Schwerin : Mueßer haben das Warten satt

Streitpunkt Alte Crivitzer Landstraße:  Bessere Pflege hätte das Schlimmste verhindert, sagen die Anwohner. Straßen halten nur eine gewisse Zeit, kontert die Verwaltung.
Streitpunkt Alte Crivitzer Landstraße: Bessere Pflege hätte das Schlimmste verhindert, sagen die Anwohner. Straßen halten nur eine gewisse Zeit, kontert die Verwaltung.

Seit Jahren warten die Mueßer auf die Sanierung ihrer Straßen. Jetzt ist Schluss. Bewohner erarbeiten ein eigenes Konzept zur Ortsteilentwicklung und fordern von der Stadt bessere Pflege von Straßen und Gehwegen.

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25. Mai 2012, 10:05 Uhr

Muess | Jahrelang haben die Mueßer auf die Sanierung ihrer Straßen gewartet. Eines der Hauptargumente für die Frist: Wenn die B 321 erweitert wird, gäbe es höchstwahrscheinlich auch Fördermittel für den Ausbau anderer Strecken im Ort. Jetzt ist der vierspurige Ausbau der Bundesstraße mal wieder verschoben worden (SVZ berichtete). Die Mueßer haben die Nase voll vom Warten, während ihre Wege immer schlechter werden. Doch die Nachrichten, die Oberbürgermeisterin Angelikas Gramkow bei der Ortsbeiratssitzung mitbrachte, stimmten sie nicht milder. Wenn jetzt grundhaft ausgebaut würde, gäbe es dafür keine Finanzspritzen von Bund oder Land und die Anlieger müssten selbst erhebliche Ausbaubeiträge zahlen. Ein Problem, fast Bewohner anderer Stadtteile auch gut kennen, denn viele Straßen wurden in der aktuellen Analyse der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) als nicht mehr reparabel bewertet. "Ich weiß, dass das bei Ihnen nicht gut ankommt, aber es nützt nichts drumherum zu reden: Die Stadt kann zurzeit für die Straßen im Ortsteil keinen grundhaften Ausbau anbieten", so Gramkow Tatsächlich kam diese Botschaft bei den Mueßern nicht gut an. Allerdings fordern sie auch gar keinen grundhaften Ausbau, sondern "nur" gute Instandhaltung. Von gepflasterten Bürgersteigen wollen sie nichts wissen und auch die Kopfsteinpisten passen sehr gut ins alte Ortsbild, so die Meinung vieler. Allerdings müssten die Wege regelmäßiger gepflegt werden, dann käme es auch nicht zu Schäden wie beispielsweise an der Alten Crivitzer Landstraße, wo der Bürgersteig zum Teil schon einem Hohlweg gliche. Eltern mit Kinderwagen müssten hier oft auf die Fahrbahn ausweichen - an heißen Tagen, an denen Softeis-Fans obendrein noch die Straße zuparken, sei die Verkehrssituation eine Katastrophe.

Der Ortsbeirat Mueß ist zwar der jüngste in der Landeshauptstadt, gehört jedoch auch zu den umtriebigsten. Eigenständig erarbeitet er zurzeit eine Ortsteilentwicklungskonzeption, die Bernd Karsten am Mittwoch vor rund 60 Mueßern vorstellte. Tenor: Mit ihrer Lebenssituation - stadtnahes Wohnen in ländlicher Umgebung mit Natur anbindung - sind die knapp 1000 Mueßer sehr zufrieden. Die Eigeninitiative vieler Bürger wurde hoch gelobt. Doch eine Wunsch- und Mängel-Liste gibt es auch: Zusätzlich zu den desolaten Straßen wird darüber geklagt, dass die Reppiner Burg immer stärker zuwuchert und von Aussichtspunkt eigentlich keine Rede mehr sein könnte. In Hinblick auf die abgebrannte Gaststätte an der Stör und die maroden Steganlagen würden sich die Mueßer von der Stadt mehr Druck auf die Eigentümer wünschen.

Dass die Bewohner des alten Fischereidorfes heute nur noch an den äußeren Grenzen ihres Ortes einen Seezugang haben - die meisten Ufer sind privat zugebaut - sorgt ebenfalls für Unmut. Und Radlern und Wanderern gegenüber würden sich die Mueßer fast schämen, was das Aussehen ihrer Wege anbelangt. Von den angrenzenden Gemeinden seien die Touristen weitaus Besseres gewohnt. "Vielleicht müssten wir mal über Ausgemeindung nachdenken", erklärte Ortsbeiratsmitglied Andreas Helms provozierend in Richtung Oberbürgermeisterin.

Angelika Gramkow ließ sich allerdings nicht weiter aus der Ruhe bringen, lobte die Mueßer für ihr großes Interesse und den detaillierten Zukunftsplan und nimmt die Anregungen, Wünsche und Forderungen mit ins Amt.

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