Schweriner Feuerwehrschau : Museum kapituliert vor Vandalismus

Schweriner Feuerwehrmuseum. Foto: Archiv
Schweriner Feuerwehrmuseum. Foto: Archiv

Die Besucherzahlen stimmen, doch Vandalen machen dem Feuerwehrmuseum in der alten Halle am Fernsehturm in Schwerin das Leben zur Hölle. Die Finanzen sind durch die ständigen Reparaturen in gefährliche Schieflage geraten.

svz.de von
22. Juni 2012, 10:12 Uhr

Muesser Holz | Sie werden bespuckt, beschimpft, bedroht, einmal sei sogar ein Hund auf ihn gehetzt worden, erzählt Uwe Rosenfeld, Chef des Schweriner Feuerwehrmuseums in der Halle am Fernsehturm. Eingeschlagene Fensterscheiben, umgetretene Zäune und zerstochene Reifen seien ebenfalls an der Tagesordnung. Die Folge: Trotz guter Besucherzahlen - etwa 14000 im Jahr - würden die Einnahmen die Kosten nicht mehr decken. "Von den 20 Ehrenamtlichen, die mit dem Feuerwehrmuseum aus Meetzen mit nach Schwerin kamen, sind heute nur noch zwei übrig", sagt Rosenfeld. "Die anderen wollen sich das hier nicht mehr antun." Steht das Feuerwehrmuseum vor dem Aus?

Lange werde er unter diesen Umständen wohl nicht mehr durchhalten, ließ Rosenfeld durchblicken bei der Sitzung, die der Ortsbeirat extra zu diesem Thema einberufen und kompetente Gäste dazu geladen hatte. Polizei-Chef Ingo Renk war gekommen ebenso wie Baudezernent und Vize-OB Dr. Wolfram Friedersdorff. Vorwürfe machte Rosenfeld vor allem der Stadt, die mit der Halle auch Grünflächen ans Museum abgegeben und damit Zoff in Kauf genommen hätte. Die Mitarbeiter des Feuerwehrmuseums sind seit 2009 verantwortlich für das Areal rund ums Haus bis hin zum Fernsehturm. Das bedeutet: regelmäßig mähen, sauber und sicher halten. Die Fläche wird aber nicht nur von Hundebesitzern zum Gassigehen benutzt - und entsprechend verschmutzt -, sondern vor allem als Abkürzungsstrecke geschätzt. Auf eben diesem Weg sei kurz nach der Eröffnung des Museums ein Kind mit dem Rad schwer gestürzt, so Rosenfeld. "Daraufhin wurden wir auf Schadensersatz verklagt."

Versuche, den Weg abzusperren und auch die Hundebesitzer fernzuhalten, schlugen fehl und sorgten für großen Missmut in der Nachbarschaft. Kurz darauf begannen die Vandalismusschäden und Einbrüche, so Rosenfeld. Schließlich wurde der unmittelbare Bereich um das Museum abgezäunt.

Ein zentraler Weg blieb dabei allerdings offen: Die Straße direkt hinter der Halle gehört ebenfalls den Blauröcken, doch weil sie von den Anwohnern gern genutzt wird, wurde dort kein Zaun gezogen. Bis zum vergangenen Dezember, als Uwe Rosenfeld dort einen riesigen Müllhaufen entdeckte. Er telefonierte mit der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen und erfuhr, dass er selbst zuständig sei für die Entsorgung. Ansonsten könne er wegen der illegalen Müllhalde auf seinem Grundstück verklagt werden. Rosenfeld ist heute noch wütend, wenn er von dem Gespräch berichtet. Jetzt ist also auch dieser Bereich mit Maschendraht abgesperrt, doch der Zaun werde regelmäßig umgeschmissen, aufgeschnitten, umgefahren.

"Wir haben abgemessen, dass die Bürger ungefähr 90 Meter Umweg in Kauf nehmen müssen, wenn sie jetzt auf dem Bürgersteig vor dem Museum langgehen", sagt Rosenfeld. Ist dazu niemand bereit? Die Fronten scheinen verhärtet, doch es gibt Hoffnungsschimmer am Horizont. Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff schlug vor, dass die Stadt zumindest den Trampelpfad als öffentlichen Weg wieder übernimmt, um das Feuerwehrmuseum von den Haftungs problemen zu befreien. Die gesamten Grünflächen und damit auch deren Pflege möchte die Stadt aber nicht wieder übernehmen. Schließlich habe man dem Museum das gesamte Objekt für einen Euro Erbpachtzins pro Jahr überlassen, das sei Entgegenkommen genug.

Die Polizei versprach ein stärkeres Augenmerk auf das Areal zu haben. Allerdings lagen Ingo Renk aus dem vergangenen Jahr nur fünf gemeldete Vorgänge vor. "Wir haben irgendwann aufgehört, Anzeige zu erstatten, weil die Fälle meistens eingestellt wurden", begründet Rosenfeld.

Schließlich ist eine Anwohnerversammlung in der Halle am Fernsehturm angedacht, die der Ortsbeirat mit organisieren will. Idee: Wenn die Bürger die Sorgen der Musemsleute persönlich erklärt bekommen, würden die Randale vielleicht aufhören. Rosenfeld hofft das Beste. Doch wenn sich die Lage nicht deutlich ändert, müsse das Museum ausziehen.

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