Hebammen in Schwerin : Mütter brauchen mehr Intuition

Sie betreuen werdende Mütter und helfen auch nach der Geburt: Birgit Berg, Constanze Rost-Schnabel und Annerose Friedrich (v.l.) haben noch viel vor – unter anderem planen sie eine Hebammen-Praxis in Schwerin.
Sie betreuen werdende Mütter und helfen auch nach der Geburt: Birgit Berg, Constanze Rost-Schnabel und Annerose Friedrich (v.l.) haben noch viel vor – unter anderem planen sie eine Hebammen-Praxis in Schwerin.

Heute ist der Tag der Hebammen: Birgit Berg, Constanze Rost-Schnabel und Annerose Friedrich brechen eine Lanze für ihren Beruf

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05. Mai 2018, 05:00 Uhr

Wie viele Geburten sie schon begleitet, Mütter beraten und letztendlich Kindern auf die Welt geholfen hat, kann Constanze Rost-Schnabel gar nicht sagen. „Mehr als 2000 waren es auf jeden Fall“, ist sich die Hebamme sicher. Klar ist für die 55-Jährige auch: „Es werden noch ein paar Hundert mehr.“ Sie liebt ihren Beruf und sieht ihn nicht als einen Job, sondern als Berufung. Schon früh war für Constanze Rost-Schnabel klar, dass sie Hebamme werden wollte. 1982 schloss sie ihre Ausbildung ab, war dann zehn Jahre im Barbara Krankenhaus in Halle, arbeitete nach der Wende freiberuflich und baute ein Geburtshaus auf – übernahm bis 2010 die Leitung. Mehr als 1000 Kinder erblickten in der Einrichtung das Licht der Welt. Auch Birgit Berg kennt die „guten alten Zeiten“. Beide lernten sich dort kennen und schätzen. Heute arbeiten beide Hebammen freiberuflich knapp 350 Kilometer von ihrer alten Heimat entfernt in Mecklenburg. Birgit Berg ist zudem noch im Crivitzer Krankenhaus angestellt. Gern denkt sie an die Zeit in Halle zurück. Die Wertschätzung der Hebammen sei dort eine andere. „Früher war es normal, dass Schwangere zur Hebamme gehen. Das ist auch heute in Sachsen-Anhalt noch der Fall. Hier reicht vielen werdenden Müttern der Gynäkologe“, sagt Birgit Berg. Die Hebamme werde oftmals erst kurz vor der Geburt kontaktiert. Das sei zu spät. „Wie soll ich eine Mutter begleiten, wenn ich sie nicht kenne“, sagt Annerose Friedrich. Sie ist einst von Bitterfeld nach Mecklenburg gekommen und hat die Kluft zwischen Gynäkologen und Hebammen ebenfalls festgestellt. „Jeder hat seine Berechtigung und niemand nimmt dem anderen etwas weg“, betont die 75-Jährige. Ihre Erfahrung ist es allerdings, dass viele werdende Mütter heute gar nicht mehr wüssten, was eine Hebamme macht. „Uns geht es darum, zu vermitteln, dass eine Geburt ein ganz natürlicher körperlicher Prozess ist“, sagt sie. Mit anderen Worten: Sind Mutter und Kind gesund, dann ist eine Geburt ohne Kaiserschnitt und Periduralanästhesie (PDA) durchaus machbar, versichert Constanze Rost-Schnabel und ergänzt: „Um Kinder zu machen, ist ja auch keine Technik nötig.“ Schwangere hätten es verlernt, auf sich selbst zu hören. „Es kommt uns darauf an, den Müttern Sicherheit zu geben und ihnen die Angst vor der Geburt zu nehmen“, betont Birgit Berg. Alle Drei wollen keinesfalls die Arbeit in den Kliniken und Praxen schlecht machen: „Doch es reicht nicht aus, alles nur mit ein paar Geräten zu überwachen. Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Prozesse. Dafür brauchen die Mütter Intuition“, sagt Constanze Rost-Schnabel. Die drei Frauen wünschen sich, dass nicht nur heute am Tag der Hebammen über ihren Berufsstand gesprochen wird. „Eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten würde vor allem den werdenden Müttern helfen“, lautet ihr Appell. Demnächst werden sie eine Hebammen-Praxis in Schwerin eröffnen.

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