Alles Handarbeit : Museum poliert sein Silber auf

Mit einem Wattestäbchen und feuchter Kreide reinigt Restauratorin Claudia Köhler ein Silberkännchen.
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Mit einem Wattestäbchen und feuchter Kreide reinigt Restauratorin Claudia Köhler ein Silberkännchen.

Restauratorin Claudia Köhler bereitet mit aufwändiger Handarbeit mehr als 140 Einzelstücke für die Ausstellung im Schloss vor

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20. Februar 2014, 12:00 Uhr

Das Schlossmuseum bekommt wieder eine Silberkammer – anders als zu Zeiten des Großherzogs allerdings für jedermann zugänglich. Voraussichtlich Mitte dieses Jahres soll die neueste Dauerausstellung des Staatlichen Museums im Untergeschoss des Schlossturms an der Wasserseite eröffnet werden. „Vor allem aus Bundesmitteln ist der Raum dafür eigens saniert worden. Es ist der erste Museumsraum, der seit 1990 neu restauriert wurde“, berichtet Ralf Weingart, der Leiter des Schlossmuseums. In den ehemaligen großherzoglichen Kinderzimmern befindet sich bereits die Porzellanausstellung des Museums. Das Tafelsilber räumlich gleich im Anschluss zu zeigen, bietet eine sinnvolle thematische Ergänzung, sagt Weingart. Die teils kleinen, teils stattlichen Schätze haben zum Teil jahrelang im Depot auf ihren großen Moment gewartet, wieder in die Öffentlichkeit zu treten. Bei einigen hat dies Spuren hinterlassen, da sie nicht ständig gereinigt werden konnten. Statt im strahlenden Silberglanz zeigen sie sich in mattem Schwarz und Grau. Andere sind dagegen eher gelblich angelaufen.

Erst nach 1989 konnte das Staatliche Museum durch Schenkungen oder Ankäufe eine Silbersammlung aufbauen, überwiegend Stücke aus ehemals großherzoglichem Besitz mit filigran gravierten Monogrammen der jeweiligen Schweriner Regenten bzw. ihren Wappen. Denn nach der Revolution von 1918 war das fürstliche Silber in Privatbesitz geblieben, ein Verkauf an den Staat blieb aus. Viel Arbeit also für Diplom-Restauratorin Claudia Köhler.

Wer jedoch vermutet, dass die Restauratorin das in die Jahre gekommene Tafelsilber kurz in irgendwelche hochspezialisierten Geräte packt und dann alles wie durch Wunderhand geputzt wieder ausgespuckt wird, der wird enttäuscht. Claudia Köhler verrichtet akribische Handarbeit. Sie taucht ein befeuchtetes Wattestäbchen in eine Petrischale mit Champagnerkreide – schlichtes Calciumcarbonat für drei Euro fünfzig das Kilo. Und dann poliert sie eine fingernagelgroße Fläche auf einem kleinen Kännchen. Nach wenigen Minuten ist das matte Schwarz leuchtendem Silber gewichen. Mindestens einen Tag wird die auf Metalle spezialisierte Restauratorin brauchen, bis das ganze Kännchen das Aussehen für die Ausstellung erhalten hat. Diese Sorgfalt ist auch nötig, damit beim Polieren möglichst wenig Material abgetragen wird. Die Champagnerkreide eigne sich dafür besonders gut, weil keine tiefen Kratzer auf der Oberfläche entstehen.

Eine Behandlung mit Hilfe hochspezialisierter Technik ist derzeit im Schweriner Museum noch nicht möglich. Entsprechende Anschaffungen sind jedoch geplant. Durch Ultraschall sollen künftig beispielsweise die Münzen des Schweriner Museums gereinigt werden. Eine andere Behandlungsmethode ist die elektrolytische Silberreduktion. Sie schont das Material am meisten, weil nichts abgetragen wird. Reine chemische Säuberungsprozesse dagegen sind aus Restauratorensicht eher kontraproduktiv. „Dadurch bekommt das Silber meist einen gelblichen Stich“, erklärt Claudia Köhler. Auch die aus Privathaushalten bekannte Lösung mit Alu-Folie und Kochsalz ist für museale Zwecke ungeeignet. „Das greift das Material zu sehr an“, sagt die Restauratorin.

Damit ihre Arbeit möglichst lange vorhält, gilt es, das schädliche Zusammenspiel der drei Verursacher von Korrosion – Sauerstoff, Feuchtigkeit und Salze – möglichst zu bannen. Das großherzogliche Silber wird deshalb mit Aktivkohle-Textil ausgestellt. Das verhindere oder verzögere zumindest das Anlaufen – die Silberfarbe der Ausstellungsstücke bleibt erhalten.

Die Silberkammer im Schlossmuseum soll noch vor dem Sommer öffnen und wird rund 140 Einzelstücke zeigen. Einen großen Teil hat Claudia Köhler seit Jahresbeginn dafür schon vorbereitet.

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