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9000 Menschen an Brechdurchfall erkrankt : MV verzichtet auf Hygiene-Ampel für Restaurants

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Vor einer öffentlichen Kennzeichnung, ob in Küchen hygienisch einwandfrei gearbeitet wird, müssen sich Imbiss- und Gastwirte in MV nicht fürchten. Denn das ist Land ist gegen solch einer Kennzeichnungspflicht.

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2012 | 07:40 Uhr

Schwerin | Nach der größten je von Lebensmitteln ausgelösten Krankheitswelle in Deutschland, bei der rund 9000 Menschen durch verseuchtes Schulessen einer bundesweit liefernden Catering-Firma an Brechdurchfall erkrankt sind, fordern Experten erneut kürzere Transportwege für Lebensmittel und die öffentliche Bekanntgabe der Ergebnisse von Hygiene-Kontrollen in Kantinen, Imbissen und Gaststätten.

Die Ergebnisse der Kontrollen über ein dreifarbiges Kontrollbarometer öffentlich an der Ladentür auszuhängen, schlagen die Verbraucherschützer bereits seit langem vor. Rot für dreckig. Gelb für schmuddelig. Grün für sauber. Die sogenannte Hygiene-Ampel wäre aus Sicht der Verbraucherschützer eine simple Lösung zu mehr Transparenz in Gaststätten, Kneipen und Kantinen: Auf einen Blick könnten Kunden erkennen, ob in den Küchen hygienisch einwandfrei gearbeitet wird oder nicht.

Vor einer solchen öffentlichen Kennzeichnung müssen sich Imbiss- und Gastwirte in Mecklenburg-Vorpommern vorerst nicht fürchten. Obwohl die Möglichkeit besteht, wird das Land laut Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz kein eigenes System einführen, um die Ergebnisse von Hygiene-Kontrollen an Ladentüren öffentlich zu machen. Erst solle der Bund die Rechtsgrundlagen für ein deutschlandweites Kontrollbarometer schaffen, teilte eine Ministeriumssprecherin dazu mit. Auf ihrer jüngsten Konferenz in Hamburg vor 14 Tagen konnten sich die zuständigen Minister allerdings erneut nicht auf ein gemeinsames System einigen. Dabei könnten die Länder nach Auffassung der Bundesministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) bereits jetzt schon eigene Hygiene-Barometer oder Bewertungssysteme einführen. Die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Restaurants und Imbisse wurde unter anderem in Hamburg angekündigt.

Vor diesem Schritt ziert sich die Landesregierung in MV. Nur mit einem bundeseinheitlichen Modell sei die Vergleichbarkeit über Ländergrenzen hinweg gewährleistert und Wettbewerbsverzerrungen für die Unternehmen ausgeschlossen, argumentiert das Ministerium. Der Aushang der Ergebnisse solle außerdem freiwillig geschehen.

Verbraucherschützer sind darüber enttäuscht. "Wir würden jeden Start begrüßen. Es gibt Nachholebedarf", sagte Uta Nehls, Vize-Vorstand der Verbraucherzentrale in MV. Mehr als jede vierte Gaststätte, Imbissbude oder Kneipe in Deutschland wurde laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit im vergangenen Jahr beanstandet. Die Verstöße würden sich auf einem konstantem Niveau bewegen, eine Verbesserung sei nicht in Sicht, kritisierte Nehls. "Die Hygieneampel oder ein ähnliches System wäre ein Schritt zu mehr Transparenz, sagte sie weiter und verwies auf Erfolge in Dänemark. Dort werden Gaststätten seit Jahren mit farbigen Smileys bewertet. Das System scheint zu funktionieren: Die Zahl der Beanstandungen hat sich halbiert.

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