Zeitreise : Munitionsbergung: Explosiver Untergrund

Auf dem Grund des nördlichen Schweriner Außensees schlummert noch Munition.
Auf dem Grund des nördlichen Schweriner Außensees schlummert noch Munition.

Im Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg für die Region bei Crivitz, fliehende Deutsche vergruben Munition.

svz.de von
14. Mai 2018, 12:00 Uhr

„Ich habe als Kind noch gesehen, wie die Panzer der Amerikaner in Schwerin einfuhren“, erinnert sich Hans-Joachim Dosdall. Sein Leben lang hatte der Pinnower mit den Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges zu tun.

Erst arbeitete er beim Munitionsbergungsdienst der DDR, nach der Wende gründete er seine Firma für Kampfmittelbeseitigung in Pinnow. „Wir nennen es Auflösungsgebiet“, sagt er zu dem Waldgebiet zwischen Raben Steinfeld über Sukow bis nach Crivitz. Hier rieben die anglo-amerikanischen Truppen und die Belorussische Front die letzten Reste der Deutschen Wehrmacht auf, bis sie sich am 3. Mai 1945 bei Crivitz die Hände reichten. „Der Boden in diesem Gebiet ist jedoch nicht durch Kampfhandlungen mit Munition belastet, sondern vor allem, weil die fliehenden deutschen Soldaten Munition und Kriegsgerät loswerden mussten“, so Dosdall.

Viel sei in den Wäldern vergraben worden, aber: „Am geeignetsten fanden die Soldaten dafür Wasser, deshalb ist viel in die Dorfteiche gekippt worden. Das war deutschlandweit so.“ Auf dem Gebiet der DDR habe es jedoch in den 1960-er Jahren eine Beräumungsaktion für die Dorfteiche gegeben. Aber auf dem Grund des Schweriner Sees, vor allem im nördlichen Bereich, schlummere immer noch eine Menge Munition.

Zum einen wollten viele deutsche Soldaten lieber von den Amerikanern als von den Russen gefangen genommen werden und flohen deshalb über den einzig freien Ausweg an der Döpe entlang über Hohen Viecheln nach Bad Kleinen. Dabei landete nicht nur Kriegsgerät- und Munition im Wald von Flessenow, sondern auch auf dem Seegrund. „Außerdem kam ein Güterzug mit Munition bei Hohen Viecheln zum Stehen“, weiß Hans-Joachim Dosdall. Die Munition dieses Zuges wurde auf Anweisung der Alliierten im See versenkt. „Die Alliierten hatten große Angst, dass versprengte Wehrmachtssoldaten mit dieser Munition weiter kämpfen.“ Deshalb wurden alle Anwohner mit Booten aufgefordert, diese Munition auf den See hinaus zu fahren und hineinzukippen. Daran würden sich ältere Einwohner heute noch erinnern.

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