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Sozialer Brennpunkt : „Mueßer Holz ist nicht die Bronx“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trotz Gully-Attacke und Überfällen: Ex-Ortsbeiratschef Georg-Christian Riedel warnt vor Pauschalurteilen / Polizei setzt auf Streifen

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Ein Elfjähriger sperrt einen Klassenkameraden an der Haltestelle Keplerstraße in einen Gully-Schacht ein. Ein sehbehinderter Schweriner wird in der Hamburger Allee hinterrücks überfallen und sogar seiner Brille beraubt. Ein Mann aus Somalia erleidet bei einem brutalen Übergriff an der Keplerstraße schwere Verletzungen. Drei Straftaten aus diesem Jahr, drei Taten, die für Bestürzung sorgten – und das Mueßer Holz einmal mehr negativ in die Schlagzeilen brachten. Viele Bürger fürchten um ihre Sicherheit, wie eine SVZ-Umfrage zeigt.

Georg-Christian Riedel, mehr als acht Jahre lang Ortsbeiratsvorsitzender im Mueßer Holz, warnt dennoch vor pauschalen Urteilen. „Das Mueßer Holz ist nicht die Bronx von Schwerin“, sagt Riedel mit einer Anspielung auf den wegen seiner hohen Kriminalitätsrate verrufenen Stadtteil von New York. Ja, es gäbe soziale Probleme im Mueßer Holz, ja, die Zahl der Arbeitslosen unter den knapp 10 000 Einwohnern sei hoch, aber es fänden sich auch genug hoffnungsvolle Zeichen. Vereine holten Jugendliche von der Straße, Initiativen brächten Einheimische und Migranten zusammen, berichtet der ehemalige Ortsbeiratschef. Und: In der Kriminalitätsstatistik stehe das Mueßer Holz besser da als sein Ruf.

Tatsächlich ist nach Angaben der Polizei etwa die Zahl der Rohheitsdelikte im Stadtteil im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Bei Raubstraftaten gäbe es sogar einen Rückgang um die Hälfte, betont Schwerins Polizeisprecher Steffen Salow. „Unser Konzept der verstärkten Bestreifung zeigt Wirkung.“

Vor gut zwei Jahren hatte die Polizei auf einen damals deutlichen Anstieg der Straftaten im Mueßer Holz reagiert und die Präsenz im Stadtteil erhöht – offenbar mit Erfolg. So sei etwa auch das Graffiti-Problem im Umfeld der Kirchen „auf Null“ gefahren, schildert Polizeihauptmeister Thomas Böhm, der als Kontaktbereichsbeamter im Mueßer Holz unterwegs ist.

Gleichwohl habe es in diesem Jahr die schockierenden Straftaten im Mueßer Holz gegeben, zeige sich bei Rohheitsdelikten oft eine höhere Intensität der Gewalt, räumt Böhm ein. „Wir dürfen diese Taten aber nicht verallgemeinern und einen ganzen Stadtteil stigmatisieren.“

Die Polizei werde an ihrem Präsenzkonzept festhalten, mit allen wichtigen Institutionen und Einrichtungen im Mueßer Holz im Gespräch bleiben und auf zentrale Orte wie etwa die Keplerpassage weiterhin besonders aufmerksam blicken, kündigt der Kontaktbeamte an. Das Mueßer Holz mit seinen günstigen Mieten sei nun mal ein sozialer Brennpunkt, anders als etwa der Große Dreesch. Dort ist Böhms Kollege Frank Schwabbauer als Kontaktbeamter tätig. „Menschen einen Job und eine Lebensperspektive zu geben, ist die beste Präventionsarbeit“, so lautet sein Rat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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