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Im Schweriner Speicher : Mungo Jerry dreht die Zeit zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim Konzert der britischen Kultband im Speicher erinnern sich viele Gäste an ihre Jugend „in the summertime“ anno 1970

von
erstellt am 17.Apr.2016 | 21:00 Uhr

„Er ist ein bisschen in die Jahre gekommen – wie wir“, sagt eine Besucherin. Ja, da steht er auf der Bühne, Ray Dorset, der Frontmann der legendären Band Mungo Jerry, stimmt seine Gitarre. Jeans, schwarzes Hemd, die markante Zahnlücke, der Backenbart. 70 Jahre alt ist Dorset inzwischen, aber noch immer auf Tour. Dann greift er in die Saiten, spielt das Lied an, das Mungo Jerry einst über Nacht in der Welt berühmt gemacht hat. Aber etwas müssen sich die 200 Besucher im Schweriner Speicher noch gedulden, bis sie „In the Summertime“ ganz hören. Doch die Stimmung ist schon jetzt prächtig.

Mehr als 30 Millionen Mal hat Mungo Jerry „In the Summertime“ verkauft, 1970 veröffentlicht, der erfolgreichste Sommerhit aller Zeiten. Riesige Arenen und Stadien hat die Band in ihrer besten Zeit gefüllt, sich auf Festivals mühelos mit Größen wie Jimi Hendrix, Elton John, Rod Stewart und Status Quo gemessen.

Nun also der Speicher. Die Herren auf der Bühne haben nichts verlernt, geben ordentlich Gas, und das Publikum macht mit, tanzt, wippt, singt. Es ist diese Mischung aus Rock, Blues, Boogie und Skiffle, die den Sound von Mungo Jerry ausmacht, ein Sound, der ins Ohr rein- und nicht wieder rausgeht. Bei „Lady Rose“, Mungo Jerrys weiterem Erfolgstitel, kocht das Soziokulturelle Zentrum in der Röntgenstraße.

Auch Helga Macke ist mittlerweile warm geworden – vom Mitmachen. „Mungo Jerry sind die Helden meiner Jugend, jetzt erlebe ich sie live auf der Bühne, einfach klasse“, sagt die 64-jährige Schwerinerin. Die schönsten Erinnerungen verbinde sie mit den Titeln von Dorset und seinen Kollegen, erzählt sie. Welche? „Na, wir waren doch jung damals.“ Helga Macke lacht.

Es ist die Generation 50plusplus, die sich im Speicher versammelt hat, die mit Mungo Jerry groß geworden ist. Sogar aus Hamburg sind Gäste gekommen, lassen die Club-Atmosphäre auf sich wirken. Die Besucher genießen das Heute und denken zurück an gestern. „Die Musik aus dem Westen konnten wir ja nur heimlich hören“, sagt Klaus aus Schwerin. Ein Kumpel habe ein Tonband mit „In the Summertime“ besessen. „Wir saßen zusammen, tranken Bier und hatten unseren Spaß mit dem neuen Lied“, erinnert sich Klaus, 20 war er – damals.

Für Speicher-Chef Dieter Manthey ist das Konzert mit Mungo Jerry ein Volltreffer. 14 Gastspiele gäbe die Band in Deutschland, sagt er. 13-mal fänden die Auftritte in größeren Hallen statt, nur einmal in einem Club – im Speicher. „Ich bin mit dem Chef der Agentur seit 20 Jahren befreundet, deshalb war es möglich, die Band hierher zu holen“, erklärt Manthey. Viele große Alt-Stars hat er im Speicher schon präsentiert – ob Midge Ure oder Mitch Ryder oder andere. „Sie können einfach nicht aufhören, brauchen die Bühne, brauchen den Erfolg“, sagt Manthey.

Und dann kommt es endlich, das Lied. „In the Summertime“. Das Publikum johlt. Nur der Pfeiler an der Bühne steht noch still. Zum ersten Mal sei Mungo Jerry in Schwerin, hatte Ray Dorset zu Konzertbeginn gesagt – auf Deutsch. Und vielleicht war es ja nicht der letzte Auftritt in der Stadt. Vielleicht kommt die Band ja wieder. Vielleicht in irgendeinem Sommer.

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