Schwerin : Mueßer Holz verliert Discounter

Am Grünen Tal steht der neue Aldi – nur einige hundert Meter entfernt vom Aldi im „Köpmarkt“. Über dessen Zukunft sagt der Discounter bislang nichts.
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Am Grünen Tal steht der neue Aldi – nur einige hundert Meter entfernt vom Aldi im „Köpmarkt“. Über dessen Zukunft sagt der Discounter bislang nichts.

Aldi-Markt in der Hegelstraße schließt – und in den sozialen Medien diskutieren die Anwohner

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20. Juni 2016, 21:00 Uhr

„Dann gibt es da hinten ja gar nichts mehr“, kommentiert Ricarda Liedtke den Facebook-Eintrag, dass der Aldi-Markt in der Hegelstraße am Mittwoch nach Dienstschluss für immer seine Türen schließt. Und Arvid de Groot schreibt: „Jetzt gibt es wieder nix zum Einkaufen, außer Kaufland und das heißt wieder weit laufen.“ Janine Meißner ergänzt: „Für alte Leute tut es mir leid.“ Und Anett Kosa schreibt: „Es ist wirklich schade, dass der Aldi schließt. Somit ist den Leuten, die da wohnen und ohne Auto sind, die letzte Einkaufsmöglichkeit genommen worden. Aber dafür gibt es ja dann zwei vorne auf dem Dreesch – was für eine dumme Idee. Aber das entscheiden immer Büroleute, die nicht davon betroffen sind. Man hätte mal die Menschheit fragen sollen.“

„Ich bedauere das sehr“, sagt Gret-Doris Klemkow. Die Ortsbeiratsvorsitzende vom Mueßer Holz weiß aber auch: „Wir können leider weder Unternehmen noch Investoren zwingen, bei uns im Stadtteil zu bleiben oder sich hier anzusiedeln.“

Dabei macht die öffentliche Hand eine Menge, um den sozialen Brennpunkt zu entschärfen und das Image aufzupolieren. „Es gibt mehrere Projekte, die beispielsweise durch das Programm Soziale Stadt gefördert werden“, berichtet Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. Erst jüngst habe es einen millionenschweren Scheck aus der Bundeshauptstadt gegeben, um das einstige Schliemann-Gymnasium zu einem Begegnungszentrum umzugestalten.

Auch städteplanerisch bewege sich die Stadt weiter auf das Mueßer Holz zu. Der Große Dreesch sei fertig, Neu Zippendorf biete mit den Seeterrassen ein besonderes Wohnareal und jetzt werde der Berliner Platz angegangen. Auch im Mueßer Holz habe sich schon einiges getan, sagt Nottebaum. „Wir diskutieren auch gerade erneut den Prüfantrag, die Durchfahrt nach Consrade zu öffnen“, so der Baudezernent. „Das wäre noch einmal ein deutliches Zeichen für das Mueßer Holz, wenn der Stadtteil keine Sackgasse mehr ist.“

Dennoch: Die aktuellen Zahlen zeigen, dass es viele weitere Probleme im Quartier gibt. Mehr als 9000 Schweriner leben im Mueßer Holz, jeder dritte ist jünger als 27 Jahre. 1200 Bewohner sind arbeitslos gemeldet, mehr als jeder zweite von ihnen ist das schon sehr lange. In keinem anderen Stadtteil gibt es einen so großen Wohnungsleerstand. In keinem anderen Stadtteil leben so viele Schweriner mit nicht-deutschen Wurzeln. Das Mueßer Holz ist dennoch kein Kriminalitätsschwerpunkt der Landeshauptstadt, sagt die Polizei.

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