zur Navigation springen

Schwerin : Nabu erstattet Anzeige: Munitionsbergung bedroht Vögel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Naturschutzbund erstattet Strafanzeige gegen die Stadt, weil die Altlastenberäumung in den Göhrener Tannen in der Brutzeit erfolgt

von
erstellt am 13.Jul.2017 | 20:30 Uhr

„Es kann nicht sein, dass sich die Stadt über Recht und Gesetz hinwegsetzt und die massenweise Tötung von geschützten Singvögeln in Kauf nimmt“, sagt Ulf Bähker vom Schweriner Naturschutzbund. Der Nabu habe deshalb bei der Staatsanwaltschaft Schwerin Anzeige gegen die Landeshauptstadt wegen bewussten Verstoßes gegen Artenschutzrecht erstattet, so Bähker. Konkret geht es um Bauarbeiten in den Göhrener Tannen. Dort ist seit dieser Woche der Munitionsbergungsdienst im Einsatz, um eine etwa zehn Hektar große Fläche für die Ansiedlung eines neuen Industriebetriebes baureif zu machen.

„Wir wollen die Neuansiedlung keineswegs verhindern, Schwerin braucht jeden neuen Arbeitsplatz“, stellt Bähker klar. „Aber wir müssen Schaden von der Natur abwenden. Deshalb fordern wir einen sofortigen Stopp der Munitionsbergung. Denn auf eben jener Fläche befinden sich derzeit nachweislich mindestens 43 Brutreviere bodenbrütender Vögel, die gemäß Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz stehen.“

Bei den Arbeiten wird der gesamte Oberboden entfernt und nach Munitionsresten durchsiebt. „Es ist klar, dass dabei die Nester, Gelege und Jungvögel der Bodenbrüter grausam vernichtet werden“, erklärt Nabu-Landesgeschäftsführerin Dr. Rica Münchberger. „Deshalb haben wir in der vergangenen Woche per Schreiben an OB Rico Badenschier den sofortigen Baustopp gefordert. Leider dauern die Arbeiten trotzdem an – ein Skandal.“

Das Makabre an der Situation: Die Untere Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt hat sich ebenfalls für die Verschiebung der Bauarbeiten ausgesprochen. Dieser Einspruch wurde von Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum „nach Abwägung“ außer Kraft gesetzt.

Das kann Naturschützer Bähker nicht nachvollziehen. Denn es wären genug Zeit und Mittel vorhanden gewesen, dass diese Situation hätte gar nicht eintreten müssen. Schon im Februar hatte die Naturschutzbehörde eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt, diese jedoch an die Auflage geknüpft, dass die Arbeiten vor der Brutzeit erfolgen. Für den Fall, dass zeitliche Verzögerungen eintreten, wurde die Auflage erteilt, dass Brutvögel durch Vergrämungsmaßnahmen – etwa durch Vogelscheuchen – von der Fläche ferngehalten werden. Dies wurde jedoch versäumt, so dass sich in der Zwischenzeit mindestens 43 Brutpaare verschiedener gefährdeter Vogelarten wie Feldlerche, Braunkehlchen und Schwarzkehlchen ansiedeln konnten, wie ein Ornithologe ermittelt hat. „Nun kommt es auf ein paar Tage mehr auch nicht an“, sagt Bähker, bittet um Einlenken und einen Aufschub der Arbeiten bis August.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen