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Schweriner Kunst erleben : „Museum soll Spaß machen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Junge Mitarbeiter stellen ihr Lieblingsbild vor: Förderverein wirbt mit besonderen Aktionen um Nachwuchs

von
erstellt am 30.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Magdalena Burkhardt hat den schönsten Arbeitsplatz, den sie sich vorstellen kann. Die Volontärin am Staatlichen Museum Schwerin kann sich vor allem an Hendrick Averkamps „Eislandschaft“ aus dem frühen 17. Jahrhundert gar nicht sattsehen. Das berühmte Kunstwerk hängt in der Galerie der Alten Meister und mehrmals am Tag geht Magdalena Burkhardt daran vorbei. Fast jedes Mal entdeckt sie etwas Neues, das sie zum Schmunzeln, Staunen oder Nachdenken bringt: Eisläufer, die gestürzt sind, Männer, die Boote reparieren, Frauen, die Wäsche aufhängen, ein Gesicht, das aus dem Fenster schaut, ein Mann, der aus dem Bild heraus direkt den Betrachter ansieht. Letzterer ist wohl der Maler selbst, der sich in diesem Alltags-Wimmelbild aus der kleinen Eiszeit verewigt hat. Wenn Magdalena Burkhardt „ihren“ Averkamp vorstellt, gerät sie ins Schwärmen und ihre Begeisterung steckt an. Genau das ist das Ziel der neuen Reihe „Luftsprünge“, mit der die Freunde des Museums in diesem Jahr Besucher unter 40 für Kunst begeistern wollen. So sehr begeistern, dass die Neuen am besten gleich Mitglied im Förderverein werden. Denn der sucht Nachwuchs.

Bei einer ersten Veranstaltung präsentierten und interpretierten junge Museums-Mitarbeiter ihre Lieblingsbilder einem jungen Publikum. Lea Fast macht ihren Bundesfreiwilligendienst im Museum. Sie hatte sich Ueckers „Weißer Schrei“ ausgesucht, ließ ihren Assoziationen, Gedanken und Gefühlen freien Lauf: Gewalt, Schmerz, Trauer, Einsamkeit, eine Seele, die sich in Qualen windet, sah sie in dem imposanten Nagelbild. Insgesamt sechs Volontäre, Praktikanten oder junge Leute im Freiwilligendienst stellten ihre Lieblingskunstwerke vor – von Thomas Wycks „Alchimist“ bis zum Marcel Duchamps „Schachtel im Koffer“. Sie alle ernteten für ihre Vorstellung auch Lob und Applaus von den Profis, die ebenfalls an diesen besonderen Führungen teilnahmen.

„Die Vorstellungen haben mir hervorragend gefallen“, sagt Gerd Graulich, Leiter der Abteilung Gemälde im Staatlichen Museum. „Jeder hat seinen individuellen Zugang zum Bild ganz authentisch geschildert.“ Genau das mache den Spaß und die Faszination aus, die es braucht, um das Museum als lebendigen Ort auch der jungen Generation nahe zu bringen.

„Es ist wichtig, dass nicht nur wir Greyhounds in den Vereinen sitzen, wir müssen dringend die jüngere Generation fürs bürgerschaftliche Engagement gewinnen“, sagt Mechthild Bening, Vorsitzende der Freunde des Staatlichen Museums Schwerin. Die haben seit ihrer Gründung im Jahr 1995 das Museum finanziell mit einer Summe von rund 900 000 Euro gefördert und damit auch ideell für Bekanntheit weit über die Landesgrenzen hinaus gesorgt. Die „KunstJunioren“ sollen den nachhaltigen Fortbestand dieses Engagements sichern. Ein Juniormitglied zahlt 30 Euro Jahresbeitrag. Mechthild Bening hofft, dass „die jungen Leute“ künftig noch mehr Veranstaltungen im Museum selbst organisieren. Für den 22. Juni ist auf jeden Fall schon mal eine Podiumsdiskussion geplant zum Thema „Wer für Nachwuchs sorgt, hat keine Nachwuchssorgen.“ In Vorbereitung darauf hat Juniormitglied Anna Wätjen an der Tagung der Bundesinitiative Junge Freunde Kunstmuseen in Köln teilgenommen und Kontakte zu erfolgreichen Initiativen geknüpft.


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