zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 02:12 Uhr

Mutmaßlicher Vergewaltiger auf freiem Fuß

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jun.2013 | 06:51 Uhr

Schwerin | Das Schweriner Landgericht hat gestern einen gefährlichen Sexual-Straftäter frei gelassen und ihn gegen Meldeauflagen nach Hause geschickt. Zwar hat der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer zugleich das Hauptverfahren gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger eröffnet, aber den ersten Verhandlungstag erst in vier Wochen, am 11. Juli, angesetzt. Von einer vorbeugenden Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Freilassung ließ sich der Richter nicht beeindrucken. Seit gestern ist Axel S. auf freiem Fuß. Die Strafkammer gibt dem 50-Jährigen als Auflage lediglich auf den Weg, sich dem 49-Jährigen Opfer nicht zu nähern, sich einmal in der Woche bei der Polizei zu melden und seinen Wohnsitz aufzusuchen.

Der Wohnsitz des Täters befindet sich in einem Dorf nahe Schwerin nur wenige Hausnummern entfernt von dem Haus der alleinlebenden Frau, die er vor einem halben Jahr überfallen und mit einem Messer am Hals vergewaltigt hatte. Zuvor hatte der Täter die Tür von innen abgeschlossen. "Meine Mandantin lebt seitdem in großer Angst. Wir telefonieren zweimal täglich", so die Rechstanwältin Christine Habetha, die das Opfer in der Nebenklage vertritt. Sie ist aufgebracht: "So etwas habe ich in 30 Jahren im Beruf als Anwältin noch nicht erlebt." Die Anwältin suchte gestern für ihre Mandantin eine andere Unkunft, einen sicheren Ort.

Laut der Rechtsanwältin reicht eigentlich die Eröffnung des Hauptverfahrens aus, um den Täter dennoch in Haft zu behalten. Bereits im Januar war der Haftbefehl gegen den Täter von der Staatsanwaltschaft mit Wiederholungsgefahr begründet worden. Jetzt geht die 3. Große Strafkammer laut dem Sprecher des Landgerichtes, Detlef Baalcke, plötzlich davon aus, dass mit den "erlassenen Meldeauflagen der Fluchtgefahr und durch die Kontaktsperre der Wiederholungegefahr vorgebeut werden kann". Der Opferschutzverein "Weisser Ring" will die 49-Jährige auf eigene Kosten entfernt von ihrem Heimatort in einer dem Täter unbekannten Pension unterbringen.

Gestern hat die Staatsanwaltschaft Schwerin umgehend Beschwerde beim Oberlandesgericht in Rostock eingelegt. Ihre Anklage lautet auf "Vergewaltigung im besonders schweren Fall und Körperverletzung". Dem Täter drohen mindestens fünf Jahre Haft.

Seit zwei Wochen wogt hinter den Kulissen der Streit, ob der vermutlicher Vergewaltiger frei gelassen werden muss, weil die Kammer - nach eigenen Angaben zunächst wegen Überlastung - die Sechsmonatsfrist zwischen Verhaftung und Verfahrenseröffnung nicht einhalten könne. Von Überlastung ist zwar nicht mehr die Rede, nachdem Richter Armin Lessel ein umfangreiches Verfahren platzte. Nun liegt dem Vernehmen nach aber noch der Urlaub des Richtes zwischen Eröffnung und erstem Verhandlungstag. Erst im Oktober hatte die 3. Große Strafkammer zwei Tatverdächtige entlassen, weil ihr Prozess nicht rechtzeitig beginnen konnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen