Musiker auf finanziell gesunden Füßen

Europaweit unterwegs: Die Vogtland-Philharmonie gibt jedes fünfte Konzert außerhalb des Vogtlandes. Das bringt zusätzliche Einnahmen.
Europaweit unterwegs: Die Vogtland-Philharmonie gibt jedes fünfte Konzert außerhalb des Vogtlandes. Das bringt zusätzliche Einnahmen.

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04. September 2012, 09:51 Uhr

Schwerin | Wenn am kommenden Sonnabend von 20 Uhr an auf der Freilichtbühne "Philharmonic Rock" erklingt, sorgen rund 50 Musiker aus dem Vogtland für die passenden Töne - unterstützt von Solisten und einer Rockband. Das Besondere am Orchester, der Vogtland-Philharmonie, unter Leitung ihres Intendanten und Generalmusikdirektors Stefan Fraas: Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ensembles bundesweit steht dieses Orchester finanziell ohne Probleme da. Ein Erfolgsmodell.

"Heute würde das vermutlich nicht mehr so reibungslos funktionieren", schränkt Intendant Stefan Fraas den Optimismus ein, andere Städte und Orchester könnten das Modell einfach kopieren. Aber ein paar Entscheidungen könnten andere Intendanten ihm gern nachmachen, sagt Fraas lächelnd. Das betreffe zum Beispiel die Gewerkschaften. "Wir haben im Haus überhaupt keine Gewerkschaft mehr", erläutert Stefan Fraas. Orchesterproben mussten abgesagt werden, weil Techniker oder Sänger schon die tariflich festgelegte Arbeitszeit erreicht hatten - oder umgekehrt. "Wie soll sich da künstlerische Kreativität entfalten?", fragt der Generalmusikdirektor. Im Ensemble gelte ein Haustarifvertrag.

Ein weiteres Erfolgsrezept: Auftritte außerhalb und Gastkonzerte anderer Ensembles im eigenen Haus. Rund 140 Konzerte gibt die Vogtland-Philharmonie pro Jahr - jedes fünfte davon im In- und Ausland. Und während die Musiker andernorts spielen, treten Orchester aus anderen Städten im Vogtland auf. Gleich drei Tage in Folge hätte jüngst ein Klangkörper in der Vogtlandhalle Greiz gespielt - jedes Mal vor ausverkauftem Haus. Die Vogtland-Philharmonie kennt das: Alle ihre Konzerte sind aus-abonniert. Für ein Neu-Abo gibt es eine Warteliste. "Schwerin kann auch gern hier spielen", bietet der Intendant an.

1992 hat sich das Ensemble gegründet - aus dem Sinfonieorchester Greiz (Thüringen) und dem Vogtlandorchester Reichenbach (Sachsen). "Es war keine Fusion, bei der durch Einstellungsstopp und Alterspyramiden nach Jahren eine gesunde Musikerzahl erreicht wird", berichtet Fraas. "Jedes Ensemble gab 32 Musiker, eine Stelle wurde neu ausgeschrieben. Diese Zahl von 65 Musikern haben wir noch heute."

Dieser Zusammenschluss über Grenzen hinweg - Greiz und Reichenbach liegen gerade einmal neun Kilometer entfernt - führte auch zu zwei Spielstätten: den Park der Generationen in Reichenbach und die Vogtlandhalle Greiz, der einzige Theaterneubau Thüringens seit 1990. Die Vogtland-Philharmonie hat einen eigenen Förderverein mit mehr als 500 Mitgliedern. "Ich denke, das ist bundesweit einmalig für ein Ensemble", sagt Fraas stolz.

Finanziert wird die Vogtland-Philharmonie durch mehrere Säulen, wie Fraas erklärt: Die Länder Thüringen und Sachsen tragen je 25 Prozent. Der Vogtlandkreis und der Landkreis Greiz übernehmen je 15 Prozent, weitere je 10 Prozent Anteile haben die Städte Greiz und Reichenbach. "Wir selbst erwirtschaften rund 23 Prozent", sagt der Intendant. "Kurzfristig kennen wir keine finanziellen Probleme."

Das liegt auch an immer neuen Projekten. "Kids meets classic", "Queen Classic Night" und "Sounds of Hollywood" zählen ebenso dazu wie "Philharmonic Rock". Letzteres ist Sonnabend in Schwerin zu erleben - mit der Rene-Möckel-Band, Solo-Künstlern und Licht- und Laser-Show. Karten gibt es in der SVZ-Geschäftsstelle, Mecklenburgstraße 39.

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