Schwerin : Mueßer Holz schrumpft weiter

Weiterhin nur eine freie Fläche: Der ehemalige Buga-Parkplatz rechts sollte längst bebaut werden. Der Ortsbeirat vermutet, dass andere Baugebiete bei der Stadt Priorität haben.
Weiterhin nur eine freie Fläche: Der ehemalige Buga-Parkplatz rechts sollte längst bebaut werden. Der Ortsbeirat vermutet, dass andere Baugebiete bei der Stadt Priorität haben.

Knapp 600 Plattenbau-Wohnungen weniger in nur zwei Jahren - der Stadtumbau im Mueßer Holz geht rasant weiter. Während auf der einen Seite die heute unbeliebten DDR-Häuser fallen, lässt der Neubau länger auf sich warten.

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24. September 2012, 07:43 Uhr

Muesser Holz | Knapp 600 Plattenbau-Wohnungen weniger in nur zwei Jahren - der Stadtumbau im Mueßer Holz geht rasant weiter. Und dennoch sind nicht alle Beteiligten zufrieden. Denn während auf der einen Seite die heute unbeliebten DDR-Häuser fallen, lässt der Neubau länger auf sich warten als angekündigt. Auf dem ehemaligen Buga-Großparkplatz rund um Curie- und Eulerstraße sollten schon in diesem Jahr die Bagger anrücken und den Weg freischaufeln für das erste Einfamilienhaus im neuen Wohngebiet "Am Scharrn". Doch die Baufahrzeuge lassen auf sich warten und plötzlich wird auch der Preis nach oben korrigiert: Statt der avisierten 50 läge der aktuelle Preis für den erschlossenen Quadratmeter Boden nun bei 80 Euro, teilte Reinhard Huß vom Amt für Stadtentwicklung jetzt dem überraschten Ortsbeirat mit. Zwar sei das Gelände wegen der vorher dort stehenden Hochhäuser quasi erschlossen, leider sei der Zuschnitt der Versorgungsleitungen nicht so ohne Weiteres auf ein Einfamilienhaus-Gebiet übertragbar. 80 Euro seien allerdings für das Wunsch-Publikum zu hoch, deshalb müsste jetzt neu abgewogen werden.

Als das Projekt "Günstiges Wohnen für junge Familien im Mueßer Holz" vorgestellt wurde, hatte das noch ganz anders geklungen - quasi sofort machbar und überaus preiswert. Schon zur Bundesgartenschau 2009 sollte auf dem Abriss-Gelände ein Musterhaus stehen und für das künftige, günstige Wohngebiet werben. Als daraus nichts wurde, vertröstete Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff den Ortsbeirat, der das Thema immer wieder auf die Tagesordnung setzt, auf das Jahr 2012. Das zählt jetzt nur noch drei Monate und das Projekt scheint weiter entfernt denn je. "Wahrscheinlich müssen erst die anderen Neubaugebiete der Stadt gefüllt sein, bevor wieder ans Mueßer Holz gedacht wird", unkte der Ortsbeirat. Vorsitzender Georg-Christian Riedel versprach immerhin, der Stadt gegenüber weiter den Finger in die Wunde zu legen.

Genauso tut er das seit Jahren mit dem "Lückenschluss" zwischen Mueßer Holz und Consrade. Nur wenige hundert Meter am Waldrand entlang trennen Hamburger Allee und Umlandgemeinde. Genau dort soll eine kleine Straße gebaut werden, wünscht sich der Ortsbeirat. Selbst wenn nur ein Teil des Verkehrs aus Richtung Consrade künftig über das Mueßer Holz in die Stadt fahren würde, könnten viele Geschäfte profitieren und der Stadtteil belebt werden, ist sich Riedel sicher. Verschiedene Kostenrechnungen gab es in den vergangenen Jahren bereits, jetzt sei eine Anfrage beim Land gestartet, erklärte Reinhard Huß. "Die betroffene Strecke liegt außerhalb des Fördergebietes, so dass die Stadt dafür nicht ohne Weiteres Programm-Mittel bekommt", so der Experte. Das Land müsste diese erst konkret bewilligen - und dann braucht es auch eine Entscheidung der Stadtvertretung.

Entscheidungsfreudiger geht es beim Thema "Rückbau" zu. Im Juli startete der Abriss von 300 Wohnungen im Mueßer Holz. Zuvor musste die Stadt 250 Wohnungen des Bavaria Fonds erwerben. Mit der Sanierung der Turnhalle an der Schule am Fernsehturm wurde ebenfalls begonnen. Außerdem kaufte die Stadt die leer stehende Halle in der Hegelstraße 2. Was aus diesem Objekt werden soll, ist noch nicht ganz klar. Eine Einrichtung für Jugendliche favorisiert die Stadt, hat die Träger der Jugendarbeit um Konzepte und Ideen gebeten. Die Crux: Das Objekt selbst würde zwar mietfrei weggehen, die Betriebskosten müssten aber die jeweiligen Nutzer zahlen - und das kann im Winter ganz schön teuer werden. Der bauliche Zustand der Halle sei in Ordnung, so Huß, im Keller gäbe es sogar noch einen Raum, der sich hervorragend als Probenraum für eine Band eigne, sowie eine ehemalige Gaststätte. Gibt es allerdings kein tragfähiges Konzept des Trägerverbundes, seien auch ein überdachter Spielplatz oder eine Skaterbahn in der Halle vorstellbar. Die letzte Option allerdings lautet Abriss.

Das sei auch die Lösung für die ehemalige Kita in der Gagarinstraße, erklärte Huß auf Nachfrage. Allerdings sei das Grundstück noch mit Schulden belastet, so dass der Abriss für die Stadt zurzeit finanziell nicht machbar sei. Möglich hingegen ist der Abriss des bald komplett leer stehenden Schulkomplexes in der Ziolkowskistraße. An seiner Stelle wird eine Grünfläche entstehen.

Für 2013 stehen weitere Plattenbauten auf der Abriss-Liste, 260 Wohnungen von SWG und WGS, die weichen sollen. Die Mieter seien bereits informiert, so Huß.


Diese Häuser werden 2012 abgerissen

• Max-Planck-Straße 14 bis 17
• Hamburger Allee 226 bis 238
• Otto-von-Guericke-Straße 2 bis 16
• Kantstraße 53 bis 63
• Hegelstraße 56 bis 62
• Schule Ziolkowskistraße

Diese Häuser werden 2013 abgerissen

• Galileo-Galilei-Straße 2 bis 8
• Hamburger Allee 164 bis 170
• Kantstraße 1 bis 7 und 34
• Hegelstraße 1 bis 7

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