Gefahr im Untergrund : Munitionsberger im Großeinsatz

Relikte aus Sowjetzeiten: Munitionsberger Maik Rohde zeigt die Hülsen von 122-Millimeter-Granaten, die auf dem Gelände in der Gartenstadt gefunden wurden.  Fotos: Christian Koepke (3)
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Relikte aus Sowjetzeiten: Munitionsberger Maik Rohde zeigt die Hülsen von 122-Millimeter-Granaten, die auf dem Gelände in der Gartenstadt gefunden wurden. Fotos: Christian Koepke (3)

Explosive Hinterlassenschaft: Spezialfirma hat auf der Erweiterungsfläche des TGZ schon 15,9 Tonnen Kampfmittel geborgen

svz.de von
19. November 2014, 08:00 Uhr

Erdberge, Geröll, schweres Gerät. Auf dem Areal zwischen der Mettenheimerstraße und der Umgehungsstraße bleibt kein Sandkorn auf dem anderen. Bombensicher soll die Erweiterungsfläche des Technologie- und Gewerbezentrums (TGZ) in der Gartenstadt sein. Und deshalb leisten Munitionsberger echte Schwerstarbeit. Quadratzentimeter für Quadratzentimeter untersuchen die Spezialisten der Firma Schollenberger aus dem niedersächsischen Celle das 7,3 Hektar große Gebiet auf die Hinterlassenschaften der NS-Wehrmacht und der Roten Armee, die das Gelände einst nutzten. Es wird sondiert, gegraben, sortiert.

Sicher ist sicher: Hinter Containern und einem großen Wall steht die riesige Maschine, mit der das ausgehobene Erdreich gesiebt wird. Über drei Förderbänder läuft der Aushub, der von Magneten nach Metallteilen abgetastet wird. „Etwa 800 Kubikmeter Erde können wir so am Tag auf Kleinmunition untersuchen“, erklärt Bauleiter Jens Conrad, der in der Gartenstadt mit einem guten Dutzend Leute im Einsatz ist.

Seit Ende August läuft die Beräumung. Die Hälfte des Grundstücks ist kontrolliert – und die Ausbeute gewaltig. „Es wurden insgesamt schon 15,9 Tonnen Munition gefunden“, berichtet Frank Treichel vom Munitionsbergungsdienst MV. Tatsächlich sei die Fläche sehr stark belastet. „In den 80er-Jahren hat es an dieser Stelle eine große Explosion gegeben“, so Treichel. Munitionsteile seien dabei weit verstreut worden.

Infanteriemunition, Granaten, Handgranaten, auch Minen und panzerbrechende Waffen hätten die Fachleute von Schollenberger bereits gefunden, fast ausschließlich aus der Sowjetzeit, schildert Treichel. Bei etwa 90 Prozent der entdeckten Munition handele es sich um Übungsgeschosse, der Rest freilich sei scharf. „Eine Granate musste vor Ort gesprengt werden“, so der Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes. Entsorgt würden die militärischen Fundstücke im Munitionszerlegebetrieb in Jessenitz. Bis spätestens Mitte Januar wollen die Munitionsberger mit ihrer Arbeit in der Gartenstadt fertig sein – „wenn das Wetter mitspielt“, sagt Bauleiter Conrad.

Auf einen pünktlichen Abschluss der Bergungsarbeiten hofft auch Klaus Seehase vom Technologie- und Gewerbezentrum. Ende März kommenden Jahres will er mit dem Bau einer Straße auf der Erweiterungsfläche beginnen. Danach sollen Wasser und Strom gelegt, Bäume und Büsche gepflanzt werden. Sechs oder sieben Firmen könnten sich auf dem zweiten Bauabschnitt des TGZ ansiedeln, sagt Seehase. Drei Interessenten habe er schon.

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