jahr nach dem Abi machen sie deshalb ein Freiwilliges Soziales Jahr und haben zwei der insgesamt sechs begehrten Stellen am Mecklenburgischen Staatstheater ergattert. Zugeordnet sind sie dem Bereich Schauspiel.

Selbst auf der Bühne gestanden haben beide schon in der Schulzeit. Marie genoss in ihrem Austauschjahr in Kanada Schauspielunterricht, kam danach an den Jugendclub des Schweriner Theaters. Lina nahm Schauspielstunden bei Ataraxia. Regelmäßige Theatergängerin und Fan des Staatstheaters ist sie, seitdem sie Jochen Fahr in Kafkas "Die Verwandlung" gesehen hat.

Plötzlich auf der anderen Seite zu stehen ist für die Mädchen ein Erlebnis, das ihnen mehr bietet, als sie zunächst vermutet haben. Und in das sie freiwillig auch mehr Zeit investieren als die vorgeschriebenen 40 Wochenarbeitsstunden. Die Statistenrolle in der "Rocky Horror Show" sei ohnehin "Privatvergnügen", dafür haben sich Marie und Lina ganz offiziell beworben. "Ich sollte beim Casting eigentlich nur die Fotos machen. Weil mir aber irgendwann langweilig wurde, habe ich einfach die Schritte geübt und ein bisschen mitgetanzt", erzählt Lina. Kurz darauf wurde sie gefragt, wann sie endlich ihre Setcard abgibt, um bei der Winter-Produktion mitzutanzen. Leicht und ausgesprochen sexy bekleidet bei insgesamt 17 Aufführungen auf der Bühne zu stehen, den Time Warp zu tanzen oder lässig am Treppengeländer zu lehnen, ist für sie reiner Spaß und gar kein bisschen peinlich. "Es gibt Schauspieler, die sind bei der Show wesentlich nackter als ich", sagt die lächelnd.

Marie sitzt währenddessen als dunkles Unterweltmonster verkleidet im Orchestergraben, spielt dort das eigens für sie arrangierte Akkordeon. Mit ihrem Instrument unterstützte sie schon ein Team bei der Theater-Theken-Nacht. Zudem beherrscht sie noch Gitarre, Klavier, Cello und Schlagzeug. "Egal was ich zukünftig mache, Kultur wird dabei immer eine Rolle spielen", sagt Marie Albrecht.

Der Arbeitstag am Theater beginnt für Lina und Marie meist gegen 10 Uhr, dann geht es oft in die Proben. Dort übernehmen die FSJler Aufgaben aus der Regieassistenz, lesen Texte ein, soufflieren, takten die nächsten Probentermine. Der Nachmittag findet zumeist im kleinen Büro unterm Dach statt, dort werden z.B. verschiedene Stücke-Fassungen recherchiert, Texte abgetippt, ein Spielplan erstellt. Zu Ende ist der Arbeitstag zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Da die FSJler auch für Licht und Ton im Werk3 zuständig sind, kann es gerne später werden. "Theater existiert eben rund um die Uhr", sagt Marie Albrecht. "Wir bleiben gerne mal länger, weil die Arbeit wirklich Spaß macht." Vor allem die unterschiedlichen Menschen, denen sie hier begegnet, haben es der 18-Jährigen angetan. Lina hat vor allem die facettenreiche Arbeit überrascht, die sie hier zu erledigen hat.

Seinen Zauber hat das Theater für beide trotz des intensiven Blicks hinter die Kulissen aber kein bisschen eingebüßt. Im Gegenteil: "Wir haben uns vorgenommen, in unserem Jahr hier jedes Stück auf dem Spielplan zu sehen - mindestens einmal."

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